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Mönchengladbach: Bürokratie im Gesundheitswesen abbauen

Mönchengladbach : Bürokratie im Gesundheitswesen abbauen

Beim ersten Liedberger Praxisseminar sprach Wilfried Jacobs über notwendige Gesundheitsreformen im Wahljahr 2013.

Das Gesundheitswesen in Deutschland ist leistungsstark und auf hohem medizinischen Niveau, die Notfallversorgung ist Weltspitze. Nichtsdestotrotz ist die Wahrnehmung in der Bevölkerung eine andere. Patienten leiden zunehmend unter den bürokratischen Abläufen im medizinischen Betrieb.

Was bedeutet dieses Ungleichgewicht für die Gesundheitspolitik im Wahljahr? Und welche Reformen sind notwendig? Bei einem Praxisseminar in der Gaststätte Vennen gab der Korschenbroicher Wilfried Jacobs vor Klinikchefärzten, Apothekern und Versicherungsmanagern der Region mögliche Antworten. "Alle Parteien haben erkannt, dass bestehende Infrastrukturen verändert werden müssen", sagt Jacobs. So fordere der demografische Wandel seinen Preis, den es zu stemmen gilt. Dabei spielt der ehemalige Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg vor allem auf den Ärztemangel in ländlichen Regionen an. "Schon mittelfristig kommt es in der hausärztlichen Versorgung, aber auch im Krankenhaus zu Ärztemangel", sagt Jacobs voraus. Die Parteien sollten seiner Meinung nach dringend etwas an den Zugangsvoraussetzungen für medizinische Studiengänge ändern.

Als eine Herausforderung im Gesundheitswesen sieht der Korschenbroicher die medizinische und pflegerische Versorgung der älteren Bevölkerung an. "Hier muss eine große Reform her", sagt Jacobs. Denn die Pflege werde ökonomisch so belastend sein, dass sie sich zu einem GAU, einem "größten anzunehmenden Unfall", entwickle. Darum fordere er die Entbürokratisierung im Pflegebereich. Bürokratie sei mitverantwortlich für das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber dem Gesundheitswesen. Und auch der Ansatz zur Quartiersbildung im Alter und die damit verbundene Mobilisierung von Nachbarschaft beziehungsweise Ehrenamts-Tätigkeit seien sinnvoll.

Großen Handlungsbedarf sieht Wilfried Jacobs überhaupt in der Altenpflege. "Der Bereich hat nach wie vor ein schlechtes Image. Und von der Bezahlung möchte ich gar nicht reden", sagt er. So plädiert Jacobs für eine Aufwertung dieses Berufsfeldes.

Außerdem sieht er unerledigte Hausaufgaben bei der Prävention. Vor allem in Betrieben und bei Kindern und Jugendlichen. Ebenso seien noch Fragen offen wie diese: Wo gehören Risikopatienten hin, wer kümmert sich um das Thema und treibt es voran? Jacobs glaubt jedoch nicht, dass es noch vor der Bundestagswahl einen Gesetzesentwurf geben wird.

Der 69-jährige Korschenbroicher Wilfried Jacobs setzt sich für Krebs- und Demenzpatienten ein. Er hört den Menschen zu und möchte die Abläufe im medizinischen Betrieb für diesen Personenkreis weitgehend verbessern. Deshalb gründete Jacobs am 1. Juli 2012 das gemeinnützige "Institut für patientenorientierte Versorgungsablaufforschung" (IPOV). "Mich interessiert, was der Patient sieht und wie es ihm dabei geht", erklärt Wilfried Jacobs den Forschungsansatz seines Instituts.

(RP)