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Mönchengladbach: Carmen als Drama auf der Tanzbühne

Mönchengladbach : Carmen als Drama auf der Tanzbühne

Robert North choreografiert Prosper Mérimées Novelle als Ballett. Die Musik komponierte Christopher Benstead.

Vorantreibende, fast furiose Klänge erfüllen den Theatersaal. Sie kommen von der CD, dazu bewegen sich 22 Tänzerinnen und Tänzer. Einer steht dabei, inspiziert das Geschehen und winkt im nächsten Moment ab, dann unterbricht auch Ballettmeisterin Sheri Cook die an Strawinskys pulsierende Motorik erinnernde Musik.

Robert North hat noch an einigen Bewegungsabläufen seiner hoch ausdifferenzierten Choreografie etwas auszusetzen, manchmal macht der Mittsechziger den viel jüngeren Tänzern sogar vor, wie er sich eine Pirouette oder eine gesprungene Arabeske genau vorstellt. Wir schauen bei einer Bühnenprobe des Balletts "Carmen" zu, wenige Tage vor der Premiere.

Auf die Idee zu dem Stoff sei übrigens seine Frau Sheri gekommen, erzählt der amerikanische Chefchoreograf des Theaters Krefeld/Mönchengladbach. Dabei sei ihm aber "bald klargeworden, dass wir nicht die Musik der populären Oper ,Carmen' von Bizet verwenden wollten". Als eine ungarische Ballett-Compagnie North bat, ein neues Ballett zu kreieren, wandte er sich an den britischen Komponisten (und Tänzer!) Christopher Benstead (62), mit dem er einst zusammen im Ensemble des Ballet Rambert in London getanzt hatte.

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Der hat nun eine an spanische Musikgattungen wie Flamenco und Cante Jondo und iberisches Flair angelehnte Musik komponiert. Diese — das zeigte bereits der kurze Probenbesuch gestern — ist perfekt für dramatische tänzerische Umsetzung. Auch der schwungvolle Paartanz "Sevillana" kommt vor. Der heißblütige Soldat Don José, der sich in die schöne, geheimnisvolle Zigarrendreherin Carmen verliebt, tritt in der Novelle von Prosper Mérimée stärker in den Mittelpunkt als in Bizets Oper. Und seine Gegenspieler — García, Carmens Ehemann (der in der Bizet-Oper nicht erscheint) sowie ein Torero — sorgen für weitere dramatische Impulse. Spanische Gesangsnummern sind auch in der Orchestermusik Bensteads zu hören, drei Flamenco-Gitarristen wirken mit.

Für die Kostüme, aber auch für Posen und Gesten der Tänzer/innen haben sich Luisa Spinatelli und North von Radierungen des französischen Malers und Grafikers Gustave Doré sowie von dem spanischen Maler Francisco de Goya inspirieren lassen. "Diese Darstellungen repräsentieren die dunkle Seite Spaniens", urteilt Robert North, vor allem in Goyas Kriegszeichnungen. Dementsprechend verstärkt der Einsatz des Lichtes die gewünschten atmosphärischen Wirkungen. Sogar ein Stier (Abine Leao Ka) tritt auf. "Der Stierkampf ist, in spanischer Tradition, eine besondere Form des Tanzes", betont North.

Für die Premiere gibt es noch Karten, ebenso für die folgenden Vorstellungen (bis Januar 2014).

(RP)