1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Buchholzer hört sich durch die ganze Welt

Mönchengladbach : Buchholzer hört sich durch die ganze Welt

Im Süden Mönchengladbachs entsteht eine Zeitschrift für Hörfunk-Fans. Inzwischen wird das Heft in 41 Ländern gelesen. Seine Leidenschaft für den Hörfunk entdeckte Michael Schmitz, weil er sich über die Musikauswahl im Radio ärgerte.

Michael Schmitz drückt auf die Tasten der Fernbedienung. Flimmernd verändern sich die Bilder auf dem Röhrenfernseher. "Das hier ist ein Sender aus dem Sudan, der hier ist aus Bulgarien." Und jetzt, sagt Michael Schmitz und drückt erneut den Knopf: "Jetzt sehen wir Fernsehen live aus Äquatorial-Guinea."

Der 54-Jährige steht im Arbeitszimmer seines Hauses in Buchholz. Es ist eine ländliche Gegend, nur einige Hundert Menschen leben hier und schnelles Internet ist rar. Doch über seinen Satellit ist Michael Schmitz mit der ganzen Welt verbunden. 2400 Sender empfängt er. "Das ist schon eine ganze Menge", sagt er. Und doch ist es nur ein kleiner Ausschnitt. Das wird schnell deutlich, wenn man durch das Buch "Sender & Frequenzen" blättert - das Buch, das Michael Schmitz einmal jährlich herausgibt. Dort sind nicht nur Fernsehsender aufgelistet, sondern vor allem umfangreiche Informationen zu einer Vielzahl an Radiosendern aus aller Welt.

Der Mönchengladbacher ist Experte für den weltweiten Rundfunkempfang. Seit 1989 leitet er die Redaktion des "Radio-Kuriers", eines kleinen Fachmagazins, das von der Assoziation Deutschsprachiger Kurzwellenhörer (ADDX) und einer Partnerorganisation herausgegeben wird. Es ist ein Nischenprodukt mit erstaunlicher Verbreitung: In 41 Länder werde der Radio-Kurier inzwischen ausgeliefert, sagt Michael Schmitz stolz. "Auch der syrische Staatsrundfunk liest unser Heft. Momentan können wir dort allerdings keine Post hinschicken." Weil das Heft seit Jahrzehnten auf dem Markt ist, ist fast nebenbei eines der größten Archive für Auslands-Rundfunk der Welt entstanden - das bei Michael Schmitz in Buchholz im Keller und auf Festplatten lagert.

"Ich bin da reingewachsen" erinnert er sich an die Anfänge. Der staatliche Rundfunk sei damals sehr restriktiv bei seiner Musikauswahl gewesen, so dass sich viele Menschen nach Alternativen umsahen. Auch Schmitz. "Ich fand es faszinierend, an Radios herum zu kurbeln." Denn plötzlich konnte er nicht mehr nur öffentlich-rechtliches Radio empfangen, sondern auch alternative Sender. Um größere Distanzen zu überbrücken, wechselte Schmitz die Frequenzen. Während des Studiums der Anglistik und Romanistik in Aachen entdeckte er so auch Sender aus Venezuela - die er anschließend bei einer Reise in den Semesterferien besuchte. "Das war schon toll, die Leute kennenzulernen, die ich vorher nur aus Deutschland vom Hören kannte."

Je länger sich Michael Schmitz mit dem Thema Hörfunk beschäftigte, umso vielfältiger wurde das Bild, das sich ihm zeigte: "Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie viele deutschsprachige Programme es gibt." Allein in Brasilien gäbe es rund 80 bis 90 Rundfunksender, die zeitweise ein deutsches Programm anbieten. Und in China werde täglich acht Stunden auf deutsch gesendet. "Wenn man Rundfunksendungen aus zehn verschiedenen Ländern zu einem bestimmten Thema hört, ergibt sich ein interessantes Gesamtbild", sagt er.

Dadurch hat sich auch die Arbeit von Schmitz und seinen Mitstreitern vom "Radio-Kuriers" in den vergangenen Jahren verändert. Inzwischen geht es ihnen nicht mehr allein darum, Sender aus aller Welt aufzulisten und zu beschreiben, wie sie empfangen werden können. "Wir befassen uns auch viel stärker mit Medienpolitik."

Auch das Internet wird für die Arbeit des Mönchengladbachers immer wichtiger. "Dadurch haben sich die Sender verhundertfacht." Die Herausforderung bestehe heute darin, sinnvolle Informationen zu filtern. Ein Großteil der Arbeit sei daher Grundlagenforschung: "Wir haben jeden Sender, den wir bei uns aufnehmen, vorher selbst gehört."

(RP)