Bombenentschärfung in Mönchengladbach: Evakuierung verlief problemlos

Tausende Menschen betroffen, Hauptbahnhof gesperrt : Wie eine Weltkriegsbombe Mönchengladbach lahmlegte

Mitten in Mönchengladbach wurde eine Weltkriegsbombe entdeckt. Die 250-Kilogramm-Fliegerbombe sorgte am Montag dafür, dass rund 12.500 Menschen das Stadtzentrum verlassen mussten.

Ingeborg Schmidt macht nicht den Eindruck, als würde ihr ein stressiger Nachmittag bevorstehen. Die 86-Jährige ist am Montag in das Foyer des Seniorenheims Haus Bungeroth gekommen und ruht sich nun noch ein wenig in einer gemütlichen Sitzecke aus. „Man muss es nehmen, wie es kommt“, sagt Schmidt, die in wenigen Minuten mit allen anderen Bewohnern des Hauses sowie den Mietern aus dem Betreuten Wohnen nach Bettrath gebracht wird. Das Haus muss wegen der Bombenentschärfung an der Steinmetzstraße komplett geräumt werden.

„Ausgerechnet heute haben wir mit den Mietern aus dem Betreuten Wohnen auch noch unsere Adventsfeier. Da soll es später noch hingehen“, sagt Schmidt. Natürlich wecke die Nachricht eines Bombenfundes die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg. „Da war ich noch ein junges Mädchen und habe im Ruhrgebiet gelebt. Es war eine schwere Zeit“, sagt sie. Sorgen mache sie sich wegen der Entschärfung aber nicht.

Generell geht es ruhig zu im Foyer des Seniorenheims. „Wir haben durch zwei Umzüge schon eine gewisse Erfahrung mit solchen Aufgaben – und wir konnten uns drei Tage vorbereiten“, sagt Einrichtungsleiterin Susanne Claßen. 51 der 70 Hausbewohner sowie acht Mieter aus dem Betreuten Wohnen müssen für einige Stunden im Ludwig-Weber-Haus sowie im Karl-Immer-Haus in Bettrath versorgt werden, alle anderen sind von Angehörigen abgeholt worden. Mehr als 20 Mitarbeiter und 23 Krankentransporte stehen bereit, um die Bewohner nach Bettrath zu bringen. „Wir versuchen, gute Stimmung zu verbreiten. Es hat ein bisschen Ausflugscharakter“, sagt Susanne Claßen.

Während an der Steinmetzstraße die Bewohner gegen 15.15 Uhr auf die Fahrzeuge verteilt werden, kommt der erste Bus am Math.-Nat.-Gymnasium an. Die Schule ist eines von zwei Evakuierungszentren für Menschen, die im abgesperrten Bereich der Fundstelle wohnen und keine andere Möglichkeit haben, sich außerhalb des Bereiches aufzuhalten. „Wir konnten schwer einschätzen, wie viele Personen dieses Angebot annehmen, und haben uns nun auf 200 bis 400 Leute eingestellt“, sagt Andreas Bäumer, der den Einsatz der Hilfsorganisationen am Math.-Nat. leitet.

In den ersten beiden Stunden registrieren sich letztlich aber nur etwa 30 Menschen im Evakuierungszentrum. Sie finden an einem der Tische in der Aula der Schule zusammen oder suchen sich ein ruhiges Eckchen zum Lesen. „Ich bin sehr froh, dass ich hierher gekommen bin. Alles ist sehr gut organisiert, es gibt genug Platz, und alle verhalten sich ruhig“, sagt eine ältere Dame, die an der Sittardstraße wohnt. „Jetzt hoffe ich, dass alles gut geht bei der Bombenentschärfung“, sagt sie.

Doch noch ist es nicht so weit. Auch die 500-Meter-Zone ist noch nicht komplett geräumt. Als alles ruhig sein sollte, dringt das Bellen eines Hundes durch die Stille in der Friedrichstraße. Um halb sieben am Abend, der Hauptbahnhof ist schon gesperrt, läuft eine Frau mit ihrem Hund über die Straße. Dass anderthalb Stunden später in ihrer Nachbarschaft eine Bombe entschärft wird und sie und ihr Hund um diese Zeit eigentlich nicht mehr hier sein darf, weiß sie. „Aber der Kleine musste mal raus“, sagt sie schulterzuckend und zupft an der Leine.

Einige wenige Menschen, die weder bei Freunden noch in den Evakuierungszentren untergekommen sind, tummeln sich im Minto. Das Einkaufszentrum hatte zugesagt, auch nach 20 Uhr geöffnet zu bleiben, um einen weiteren Anlaufpunkt für Evakuierte zu bieten. Im Imbissbereich sitzt am Abend auch Klaus (37). „Von meinem Küchenfenster kann ich auf die Baustelle gucken, in der die Bombe liegt“, sagt er. Von seiner Arbeit in Köln sei er zum Gladbacher Hauptbahnhof gefahren und von dort gleich ins Minto gelaufen. „Hier bin ich nah dran und schnell zu Hause“, sagt er. Außerdem gebe es im Minto etwas zu Essen und kostenloses Internet.

Lange muss er nicht mehr warten, um 20.40 Uhr ist die Bombe entschärft. Die Nachricht verbreitet sich auch im Math.-Nat.-Gymnasium ganz schnell, innerhalb weniger Minuten sind die letztlich 44 Personen, die in der Aula der Schule gewartet haben, auf dem Weg nach Hause.