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Mönchengladbach: Carmina Burana: Liebe als Lebenskraft

Mönchengladbach : Carmina Burana: Liebe als Lebenskraft

Ballettchef Robert North setzt Carl Orffs Zyklus "Carmina Burana" mit dem Ballettensemble des Theaters in Szene. Mit der Premiere am 13. Juni gelangt das Ballett als letzte Produktion dieser Saison auf den Spielplan.

"O Fortuna!" - der große Eingangschor zu den Carmina Burana von Carl Orff ist seit Langem und auch heute noch ein Ohrwurm. Weil das Stück so populär ist, mache es die konzeptionelle Umsetzung leicht und schwer zugleich, sagte Ballettdramaturgin Regina Härtling bei der Einführungsmatinee zu der Produktion im Theater. Dort wird das Stück am 13. Juni in einer neuen Fassung für Ballett seine Premierenvorstellung erleben.

Die Choreografie dafür liegt in den bewährten Händen von Ballettdirektor Robert North. An ihn waren bei der Matinee denn auch viele Fragen gerichtet, die Härtling stellvertretend für das Publikum formulierte. Aber auch der musikalische Leiter Alexander Steinitz sowie Bühnenbildner Udo Hesse nahmen Stellung zu ihrer Arbeit.

"Die Carmina Burana nach der Zusammenstellung und Komposition von Carl Orff gehören keiner spezifischen Gattung wie Oper oder Oratorium an, sondern bilden eine eigene musiktheatralische Form", erläuterte Härtling. Orff selbst hat im Untertitel seines Opus "Weltliche Gesänge für Soli und Chor mit Begleitung von Instrumenten und Bildern" notiert. Die Texte der von Orff ausgewählten 24 Lieder entstammen einer mittelalterlichen Sammlung mit Vagabunden- und Liebesliedern aus dem 11. und 12. Jahrhundert in lateinischer und mittelhochdeutscher Sprache. Orff teilt sie in drei Themenblöcke ein: Erwachen des Frühlings, In der Taverne, Cour d'amour (Liebeshof). Umrahmt werden die Blöcke vom mächtigen Chorsatz "O Fortuna"" zu Ehren der Schicksalsgöttin.

"Weil das Stück keine Handlung hat, habe ich eine Geschichte dazu erfunden", sagte North. Eine Liebesgeschichte zwischen einem Jungen und einem Mädchen durchziehe als roter Faden die drei Teile, weitere Charaktere flankieren die Handlung. Im zweiten Teil, in der Taverne, tanzen - der Zeit geschuldet - allerdings nur die Männer. Die Tanzeinlagen zeigten, dass North die stark rhythmische und kraftvolle Musik in ebenso kraftvolle Bewegungen übersetzt, eine seiner Stärken. Orff habe versucht, die mittelalterliche Tonsprache durch eine tonikal verankerte, diatonische Melodik ohne Kontrapunkt nachzuempfinden. Für Kapellmeister Alexander Steinitz war es keine Frage, dass der Chor und das Orchester auf der Bühne platziert werden. Mit drei Chören (Opernchor, Extrachor und Kinderchor der Chorakademie Kempen), den Niederrheinischen Sinfonikern und 20 Tänzern sei die Realisierung allerdings eine organisatorische und logistische Herausforderung. Für die Gestaltung des Bühnenraums sei deswegen eine Lösung gefunden, die allen Personen Raum gebe, erläuterte Ausstatter Hesse sein Konzept.

Die Kostüme fangen mittelalterliches Flair ein, seien aber modern und vor allem bequem zum Tanzen, ergänzte Robert North. Er interpretiere "Fortuna" weniger als Vorsehung denn als Möglichkeit, das Glück selbst in die Hand zu nehmen. Die Liebe sei schließlich die alles bewegende Kraft.

(apo)