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Mönchengladbach: Bürger entdecken Partymeile neu

Mönchengladbach : Bürger entdecken Partymeile neu

Große Teile der Waldhausener Straße sind eine Partymeile ohne Flair. Das wollen Studenten, Planer und Mitglieder der Altstadt-Initiative ändern. Ein Fest bildete jetzt den Anfang von mehreren Aktionen. Junge Kreative sorgen dabei für Ideen und neuen Schwung.

Stadtmitte "Von jeder Wahrheit ist das Gegenteil ebenso wahr", konstatiert Siddhartha bei Hermann Hesse. Mit Blick auf die Altstadt mag die eine Wahrheit lauten: Sie ist in manchen Nächten ein Schandfleck, geprägt von Schlägereien, übermäßigem Alkoholgenuss und vermüllten Ecken.

Die andere Wahrheit, die sich seit einigen Jahren langsam, aber immer deutlicher zu erkennen gibt: Kreativität, Engagement und Optimismus sind in die Straßen rund um den Alten Markt und in die Herzen der Menschen zurückgekehrt. So wie am Samstag, als die Master-Studierenden des Faches Kulturpädagogik und Kulturmanagement der Hochschule Niederrhein unter dem Motto "Stadtraum neu erleben und mit gestalten" ein Fest auf der Waldhausener Straße veranstalteten.

Studenten rütteln wach

"Wir machen das in unserer Freizeit, also quasi ehrenamtlich", sagt die Organisatorin Ulla Heinrich. "Ich selbst – wie viele meiner Kommilitonen – komme nicht aus Gladbach, sondern bin erst zum Studium in die Stadt gezogen. Wir sahen die Altstadt und entschlossen uns, etwas zu ändern", fährt sie fort. Ulla Heinrich spricht mit einer Leidenschaft über die Innenstadt, die sonst nur Altstadt-Enthusiasten pflegen. "Alle Bürger müssen sich gemeinsam mit dem Stadtraum auseinandersetzen", fordert sie.

Der Wunsch, etwas zu ändern und das Image der Altstadt zu verbessern – er bewegt nicht nur die Studierenden der Hochschule: Das Restaurant Goldwasser bot den Teilnehmern und Gästen günstige Speisen, der Eine-Welt-Laden, die Stadtsparkasse und der Kinderschutzbund errichteten ihre eigenen Stände. Und der Abenteuerspielplatz Dahl sorgte für viel Freude bei den Kindern, die unter anderem aus Holzbrettern Hütten entwarfen und eine Feuerstelle anfachten.

"Das ist bei den Temperaturen heute und bei dem Regen ideal. Die Kindern dürfen sich sogar unter Anleitung Feuer in Dosen abzwacken", sagt Professorin Mona-Sabine Meis und zeigt auf die Feuerstelle. "Wir fühlen uns von der Stadt sehr gut unterstützt", versichert sie. "Die Verantwortlichen wissen, dass Kulturpädagogik und Kulturmanagement der Stadt gut tun. Wir brauchen langfristige Kooperationen."

Das Herzstück des Festes bildete der sogenannte "Tausch-Dich-Aus-Markt": Gäste brachten einen Gegenstand mit, den sie an den Ständen gegen andere Tausch-Gegenstände eintauschen konnten. "Wir legen sehr viel Wert auf Interaktion und Teilnahme", sagt Heinrich. Ihre Professorin nickt und ergänzt: "Es sind zum Beispiel viele Blumen gesponsert worden, die wir versuchen, gemeinsam mit den Besuchern einzupflanzen.

Es ist wichtig, das Tagesgeschäft hier in der Altstadt zu beleben. Was die Nächte betrifft: Wir müssen alle anpacken – und die Gastronomen vielleicht noch ein wenig mehr auf ihre Gäste achten". Ulla Heinrich beeilt sich hinzuzufügen: "Es hat sich doch auch in den Nächten schon viel, sehr viel verbessert".

(RP)