Mönchengladbach Bürger sind die neuen Auftraggeber

Mönchengladbach · Angedockt an das Museum Abteiberg will das Netzwerk "Neue Auftraggeber" bis 2021 in Mönchengladbach die Bevölkerung und Künstler zusammenbringen. Es sollen Projekte verwirklicht werden, die das Gesicht der Stadt prägen.

 Die Künstlerin Matali Crasset verwandelte die Schule im kleinen bretonischen Ort Trébédan in ein Dorfzentrum. Hier: die neue Bibliothek.

Die Künstlerin Matali Crasset verwandelte die Schule im kleinen bretonischen Ort Trébédan in ein Dorfzentrum. Hier: die neue Bibliothek.

Foto: Crasset

Künstler haben in der Regel keinen Knoten im Kopf. Sie sind in der Lage, um die Ecke zu denken - und Lösungen zu finden, auf die außer ihnen kaum jemand kommen würde. Deshalb ist es auf keinen Fall ein Fehler, Künstler mit ins Boot zu holen, wenn es darum geht, Problemlösungen zu finden. Genau dieser Gedanke ist der Ausgangspunkt des europäischen Netzwerks "Neue Auftraggeber", das jetzt auch in Mönchengladbach tätig werden wird. Susanne Titz, Direktorin des Museums Abteiberg, hatte Ende der 1990er Jahre zum ersten Mal Kontakt zu den Initiatoren, und war beeindruckt. "Dieses Netzwerk engagiert sich stark gesellschaftspolitisch", sagt sie.

 Kathrin Jentjens und Gerrit Gohlke stellten die Ideen des Netzwerks vor. Am 16. Mai kann sich die Öffentlichkeit im Haus Zoar informieren.

Kathrin Jentjens und Gerrit Gohlke stellten die Ideen des Netzwerks vor. Am 16. Mai kann sich die Öffentlichkeit im Haus Zoar informieren.

Foto: Isabella Raupold

Das ist schon lange auch ein Anliegen des Museums, das sich mit beeindruckenden Aktionen in den vergangenen Jahren vermehrt auf den Weg in die Stadt und zu den Menschen gemacht hat. Und nun sind sie hier: Entwicklungsleiter Gerrit Gohlke, Mediatorin Kathrin Jentjens und Koordinatorin Esther Kilian. In Kooperation mit dem Museum Abteiberg werden sie bis 2021 in Mönchengladbach tätig sein. Gefördert wird die großangelegte Unternehmung durch die Kulturstiftung des Bundes.

Wie kann man sich die Arbeit des Netzwerks vorstellen? Zwei Beispiele: Das allererste Projekt wurde 1992 im französischen Dijon realisiert. Die Mitarbeiter einer Mensa fühlten sich nicht wahrgenommen. Der chinesische Künstler Yan Pei-Ming fertigte von jedem von ihnen ein Porträt an, die Bilder hängen seitdem im Speisesaal. Von 2007 bis 2015 war Matali Crasset als Künstlerin in ein Projekt in dem kleinen bretonischen Ort Trébédan eingebunden. Die Dorfbewohner hatten kaum eine Perspektive, der kleinen Schule mit nur 64 Schülern drohte das Aus. Die Lehrkräfte bezogen Eltern, ältere Bürger und den Gemeinderat in ihre Lehrtätigkeit ein. So wurde die Schule zu einem sozialen Mittelpunkt für die Dorfgemeinschaft. Sie zu schließen, hätte den Verlust des Treffpunkts bedeutet. Matali Crasset legte einen anspruchsvollen Entwurf vor. Sie entwarf einen Gebäudekomplex mit Kindergarten und Kantine. Das Ensemble wurde energiesparend gebaut, bzw. umgebaut, es bezog die Natur und den Dorfplatz mit ein, erhielt skulpturale Elemente - und wurde im wahrsten Sinne des Wortes zum Gemeindezentrum. Das Dorf wächst seitdem.

Kathrin Jentjens hält sich schon seit einigen Monaten in der Stadt und der Region auf. Sie hat Gespräche mit Vereinen und Gruppen, mit Unternehmern und Studenten geführt. Sie hat entdeckt, dass die Stadt in Bewegung ist, dass Eigeninitiative blüht, und dass die Mönchengladbacher offene Menschen sind. Auch für Kunst - zumal, wenn sie sich positiv gesellschaftspolitisch einbringt.

Es gibt die "Neuen Auftraggeber" schon seit fast 30 Jahren in Frankreich, wo bereits 350 Projekte umgesetzt wurden. Länger gibt es sie auch in Belgien und Italien sowie neuerdings in Spanien, der Schweiz und jetzt in Deutschland. Das Netzwerk startet hier in der Flächenlandregion Mecklenburg-Vorpommern / Brandenburg und der Industrieregion Rheinland / Ruhrgebiet. "Wir haben gern die ausgestreckte Hand von Susanne Titz ergriffen und sind froh, hier tätig werden zu können", sagt Gerrit Gohlke.

Am Mittwoch, 16. Mai, 19 Uhr, stellen Gerrit Gohlke und Kathrin Jentjens das Projekt im Haus Zoar, Kapuzinerplatz 12, vor. Eintritt frei.

(isch)