Mönchengladbach: Choristocats verlassen die Stadt

Mönchengladbach : Choristocats verlassen die Stadt

Andauernde Querelen mit der Stadt und das Gefühl, von der Politik nicht anerkannt zu werden, hat die jungen Sänger und die Leiter des Chorprojekts zermürbt. Sie suchen eine neue Bleibe. Angebote soll es bereits geben.

Die Vorwürfe wiegen schwer. "Es gab fortwährend Terminschwierigkeiten, Absprachen wurden nicht eingehalten, manchmal standen wir vor verschlossenen Türen oder wir fanden einen vollgemüllten Saal vor", sagt Hermannjosef Roosen. Der Erfinder und Leiter des Projekts "Choristocats", das er als Pilotprojekt des Landes NRW nach Mönchengladbach holte, glaubt nicht, dass er und seine Jugendlichen in der Stadt noch eine Chance haben. "Wir haben uns entschlossen, woanders weiter zu machen." Angebote aus benachbarten Städten gäbe es bereits. "Es gibt Städte und Gemeinden, die uns ihre Hallen und Säle ohne weiteres umsonst nutzen lassen wollen."

Sichtlich begeistert

Das war einer der wesentlichen Knackpunkte. Für jeden Auftritt der Choristocats musste das Projektmanagement hohe Saalmieten bezahlen. Mit anfangs mehr als 400, später mit der Stammbesetzung von 160 Sängern und Tänzern und hunderten Zuschauern bei jeder Veranstaltung konnte Hermannjosef Roosen nicht auf kleinere Räume ausweichen. Als am 7. März 2010 Bürgermeister Klaus Schäfer (SPD) eine Show der jungen Talente sah, hatte er sichtlich begeistert die zukünftige kostenfreie Nutzung der städtischen Hallen in Aussicht gestellt.

Bis heute fühlt sich Schäfer missverstanden: "Aber dazu gebe ich jetzt keinen Kommentar mehr ab." Und auch von der Stadt heißt es: "Zu den Vorwürfen von Herrn Roosen wird sich die Stadtverwaltung nicht mehr äußern." Der Projektleiter habe die Gebührenordnung der Stadt für die Hallen gekannt. "Glaubt eigentlich irgendjemand bei der Stadt, dass wir kostendeckende Eintrittsgelder erheben können, um diese Summen zu bezahlen?", fragt Roosen.

Als die Not am größten war, wandte er sich an den CDU-Landtagsabgeordneten Michael Schroeren. "Ich hatte mir die jungen Leute auf der Bühne angesehen und war restlos begeistert", sagt er. "Und ich erkannte natürlich die große Chance, junge Menschen in solch ein Projekt einzubinden, ihnen eine musikalische Ausbildung zu geben und Talente zu entdecken." 3500 Euro steuerte auf Schroerens Anfrage die Abteilung Jugend des Landtages bei. "Wenn die Choristocats der Stadt tatsächlich den Rücken kehren, finde ich das sehr schade." Er bedaure sehr, dass die jungen Menschen keine adäquate Unterstützung von Seiten der Stadt erhalten hätten. "Da geht eine große Chance verloren – für die jungen Talente und für die Stadt."

Michael Schroeren will die Choristocats nicht einfach gehen lassen. "Ich werde mich an entsprechender Stelle für das Projekt einsetzen", sagt er. Heute beispielsweise im Gespräch mit dem Kultur- und Bildungsdezernenten der Stadt, Dr. Gert Fischer.

(RP)