Bericht des Jobcenters Mönchengladbach 28 Prozent der Bürgergeld-Empfänger haben einen festen Job

Mönchengladbach · Erneut wird intensiv über die Grundsicherung diskutiert. Aktuelle Zahlen zeigen, welchen Anteil Ausländer und Alleinerziehende an der Sozialleistung in der Vitusstadt ausmachen.

00:00

Das Jobcenter Mönchengladbach hat Zahlen zu Bürgergeld-Empfängern veröffentlicht – und ist dabei auch auf die eigene finanzielle Situation eingegangen. Hier gibt es Ungewissheit für die Zukunft.

Foto: dpa/Jens Kalaene

Es ist fraglich, wie lange es das Bürgergeld noch geben wird – zumindest in der aktuellen Form und dem aktuellen Namen. Die Grundsicherung ist eines der zentralen Themen in den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD im Bund. Noch gibt es das Bürgergeld aber, und das Jobcenter Mönchengladbach hat jetzt dazu einen aktuellen Bericht vorgelegt, wie sich die Sozialleistung derzeit verteilt.

Wie viele Bürgergeld-Empfänger gibt es?

15,9 Prozent der Mönchengladbacher bezogen im Oktober 2024 Bürgergeld. Das sind rund 38.000 Menschen. Bei den U18-Jährigen waren es 24,1 Prozent. Fast 23 Prozent aller Kinder unter drei Jahren bezogen Leistungen aus der Grundsicherung. Beide Quoten der jüngeren Altersgruppen sinken in Mönchengladbach seit ein paar Jahren langsam und kontinuierlich.

Wie schlägt sich Mönchengladbach im NRW-Vergleich?

Der durchschnittliche Anteil von Bürgergeld-Empfängern an der Bevölkerung lag im Oktober 2024 in NRW bei 10,9 Prozent. Damit liegt die Vitusstadt deutlich über dem Landesmittel – keine Neuheit, das ist schon seit geraumer Zeit so, auch wenn die Quote im Vergleich zum Vorjahr in Mönchengladbach minimal gesunken ist. Im NRW-weiten Ranking landet Mönchengladbach auf Platz neun. Auf dem ersten Platz rangiert Gelsenkirchen mit rund 24 Prozent Bürgergeld-Empfängern. Auch in Dortmund, Herne oder Essen ist die Quote hoch. Olpe hingegen hat am wenigsten Bezieher der Grundsicherung mit 5,3 Prozent, im ähnlichen Bereich liegen Borken, Coesfeld und der Hochsauerlandkreis.

Welche Gruppen beziehen Bürgergeld?

Männer und Frauen halten sich beim Bezug der Grundsicherung unter den Erwerbsfähigen in etwa die Waage. Rund 14 Prozent der erwerbsfähigen Bürgergeld-Empfänger in Mönchengladbach sind alleinerziehend, 20 Prozent davon haben einen Beruf, der aber nicht zum Leben reicht. Insgesamt sind 28 Prozent „Ergänzer“, wie Anja Winnefeld, Geschäftsführerin des Jobcenters Mönchengladbach, bei der Vorstellung des Berichts im Sozialausschuss am Donnerstag, 4. April, sagte. „Ergänzer“ seien Menschen, die einen sozialversicherungspflichtigen Job haben, aber mit dem Bürgergeld aufstocken müssen. Aufstockende Minijobber sind hier also noch nicht eingerechnet, dazu zählen Alleinerziehende oder Menschen mit Betreuungspflichten besonders oft, so Winnefeld.

Knapp 26 Prozent der erwerbsfähigen Bürgergeld-Empfänger sind langzeitarbeitslos, hatten also länger als ein Jahr keinen Job. Ausländische Bezieher machen etwa 43 Prozent aus. Hier sind viele Ukrainer dabei, die in das SGB II, also Bürgergeld, aufgenommen wurden. Im März 2022 waren laut Bericht noch 90 Ukrainerinnen und Ukrainer im Leistungsbezug. „Im November 2024 waren es 1584 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Darunter befanden sich 1019 Frauen“, heißt es in dem Bericht. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten aus Asyl und Flucht aus den acht am stärksten betroffenen Herkunftsländern (Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Somalia, Eritrea, Nigeria und Pakistan) sei im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen.

Wie funktioniert die Integration in den Arbeitsmarkt?

Im Jahr 2024 konnten 4.086 Menschen in Ausbildung oder Arbeit integriert werden, meldet das Jobcenter. Das entspricht einer Integrationsquote von 17,2 Prozent. Das ist etwas mehr als im Vorjahr, aber immer noch weniger als derzeit in vergleichbaren Städten. Bei den Frauen ist die Integrationsquote deutlich niedriger (12,9 Prozent) als bei den Männern (22 Prozent).

Ausblick

„Insgesamt gibt es keine großen Verschiebungen“, sagte Winnefeld in Bezug auf die Zahlen für Mönchengladbach im Vergleich zum Vorjahr. Sie schaute außerdem in die nächsten Monate. Die könnten für das Jobcenter selbst schwierig werden. Schon in diesem Jahr gebe es weniger Geld vom Bund, weshalb Förderungen in der Stadt schon gestrichen werden mussten. Wie es 2026 weitergeht, das wird von der Regierungsbildung in Berlin abhängen.

(tsi lawa)