Mönchengladbach: Bürger sind massiv verschuldet

Mönchengladbach: Bürger sind massiv verschuldet

Der neue Schuldenkompass deckt auf: Die Mönchengladbacher Privathaushalte stehen in der Kreide wie noch nie. Bundesweit liegt die Stadt auf Platz drei. Und nicht immer sind die Ursachen Scheidung und Arbeitslosigkeit.

Nicht nur die Stadt Mönchengladbach ist mit 1,3 Milliarden Euro Schulden chronisch klamm und kurz vor der Pleite. Auch die Bürger der Stadt sind verschuldet wie noch nie. Die Zahl der verschuldeten Haushalte in Mönchengladbach wird 2010 um 2,5 Prozent steigen. Das sagt der neue Schuldenkompass der Schufa voraus. Auf dem Privatverschuldungsindex erreicht Mönchengladbach den dritthöchsten Wert in ganz Deutschland. Noch mehr private Schuldner gibt es lediglich in Wilhelmshaven und in Pirmasens.

Im Jahr 2009 wies Mönchengladbach einen Privatverschuldungsindex (PVI) von 1773 Punkten auf. Den hat die Schufa ermittelt. Im Jahr 2010 wird der auf 1817 steigen. Zum Vergleich: 2007 waren es noch 1696 Punkte auf dem Index gewesen. Die Stadt mit den wenigsten Schuldnern ist hingegen München mit gerade einmal 530 Punkten.

Risikostufen Gelb und Tiefrot

Auf allen Karten dieses Schuldenkompasses erreicht Mönchengladbach die dunkelste Farbe: Mehr als fünf Prozent der Mönchengladbacher über 18 Jahren sind in der Riskostufe Gelb eingeordnet, die besagt, die Wahrscheinlichkeit, dass Probleme bei der Rückzahlung von Krediten bestehen, liegt bei über zehn Prozent. Mehr als zwei Prozent der Mönchengladbacher haben bereits offene Verbindlichkeiten bei Banken, die angemahnt sind. Und mehr als 6,25 Prozent der Stadtbewohner sind so hoch verschuldet, dass ein Verbraucherinsolvenzverfahren entweder bereits eröffnet wurde oder Hinweise darauf vorliegen, dass es bald so weit sein könnte. Eine tiefrote Farbe kennzeichnet die Stadt auf dieser unrühmlichen Deutschlandkarte. So rot, wie die Zahlen in Mönchengladbach allgemein eben sind.

Die häufigsten Gründe für die private Überschuldung sind plötzliche Arbeitslosigkeit und die Scheidung vom Ehepartner. Von beidem hat die Stadt reichlich. Die Arbeitslosenquote betrug im Februar in Mönchengladbach nach Schätzungen der Agentur für Arbeit 12,2 Prozent. Knapp 42 000 Menschen in der Stadt beziehen Sozialleistungen, jeder siebte Mönchengladbach lebt vom Arbeitslosengeld II – also von "Hartz IV". Und in der Scheidungsrate widersetzt sich die Stadt sogar dem landesweiten Trend, wonach sich weniger Paare scheiden lassen. In Mönchengladbach hingegen gehen immer mehr Ehen in die Brüche. Laut Statistischem Bundesamt kommen in Mönchengladbach auf 1000 Einwohner 3,51 Scheidungen – bundesweit ebenfalls Platz drei. Die Zahl der Scheidungskinder ist noch dramatischer: Auf 100 Kinder kommen 1,7 Kinder, die von der Scheidung der Eltern betroffen sind – bundesweit Platz zwei. Die Konsequenz: Kredite können von Alleinerziehenden häufig nicht mehr bedient werden, die Verschuldung steigt.

Neu ist allerdings eine dritte Gruppe Schuldner, die immer größer wird: Arbeitnehmer mit geregeltem Einkommen, aber schlechter Haushaltsplanung. In vielen Unternehmen werden Zuschläge wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder die Entlohnung von Überstunden nicht mehr gezahlt. Das Geld war bei den Arbeitnehmern jedoch fest eingeplant im Budget. "Die Planungen hatten Kratzer, die Risiken wurden zu lange außer Acht gelassen", sagt Hanna Masuhr, Leiterin der Verbraucherzentrale in Rheydt. " Die Anfragen von solchen Leuten an uns, die an irgendeiner Stelle plötzlich zahlungsunfähig geworden sind, steigt immer weiter." Für Hanna Masuhr steht fest: "Die Finanzkrise ist in den Privathaushalten angekommen."

(RP)