Mönchengladbach: Bürger wollen das Müllsystem ändern

Mönchengladbach: Bürger wollen das Müllsystem ändern

35-Liter-Rollgefäße und mehr Flexibilität bei der Rolltonnenwahl: Das fordern Bürger in Anträgen für die nächste Sitzung des Beschwerdeausschusses. Am Samstag informierte die Mags über das System und zeigte die Rolltonnen in Rheydt.

Edith Kuckertz und Peter Reiners wollen das vom Rat beschlossene Müllsystem zumindest ansatzweise kippen: Sie fordern ein 35-Liter-Rollgefäß, außerdem lehnen sie eine Festlegung auf 20 oder 15 Liter Restmüll pro Person und Woche ab. "Die Wahl der Tonnengröße darf nicht nur an der Nutzeranzahl orientiert sein", schreiben sie. Ihren "Bürgerantrag zur Wahlmöglichkeit kleinerer Restmülltonnen" haben Edith Kuckertz und Peter Reiners Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners zugesandt, damit er ihn bei der nächsten Sitzung des Ausschusses für Anregungen und Beschwerden zum Thema macht.

Es wird vermutlich nicht der einzige Antrag mit dieser Ausrichtung sein, den der OB bekommen wird. Die Gladbacher Grünen haben Musteranträge auf ihre Homepage gestellt, die Bürger dann nur noch mit ihren Namen versehen müssen. "Wir haben keinen Überblick, wie oft diese Anträge abgerufen wurden. Aber aus Gesprächen weiß ich, dass die Empörung groß ist und viele Bürger den Beschwerdeausschuss einschalten wollen", sagt Hajo Siemes, der für die Grünen im Aufsichtsrat der GEM sitzt. Die Grünen selbst warten noch auf eine Reaktion der Bezirksregierung. Diese haben sie eingeschaltet, weil sie der Meinung sind, dass die Gladbacher Abfallsatzung nicht mit dem Landesabfallgesetz übereinstimmt.

  • Die Empore im Rheydter Ratsaal war
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Das für 2019 geplante Rolltonnen-System für den Restmüll spaltet die Gladbacher: Es gibt viele Gegner, aber auch viele Befürworter. Dies wurde am Samstag deutlich, als die Mags auf dem Rheydter Marktplatz über das System informierte und die Rolltonnen präsentierte. Es kam schnell zu Diskussionen mit Mags-Mitarbeitern. "Das wird doch nur gemacht, um Geld zu sparen", beschwerte sich ein Mann. Das Ehepaar Andreas sieht es differenzierter: "Die neuen Tonnen sind eine gute Sache für die Müllwerker. Nur machen wir uns Sorgen um den Gestank in unserem Keller." Bei 14-tägiger Leerung könne das zu einem Problem werden, ist sich das Rheydter Ehepaar sicher. Ulrich Weggen macht sich auch Sorgen um die Geruchsentwicklung. In seinem Mehrparteienhaus werden demnächst Müll-Ehen - mehrere Parteien teilen sich Tonnen - geschlossen. "Das neue System ist aber im Grunde machbar", sagt er. Marion Wedemann ist dagegen skeptisch. "Ich begrüße das neue System, wenn man bedenkt, was die Müllwerker am Tag alles heben müssen", sagt die Bewohnerin eines Mehrparteienhauses in Rheydt. "Ich frage mich nur, ob auch alle rücksichtsvoll miteinander umgehen werden in einer solchen Müll-Ehe." Ältere Menschen kritisieren, wie sie große und volle Rolltonnen bewegen sollen. "Rollen sind gut und schön, bringen aber nichts auf einer Kellertreppe", sagt Rentnerin Hildegard Fischer. Sie appelliert an die Mags, eine Lösung für die Probleme vieler, insbesondere älterer Bürger zu finden.

Das Argument der Kosten spielte bei den meisten Bürgern eine eher untergeordnete Rolle. Eine genaue Kostenübersicht wird es erst im kommenden Herbst geben. Luise Lennartz und Margret Mertens zeigen sich trotz allem zuversichtlich. "Man sollte das neue System erst einmal anlaufen lassen und dann schauen, was man verbessern kann", sagen die beiden Frauen. Der große Anteil an wildem Müll sei dagegen ein Problem, das man noch aktiver angehen müsse. Etwa durch geringere Preise bei Mülldeponien, mehr Aufklärung und vor allem mehr Mülltonnen im öffentlichen Raum, empfehlen sie. Einen Kritikpunkt teilten aber viele Bürger: Sie fühlen sich über das neue System nicht ausreichend informiert.

(dola)