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Mönchengladbach: Brände, kaputte Autos - Hobbygärtner in Not

Mönchengladbach : Brände, kaputte Autos - Hobbygärtner in Not

Die Gartenfreunde vom Rönneterweg sind verzweifelt: Sechs Lauben brannten bereits ab, Autos von Vereinsmitgliedern wurden beschädigt. Bislang war die Suche nach dem Brandstifter ergebnislos. Die Kripo ermittelt in einem Fall.

Es ist eine dieser Anlagen, in der jeder Gartenfreund schnell heimisch würde: überschaubar, liebevoll hergerichtet, viele nette Leute. Doch seit Mitte vergangenen Jahres stehen die Rönneter Kleingärtner unter keinem guten Stern. Damals, im August, brannte erstmals eine Laube ab. Und danach fackelte ein Unbekannter weitere fünf Gartenhäuser ab. Auch im Vereinsheim wurde gezündelt. Jedes Mal: Brandstiftung.

Der traurige Höhepunkt: In der Nacht auf Sonntag schlug der unbekannte Feuerteufel erneut zu — und wieder traf es die Laube des ehemaligen Vorsitzenden Fred Harmes. Beim ersten Mal zerstörte das Feuer einen Teil des Häuschens, dieses Mal brannte es total ab. Als der 73-Jährige gestern seiner Frau Gertrud (76) die Schäden zeigte, da schimmerten seine Augen verdächtig. "Alles ist hin. Alles! Wir hatten einige Erinnerungsstücke in der Laube, die alle verbrannt sind", sagt er.

War es erneut Brandstiftung? Fred Harmes hat keinen Zweifel, der jetzige Vorsitzende Georg Schöttelndreier (62) auch nicht. Gestern Morgen hatte sich die Kriminalpolizei angesagt: Die Spurenermittler und Brandsachverständigen schauten sich an, was im Haus übriggeblieben ist und was auf den Täter hinweisen könnte. "Wir vermuten, dass der oder die Täter zwei Fenster zerstört und durch sie Brandbeschleuniger in das Innere geworfen hat", sagt Schöttelndreier. Er ist inzwischen selbst ein Brandexperte geworden — zu oft hat es in der Anlage lichterloh gebrannt oder gekokelt. "Früher standen die Interessenten für einen Garten bei uns Schlange. Jetzt hat die Anlage so ein schlechtes Image, dass keiner will. Dabei suchen wir Nachfolger für Gärten", sagt der Vorsitzende.

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Ja, früher: Die Rönneter Kleingartenfreunde, sie gründeten sich 1958, waren immer ein Aushängeschild im Mönchengladbacher Kleingartenverband. Und das zu recht. Auf einer Schautafel am Eingang haben sie aufgelistet, welche Erfolge sie alle erzielt haben: sechsmal Stadtsieger, fünfmal für die umweltfreundlichste Anlage ausgezeichnet, zweimal für die kinderfreundlichste. Und wer an den 29 Gärten vorbeischlendert, merkt schnell, dass die Rönneter Hobbygärtner besondere sind: Hier ist Wohlfühlen Programm.

"Hier sind noch Leute aktiv, die mit Leib und Seele Kleingärtner sind", sagt Schöttelndreier. Interessanterweise gehört er eher zu den Menschen, die sich Gartenliebe erarbeiten müssen. "Ich habe Gartenarbeit gehasst, weil meine Mutter sie mir immer verordnet hat", erzählt er. Doch als er die Laube seiner Schwiegereltern sah, deren Begeisterung für den Schrebergarten erlebte, und die enge Bindung seiner Frau Eva (63) zu der Anlage am Rönneterweg spürte, da dachte er um — und gestaltete Garten und Gartenhaus neu. Letzteres ist inzwischen auch ein Raub der Flammen geworden, für die der Feuerteufel gesorgt hat. Bis auf die Bodenplatte existiert von der früheren Laube nichts mehr, und Schöttelndreier denkt nicht daran, an diesem Zustand vorläufig etwas zu ändern: "Ich baue nicht weiter. Ich warte erst ab, bis sie den Unbekannten seine Taten nachgewiesen haben."

Um diesen Unbekannten dreht sich alles. Die Gartenfreunde vom Rönneterweg sind nämlich der Ansicht, dass sie ihn kennen: Es soll jemand sein, der selbst ein Schrebergärtner ist. "Doch der Polizei fehlen die Beweise", sagt Schöttelndreier. Dieser interne Konflikt ist so eskaliert, dass Autos beschädigt wurden. In Fred Harmes' Pkw lag vor einigen Wochen ein Gullydeckel, bei Schöttelndreier wurden der Lack zerkratzt und alle Reifen zerstochen. Bei einem anderen Hobbygärtner zerstörten Unbekannte das Fahrzeug so, dass es ein Totalschaden ist. Es gab sogar Hinweise auf einen konkreten Täter — doch die Polizei konnte ihn nicht dingfest machen. Schöttelndreier: "Die Polizei sagte uns, dass die Hinweise nicht ausreichten. Was sollen wir machen?"

Und dann wendet er sich ab und wieder seinem Garten zu — aufräumen, was der letzte Brand als Müll hinterlassen hat.

(RP)