1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Bohlen fühlt sich von der SPD gemobbt

Mönchengladbach : Bohlen fühlt sich von der SPD gemobbt

Der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt erklärte gestern, Parteifreunde hätten falsche Anschuldigungen gegen ihn die Welt gesetzt, um ihm bei seinen politischen Ambitionen zu schaden. Die SPD teile nicht mehr die Ziele der Awo.

Ratsherr Uwe Bohlen hat am Vorabend der Wahlkreiskonferenz der Mönchengladbacher SPD für einen Paukenschlag gesorgt. Bei seinem Geschäftsbericht als Vorstand der Mönchengladbacher Arbeiterwohlfahrt machte er einigen Sozialdemokraten schwere Vorwürfe: "Was, frage ich, haben hier einige Leute in der SPD gegen die Arbeiterwohlfahrt?", so Bohlen wörtlich. Einige Parteifreunde hätten gar falsche Vorwürfe gegen ihn in Umlauf gebracht, um ihm zu schaden. Bohlen wörtlich: "Und schließlich gibt es in der SPD eine Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen. Von da wird offensichtlich ständig kolportiert, welch unerträglicher Arbeitgeber die Awo sei. Da wird – immer hinten herum, nie offen – der Vorwurf des Mobbings erhoben." Auch anonyme Briefe seien verschickt worden.

Dabei seien allerdings nie konkrete Vorfälle geäußert worden. "Die Vorfälle und Namen wüsste ich deshalb wirklich sehr gerne, denn ohne jeden Hinweis kann man doch auch nicht einschreiten", so Bohlen weiter. Die Verfasser der anonymen Briefe seien "feige Schreiberlinge", die den Eindruck erwecken wollten, sie seien Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt. Bohlen sagte unter dem Applaus vieler Teilnehmer: "Ich bin mir sicher, dass unsere Mitarbeiter weder so feige noch so dumm sind."

Bohlen galt als möglicher Nachfolger des scheidenden Fraktionsvorsitzenden Lothar Beine. Der legte sich jedoch schließlich auf Felix Heinrichs als seinen Nachfolger fest. Intern hieß es bei der SPD, der Job als Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt sei nicht kompatibel mit der Führungsfunktion bei der SPD – und zwar wegen des Arbeitsaufwands und möglicher Interessenkollisionen. "Warum eigentlich?", fragte Uwe Bohlen gestern bei seiner Rede rhetorisch und verwies auf Solingen, wo der Awo-Vorstand Fraktionsvorsitzender der SPD sei. Im Kreis Viersen habe sich sein Amtskollege als Landrat beworben.

Eine zunehmende Entfremdung zwischen Arbeiterwohlfahrt und Sozialdemokraten hat Bohlen auch unabhängig von der jüngsten Personalie ausgemacht. Die SPD habe der Awo Knüppel zwischen die Beine geworfen, sagte Bohlen und nannte als Beispiele die Schulsozialarbeiter, für deren Weiterbeschäftigung Geld im Sozialbereich eingespart werden musste. Zudem solle wegen des Haushaltssanierungsplans noch einmal der Zuschuss für die Wohlfahrtsverbände gekürzt werden. Bohlen wertet dies so: "Damit wird nun tatsächlich der Bestand der sozialen Struktur in unserer Stadt – auch von der SPD – gefährdet." Von seiner Kritik nahm Bohlen die, wie er sagte, "beiden wichtigsten Sozialdemokraten in Mönchengladbach, Norbert Bude und Hans-Willi Körfges" aus. Aus seiner Rede war klar ablesbar, dass sich Bohlen keinerlei Chancen mehr auf den Fraktionsvorsitz ausrechnet. Dieter Lenßen, Bohlens Vorgänger als Awo-Vorstand, nannte dessen Bestandaufnahme "erschütternd".

Hermann Jansen, der in gut zwei Wochen 82 Jahre wird, wurde mit 37 Ja-Stimmen bei sechs Nein-Stimmen im Schorch-Betriebsrestaurant für weitere vier Jahre zum Vorsitzenden des Präsidiums gewählt. Seine Stellvertreter sind Dieter Lenßen, Friedel Coenen und Heinz Kempkens. Weitere Mitglieder des Präsidiums sind Norbert Bude, Hans-Willi Körfges, Dr. Hans Peter Schlegelmilch, Franz-Josef Kettendorf. Wolfram Kohlsdorf, Helga Oellers, Berhard Stein und Rainer Ossig.

(RP)