Mönchengladbach: Borussias legendäre Momente

Mönchengladbach : Borussias legendäre Momente

Die erste Deutsche Meisterschaft, der Pfostenbruch vom Bökelberg, das 12:0 gegen Borussia Dortmund, große Europapokal-Abende: Es sind vor allem die Geschichten aus den glorreichen 70er Jahren, die viele Fohlen-Fans noch heute ins Schwärmen bringen. In der RP erinnern sie sich an Borussias legendäre Zeiten.

Ein nasskalter Abend auf dem Bökelberg, das Flutlicht leuchtet, Regen nieselt auf die Häupter der Fans. Oben in der Nordkurve steht Lothar Bertrams mit seinem Vater. Unten auf dem Rasen spielt Borussia Uwe Seeler und den HSV an die Wand. Es ist der vorletzte Spieltag in der Saison 1969/70. "Es stand bereits 4:0 für uns, aber die Hamburger kamen kurz vor Schluss noch auf 4:3 heran. Mann, was haben wir gezittert", erinnert sich Bertrams, damals gerade elf Jahre alt. Dann kommt der Abpfiff, der Bökelberg bebt, Freudentränen fließen, wildfremde Menschen liegen sich in den Armen. Vogts, Netzer, Kleff, Köppel und Co. haben den ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte von Borussia geholt. Bertrams, heute 52 Jahre alt: "Ich habe meinen Vater das erste Mal weinen gesehen. Die Glocken der St. Elisabeth Kirche hatten Vollgeläut, als wir vorbeigingen. Es war eine wunderbare Nacht, ein Erlebnis, das man nie mehr vergisst." So, wie viele andere auch.

Herz und Seele verloren

Gert Heuer hatte seinen schönsten, unvergessenen Borussia-Moment im Juni des Jahres 1971. Mit einem 4:1-Sieg in Frankfurt (die bis dahin punktgleichen Bayern verloren 0:2 in Duisburg) verteidigten die Fohlen unter Trainer Hennes Weisweiler die Meisterschaft. "Ich hatte mein Herz und meine Seele an Borussia verloren", sagt Heuer. Mit seinen Eltern wohnte der damals Neunjährige in Kleinenbroich. An einem Sonntag fuhr er mit seinem Vater im VW Käfer Richtung Schiefbahn, zur Gärtnerei Poetschke. Die Meisterelf gab dort eine Autogrammstunde. Heuer: "Was ich noch genau empfinde, wenn ich daran zurückdenke, ist meine grenzenlose Bewunderung, als ich, an langen Tischreihen vorüber gehend, jedem Spieler mein Mannschaftsbild entgegenstreckte, um es dann unterschrieben zurück zu bekommen." Das Bild besitzt er noch heute. Auch wenn er mittlerweile in Mutterstadt (Rheinland-Pfalz) lebt, die Liebe zu Borussia ist ungebrochen. "Ich kann nicht zu jedem Spiel kommen, habe aber zwei Dauerkarten für mich und meine zehnjährige Tochter Jana. Durch sie durchlebe ich manches von früher heute wieder", meint der 49-Jährige.

Unvergessen bei vielen Fans sind aber auch die weniger glücklichen Momente: Das später annullierte 7:1 gegen Inter Mailand im Europapokal der Landesmeister, das als "Büchsenwurfspiel" in die Fußballgeschichte einging. Das 12:0 gegen Dortmund im Düsseldorfer Rheinstadion, das am Ende doch nicht zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft reichte. Und natürlich der berühmte "Pfostenbruch vom Bökelberg". Als Herbert Laumen anstelle eines Freistoßes von Günter Netzer ins Netz segelte, stand der junge Lothar Bertrams direkt hinter dem Tor: "Ich hab' noch das Knacken des Pfostens im Ohr, bevor das Tor zusammenkrachte. Da kam jemand mit Hammer und Nägeln das Tor zu reparieren..." Unvorstellbar, unvergesslich – für immer.

(RP)
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