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Nach Fan-Attacke: Borussia-Ultra geht nach Urteil in Revision

Nach Fan-Attacke : Borussia-Ultra geht nach Urteil in Revision

Wegen gefährlicher Körperverletzung soll Nils B., ehemaliger Vorsänger von Borussia, für drei Jahren ins Gefängnis. So lautet das Urteil der Richter. Doch der Fall ist noch nicht beendet. Verteidiger und Staatsanwalt wollen in Revision gehen.

Nach den folgenschweren Tritten im Borussia-Stadion vor der Bundesligapartie Borussias gegen Darmstadt 98 im Dezember 2015 ist zwar ein Urteil gesprochen, aber die Akte noch nicht geschlossen. Denn sowohl der Verteidiger des angeklagten ehemaligen Vorsängers als auch der Staatsanwalt wollen in Revision gehen. Die Frist für den Einspruch lief am Donnerstag um Mitternacht ab. Beide Partien legten rechtzeitig Rechtsmittel ein, wie Landgerichtssprecher Jan-Philip Schreiber gestern auf Anfrage bestätigte.

Nils B. (29) galt bis zu dem Vorfall am 20. Dezember vergangenen Jahres als so etwas wie ein Vorzeige-Fan. Der Mann aus der Ultra-Szene engagierte sich in verschiedenen sozialen Fan-Projekten. Er kommt aus einer guten Familie, hat studiert, ist nicht vorbestraft.

Doch dann gab es die gefährliche Attacke, die bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Nach einer Rangelei trat Nils B. einem anderen Fan in der Nordkurve derart ins Gesicht, dass dieser lebensgefährlich verletzt wurde. Das 37-jährige Opfer erlitt eine Hirnblutung mit Hirnödem. Außerdem wurde seine Zahnprothese durch den Tritt zerbrochen, Teile davon steckten im Rachen des Opfers. Der 37-Jährige musste mit dem Rettungshubschrauber in eine Düsseldorfer Klinik geflogen werden. Auch nach der Tat findet Nils B. noch viel Unterstützung in der Ultra-Szene. In der Nordkurve werden bei Fußballspielen regelmäßig Plakate mit der Aufschrift "Stark bleiben, Nils!" entrollt.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen der "extrem rücksichtslosen und brutalen" Tat vier Jahre Haft wegen versuchten Totschlags gefordert. Der Verteidiger von Nils B. plädierte auf eine Verurteilung wegen Körperverletzung. Er nannte dabei zwar kein Strafmaß, forderte jedoch, dass eine eventuelle Haft zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Doch eine Bewährungsstrafe kam für die Richter nicht in Frage. Eine "Tötungsabsicht" sahen sie aber auch nicht in Nils B.'s Verhalten. So wurde er am 8. Dezember wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Jetzt geht der Fall erst einmal zum Bundesgerichthof in Karlsruhe. Dort wird entschieden, ob und wie es mit dem Vorsänger-Prozess weitergehen wird. Sollte erneut verhandelt werden, dann wird das wieder vor dem Landgericht Mönchengladbach geschehen. Die Akten werden dann allerdings an eine andere Kammer mit anderen Richtern verwiesen. Sowohl der Verteidiger als auch der Staatsanwalt haben, wenn das Urteil schriftlich vorliegt, noch einen Monat Zeit, ihre Revisions-Anträge zu begründen. Eine neue Verhandlung würde wohl nicht vor dem kommenden Frühjahr beginnen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ultra wegen versuchten Totschlags vor Gericht

(RP)