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Mönchengladbach: Borussia ist ein Gewinner der Saison

Mönchengladbach : Borussia ist ein Gewinner der Saison

Der Vorstandsvorsitzender der Postbank, Stefan Jütte, sagt, warum er Borussia gerne mehr Geld überweisen würde, was er von der Vereinsführung hält und was in der Bonner Postbank-Zentrale beim Klassenerhalt los war.

Herr Jütte, wissen Sie noch, was Sie dachten, als Marco Reus im Relegationsspiel das 1:1 erzielte?

Stefan Jütte Ich war im Stadion und kann mich sehr gut an die Situation erinnern. Das war ein echter Glücksmoment. Ich bin ein disziplinierter Mensch und sehe auch Fußballspiele mit Gelassenheit. Aber an diesem Abend war das anders. Das war schon ein besonderer Moment.

Solche Momente kennen Sie aus Ihrer Zeit als Fußballer.

Jütte Mich als Fußballer zu bezeichnen, wäre zu viel der Ehre. Ich habe vor ein paar Wochen mal wieder auf einem Platz gestanden. Seither tut mir alles weh.

In Ihrer aktiven Zeit haben Sie es immerhin bis in die 2. Liga geschafft.

Jütte Das stimmt, ist aber sehr lange her. Ich habe in der Amateurmannschaft von Hannover 96 gespielt, als Jupp Heynckes bei den Profis spielte. Später war ich bei Preussen Hameln. Das war eine völlig andere Zeit. Bei meiner ersten Station, dem VfV Hildesheim, habe ich als Stammspieler 120 Mark Grundgehalt bekommen. Das ist wirklich nicht mit heute vergleichbar.

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Was auch an den Sponsoren liegt. Die Postbank muss dieses Jahr mehr bezahlen, wenn Borussia Erfolg hat. So sieht es der Vertrag vor. Überweisen Sie das im Zweifel gern?

Jütte Wenn Borussia erfolgreich ist, zahlen wir gerne mehr. Das bringt noch höhere Aufmerksamkeit und positives Image für die Postbank. Beim ersten Vertrag hatten wir noch die übliche Nichtabstiegsprämie im Vertrag. Mit der neuen Regelung wollten wir ein anderes Signal setzen.

Sie haben den Vertrag mit Borussia kurz vor der vergangenen Saison vorzeitig verlängert. Haben Sie diese Entscheidung angesichts des Saisonverlaufs manchmal bereut?

Jütte Natürlich hatten wir mit so einer sportlichen Situation nicht gerechnet. Aber für uns war unzweifelhaft, dass die Verbindung zwischen Postbank und Borussia eine sehr gute ist, darum wollten wir sie nicht vom kurzfristigen Erfolg abhängig machen. Und auch wenn wir alle so eine Saison nicht noch einmal erleben wollen, wird Borussia gerade als Gewinner wahrgenommen.

Wie meinen Sie das?

Jütte Dieses außergewöhnliche Comeback hat Mannschaft, Trainer und Zuschauer zusammengeschweißt. Ich merke das an mir selbst. Ich bin immer gern ins Stadion gegangen, war Sympathisant. Seit der Aufholjagd bin ich ein echter Fan. Wenn ich nicht im Stadion sein kann, lege ich meine privaten und beruflichen Termine so, dass ich die Spiele wenigstens live im Fernsehen verfolgen kann. Ähnlich ist es auch bei unseren Mitarbeitern. Hier in unserer Bonner Zentrale haben wirklich sehr viele mitgefiebert. Und am Ende gab es das Gefühl: Unser Verein hat es geschafft.

Was bringt eigentlich einer Bank Sportmarketing. Lässt sich der Return dieses Invests messen?

Jütte Es ist schwer, das isoliert zu betrachten. Als wir Sponsor der WM 2006 und der Nationalmannschaft waren, haben wir so viele Girokonten neu eröffnet, wie niemals zuvor. Sponsoring erhöht also die Chancen des Vertriebs. Immer wieder werde ich auf Borussia angesprochen. Dass wir Trikotsponsor der Borussia sind, wissen mittlerweile viele Menschen. Überall wird die Bundesliga gesehen, und bei Borussia gucken viele besonders gerne hin.

Warum passt die Marke Borussia zur Postbank?

Jütte Borussia ist ein grundsympathischer Verein. Die Strahlkraft der großen Zeit, an die ich mich noch gut erinnere, ist nicht verbraucht. Es ist ein solider, geerdeter Club. Das passt zu unserem Selbstverständnis: Die Postbank ist die Bank für das Wesentliche.

Es gab vor ein paar Monaten heftige Kritik an Struktur und Ausrichtung des Vereins. Wie werten Sie als Bank-Manager das: Ist Borussia ein solide geführter Verein?

Jütte Absolut. Der Verein wird meinem Eindruck nach von Fachleuten sehr professionell geführt. Selbstverständlich kann man in einem Unternehmen immer etwas verbessern. Das gilt auch für Borussia. Aber die laut gewordene Kritik war überzogen – und wie das Ergebnis zeigt auch ungerechtfertigt. Man kann die Leistung der sportlichen Führung, in dieser schwierigen Situation die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben, gar nicht hoch genug einschätzen. Das war ausgezeichnetes Krisenmanagement. Die langfristig ausgelegte Strategie der kleinen Schritte finde ich absolut überzeugend. Sie war auch ein Grund für unser Engagement bei Borussia.

Hätte es Sie nicht dennoch gefreut, wenn als Neuzugang ein Nationalspieler das Postbank-Trikot übergestreift hätte?

Jütte Ein guter Solist macht noch kein Orchester. Eine solche Neuverpflichtung ist finanziell aber auch gar nicht möglich. Ich würde mir wünschen, dass mehr Unternehmen – und übrigens wenn Sie an die sehr ernste Euro-Krise denken auch mehr Staaten – nur das Geld ausgeben würden, das sie auch einnehmen. Auf junge Spieler mit Entwicklungspotenzial zu setzen, finde ich für einen Verein wie Borussia überzeugend. Ich traue Max Eberl, Rainer Bonhof und Hans Meyer das nötige Glück und Geschick zu, auch weiter Talente zu entdecken. Im Fall von Marco Reus hat das ja sehr gut funktioniert.

Ihn haben die Postbank-Mitarbeiter gerade zum zweiten Mal in Folge zum Spieler der Saison gewählt. Eine gute Wahl?

Jütte Unbedingt. Er hat auch mir viel Freude bereitet – nicht nur wegen seines Tors in Bochum.

Kann eigentlich eine Bank etwas von einem Fußballverein lernen?

Jütte Ich kann für mich sagen, dass der Mannschaftssport Fußball mich in meiner persönlichen Entwicklung voran gebracht hat. Im Fußball wie in unserem Unternehmen gilt: Das Team ist alles. Niemals aufgeben. Als Einzelner kommst du nicht weit. Auch bei einer Bank braucht man Torjäger und Regisseure, Kämpfer und Zuarbeiter.

Und auch einen Trainer?

Jütte Ja, so empfinde ich meine Aufgabe.

Und welches Saisonziel gibt der Postbank-Trainer für Borussia aus?

Jütte Ich bin vorsichtig optimistisch. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie stark genug ist, den Anschluss ans Mittelfeld zu schaffen.

Ralf Jüngermann führte das Gespräch.

(RP)