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Mönchengladbach: "Bühne frei" für Nachwuchstalente

Mönchengladbach : "Bühne frei" für Nachwuchstalente

Bei einem Vorspiel im Theater standen 17 Musiker vor einer hochkarätigen Jury auf der Bühne. Sie alle wollen als Solisten im letzten Sinfoniekonzert dieser Saison zusammen mit den Niederrheinischen Sinfonikern spielen.

Es ist fast menschenleer an diesem Samstagvormittag im Theater an der Odenkirchener Straße. Von den jungen Musikern, die zur zweiten und entscheidenden Vorspielrunde des Wettbewerbs "Bühne frei" eingeladen wurden, ist noch nichts zu sehen. Mit ihrem Vortrag stellen sich die Mädchen und Jungen der Jury, die entscheidet, wer im letzten Sinfoniekonzert der Saison in der Kaiser-Friedrich-Halle, beziehungsweise im Krefelder Seidenweberhaus sein vorbereitetes Werk mit den "Niederrheinischen Sinfonikern" spielen darf.

Vor den Türen des Konzertsaales achtet Susanne Hoff, die Sekretärin von Generalmusikdirektor (GMD) Mihkel Kütson und an diesem Tag Vorspiel-Koordinatorin auf Anweisung ihres Chefs genauestens darauf, dass nur die Jury und Orchestermitglieder in den Saal gelangen. "Eltern und Lehrer müssen draußen bleiben, auch Publikum ist nicht erwünscht" hatte der GMD verfügt, der damit für die Kinder die Spannung ein wenig mildern möchte. Die Jury, bestehend aus Kütson und Mitgliedern des Orchesters, hat inzwischen in der Mitte des Saales Platz genommen. Auch Adrienne Jackson, die Witwe des im vergangenen Jahr verstorbenen vorigen GMDs Graham Jackson, ist dabei. Anlässlich des so frühen und tragischen Todes ihres Mannes bat sie, statt Blumen und Kränzen für "Bühne frei" zu spenden. Damit schuf sie den finanziellen Grundstock für dieses bemerkenswerte Projekt. Als Erste der 17 Vorspielenden kommt die 11-jährige Carlotta auf die Bühne. Sie ist die einzige Cellistin, die sich bewirbt, und sie lebt in Mönchengladbach. Das kann außer ihr nur noch die Geigerin Johanna für sich reklamieren — mehr musikalisches Potenzial aus der Vitusstadt ist an diesem Tag leider nicht zu erleben.

Insgesamt neun Geiger und Geigerinnen aus Krefeld, Kaarst, Brüggen, Moers, Essen, Wegberg und Erkelenz haben ihre Bewerbungsschreiben eingesandt, und bei vielen sind der Leistungsstand und der Schwierigkeitsgrad der gewählten Werke beachtlich bis staunenswert. Alle sind zwischen knapp zehn und zwölf Jahren alt — der Jüngste ist ein Neunjähriger japanischer Herkunft, dessen Geige Konzertmeister Wenger stimmen muss. Das kann der hochmusikalische kleine Knirps, der seinem winzigen Instrument Erstaunliches entlockt, noch nicht selbst. 14 Jahre ist die Altersbegrenzung für Bläser, hier sind einmal Saxofon, dreimal Klarinette, zweimal Querflöte und einmal Trompete vertreten. Auch da könnte man sich den Einen oder die Andere sehr wohl als Solist des Orchesters vorstellen.

Solche Leistungen fallen nicht vom Himmel — enormer Einsatz der Kinder und der Eltern ist vonnöten. Das erzählte Tina aus Essen: Sie übt an Schultagen zwei Stunden täglich, am Wochenende jeden Tag vier Stunden. Ihr Unterricht — zwei bis dreimal in der Woche — findet in Düsseldorf statt. Dennoch hat die Zwölfjährige noch Zeit sich mit Freundinnen zu treffen. Musik später als Beruf? "Das könnte ich mir vorstellen", meint sie. Die Jury wählt nun drei bis fünf der jungen Musiker als Solisten im Sinfoniekonzert aus. "Alle werden Anfang der Woche angeschrieben, danach veröffentlichen wir die Namen", so der Initiator des Projektes.

(oeh)