Mönchengladbach: "Blumentopf-Verbot" löst Proteste aus

Mönchengladbach: "Blumentopf-Verbot" löst Proteste aus

Viele Bürger finden es unbegreiflich, dass auf dem Rheydter Marktplatz zur Abgrenzung der Außengastronomie keine dekorativen Pflanzkübel aufgestellt werden dürfen. Sie wehren sich nun mit verschiedenen Aktionen.

Lasst Blumen sprechen? In Rheydt wohl eher nicht. Auf dem Marktplatz ist das Aufstellen von Pflanzkübeln bekanntermaßen verboten. Die rigide Verordnung in der Gestaltungssatzung haben die Bürger nie so recht verstanden. Und das wollen sie jetzt noch einmal ganz deutlich zeigen.

Foto: Wilbert Schiffeler

Zwei Aktionen wurden ganz spontan gestartet, und beide entwickelten sich sofort zum Selbstläufer. Das Ziel, mehr als 100 Unterschriften gegen das Blumenkübelverbot auf dem Rheydter Marktplatz zu sammeln, um sie dem Oberbürgermeister als Zeichen des Protests zu schicken, wurde mühelos erreicht. "Jeder, der von uns angesprochen wurde, hat sofort unterschrieben", sagt Rudolf Waldmann. Er initiierte mit zwei Mitstreitern die Unterschriftenaktion. Denn alle ärgern sich maßlos darüber, dass der Pächter des Rheydter Ratskellers die farbenfrohen und schattenspendenden Blumenkübel von seiner Außengastronomie-Fläche entfernen musste.

Genau wie Rudolf Waldmann selbst können offensichtlich viele nicht nachvollziehen, weshalb ein Blumenkübel-Verbot erlassen wurde. "Über die mannshohen, dichtbepflanzten Blumenkästen, die die Außengastronomie einer weltbekannten Confiserie auf der Hauptstraße eingrenzen, regt sich doch auch niemand auf", sagt Waldmann. Da müsse man dem Pächter des Ratskellers doch Gleiches gewähren. Für Waldmann und für viele andere Rheydter gehört es zur Tradition, nach einem Besuch des Wochenmarktes im Ratskeller einzukehren, um dort etwas zu trinken und zu essen. Und bei schönem Wetter sei dies draußen eben am schönsten. Deshalb fordern er und seine Mitstreiter die Stadt und die Politiker zu Beginn der Sommersaison 2018 auf, "den gegen den ausdrücklichen Willen der Besucher des Rheydter Marktplatzes gefassten Beschluss zurückzunehmen". Waldmann findet, dass bunt Blühendes auf der "stellenweise doch recht öden baum- und strauchlosen Steinwüste im Süden des Marktes" den Bereich aufwerte und glaubt, dass nicht nur die Gäste des Ratskellers das so empfinden, sondern alle Marktbesucher.

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Außerdem schützten die schön bepflanzten Kästen, die der Pächter in Eigeninitiative anschaffte, auch die Gastronomiegäste vor umherfliegenden Fußbällen der Jugend. Die könnten sich wieder ungestört um den Brunnen herum austoben, wenn die Kübel erneut aufgestellt würden. Die einen können ungestört essen, die anderen sich nach Herzenslust austoben - das findet Rudolf Waldmann gut.

Und er ist nicht der einzige Bürger, der eine Protestaktion gegen das Blumenkübelverbot startete. Anke Hamacher legte im Ratskeller Meinungs-Zettelchen zu diesem Thema aus. Gleich am ersten Tag füllten Bürger die Zettel aus und schrieben "Blumen sind doch schön" oder auch "Was bilden sich die Politiker eigentlich ein". 60 Kommentare kamen in wenigen Stunden zusammen. "Und das war nicht an einem Wochenende, sondern an einem ganz normalen Mittwoch", sagt Anke Hamacher. Alle diese Zettel - es sollen mehr als 200 sein - sowie die Facebook-Kommentare zu der strengen Gestaltungssatzung vom letzten Jahr hat Anke Hamacher in einem "blumigen Album" zusammengefasst, das bereits fertig im Ratskeller ausliegt. Und weil es so viele Kommentare sind, klebt die Rheydterin aktuell noch in ein zweites Album. "Ich habe schon vier Klebestifte verbraucht", sagt sie und lacht. Die Alben, die sie dem Oberbürgermeister übergeben will, haben sogar einen Titel: "Sag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben - auf dem Rheydter Marktplatz leider nicht."

Wie Rudolf Waldmann findet auch sie, dass Blumen Rheydt schöner machen. "Wir reden hier von Pflanzkübeln, die nur in der Saison aufgestellt werden, und nicht über feste Installationen", sagt sie.

(gap)