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Borussia: So war das Geisterspiel gegen den 1. FC Köln - eine Reportage

Reportage vom Rhein-Derby : Ein trostloses Schauspiel

Um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, fand das Rhein-Derby in Mönchengladbach ohne Zuschauer statt. Als erstes Spiel der Bundesligageschichte. Beobachtungen an einem merkwürdigen Abend.

Zweieinhalb Stunden vor dem Anpfiff stehen drei einsame Geister vor der Nordkurve. Sie halten ein Plakat in die Höhe. „Geisterspiel, wir wollen rein“, steht darauf. Auf der anderen Seite der Absperrung im Innenraum des Stadions, stehen ihnen 20 Ordner gegenüber. Sie sind da, wo die Geister hinwollen. Ein hoffnungsloses Unterfangen.

Das Derby Borussia Mönchengladbach gegen 1.FC Köln. Es ist niemals ein ganz normales Bundesligaspiel. Gerade für die Fans. Doch die sind an diesem Mittwochabend ausgeschlossen. Das Rheinderby ist das erste Geisterspiel der Bundesligageschichte. Als Schutzmaßnahme vor dem sich ausbreitenden Coronavirus. Im Stadion sind an diesem Abend nur Journalisten, Ordner, Vereinsoffizielle. Keine Fans, auch dann nicht, wenn sie als Geister verkleidet sind.

Einige Hundert sind trotzdem gekommen. Eineinhalb Stunden vor Spielbeginn haben sie sich auf beiden Seiten der Zufahrtsstraße zum Stadion aufgebaut. Der Mannschaftsbus der Borussia wird erwartet. Die Fans empfangen die Spieler mit Sprechchören. Auf einem Hügel in der Nähe haben sich einige Borussia-Anhänger mit einem Banner aufgestellt. „Zerreisst euch – vernichtet sie! Holt den Derbysieg“, steht darauf. Der Pyrotechnik-Einsatz scheitert an schlechtem Timing. Die Straße hüllt sich erst in rote Lichter und grünen Rauch, als der Bus schon längst vorbei ist.

Trotz des Geisterspiels ist auch die Polizei im Einsatz. Kontrolliert ob rund um das Stadion alles ruhig bleibt. Neben ihren Einsatzwagen haben sich die Beamten am Osteingang aufgestellt, gleich neben der Borussia-Raute. Dort wo sich sonst die Fans vor Spielbeginn verabreden, stehen sie nun und beobachten einen einsamen Mann, der an der Raute sitzt und raucht. Viel mehr haben die Polizisten an diesem Tag nicht zu tun. Es bleibt ruhig, auch weil keine Kölner Fans am Stadion auftauchen.

Fans feiern Borussia Mönchengladbach trotz Geisterspiel

Einmal an diesem Tag kommt für einen Moment so etwas wie Derbystimmung auf. Drinnen laufen sich die Spieler gerade warm, da singen die Fans draußen vor der Nordkurve „Die Nummer Eins am Rhein sind wir“. Bald darauf kehrt dauerhaft Ruhe ein, die Fans ziehen los in Richtung Parkplatz. Um das Spiel auf der anderen Seite der Absperrung irgendwo anders im Fernsehen zu schauen.

Im Stadion simuliert Borussia derweil Normalität. Die Mannschaftsaufstellung wird auf den Leinwänden eingeblendet. Werbung wird eingespielt. Aus den Boxen dröhnt zunächst „Die Elf vom Niederrhein“, dann „Die Seele brennt“. Als sei alles wie immer. Aber niemand singt mit. In der Halbzeit wird sogar die Werbetorwand aufgebaut, auf die sonst Fans schießen. Einige Kölner Ersatzspieler versuchen sich. Lediglich Stadionsprecher Torsten „Knippi“ Knippertz ist entgegen der Ankündigung nicht zu hören.

Eine halbe Stunde ist gespielt, da trifft Breel Embolo zum 1:0 für die Borussia. Ein paar Jubler, ein paar Klatscher. Aus Block 16, wo in jedem anderen Derby gerade pure Ekstase herrschen würde, blickt den Spielern nur ein einsames Banner entgegen. „Holt den Derbysieg“, steht darauf. „Döp, Döp, Döp“, ertönt durch das Rund. Die Tormusik der Borussia. Danach nochmal ein paar Klatscher. Dann wieder: Ruhe.

In der zweiten Halbzeit sorgt der einsetzende Regen für das letzte Bisschen, das diesem Fußballspiel noch zur vollkommenen Trostlosigkeit gefehlt hat. Eine Stunde ist gespielt, da präsentiert Borussia auch noch die Zuschauerzahl. „Keine.“ Tatsächlich.

Köln trifft noch zwei Mal. Einmal durch Jorge Meré ins eigene Tor. Einmal durch Mark Uth ins Gladbacher Tor. Torwart Yann Sommer war zuvor weggerutscht. Ein wenig Derby-Drama, das irgendwo da draußen in den Kneipen und Wohnzimmern Kölner hoffen lässt und Gladbacher zur Verzweiflung bringt. Im Stadion sind es alleine die Spieler, die nun nervös werden.

Dann knallt es draußen. Einmal, zweimal, dreimal. Gesänge sind zu hören. Erst leise, dann lauter. Einige Borussia-Fans sind zurück und feiern den nahenden Derbysieg. Nach 94 Minuten ist Schluss im Borussia-Park. Die Mannschaft trifft sich zur Gruppenumarmung vor der Südkurve, klatscht sich mit den Kölnern ab. Und geht durch die menschenleere Nordkurve nach draußen zu den Fans. „Borussia, Borussia, Borussia“, tönt es von dort. Derbystimmung eben.