Mönchengladbach: Blitzgeburt: Knöllchen trotz Notfalls

Mönchengladbach : Blitzgeburt: Knöllchen trotz Notfalls

Das Baby von Ute Ebeling und Sascha Fahl drängte auf die Welt. Vor dem Eli stellte Fahl das Auto auf einem Behinderten-Parkplatz ab und kurz darauf wieder weg. Obwohl er die Politesse über den Notfall informiert hatte, schrieb sie ihn auf.

Die Wehen kamen schnell und heftig. Ute Ebeling verständigte ihren Mann, und der machte sich umgehend auf den Weg zu seiner schwangeren Frau. Die hatte inzwischen auch schon die Eltern angerufen, die auf den vierjährigen Sohn Jannis und seine zwei Jahre jüngere Schwester Melia aufpassen sollten. "Wir sind dann gleich losgefahren", sagt Sascha Fahl. Mit schmerzhaften Kontraktionen saß seine Frau neben ihm auf dem Beifahrersitz. Die sogenannten Storchen-Parkplätze auf dem Gelände des Elisabeth-Krankenhauses waren belegt. "Deshalb hatte ich keine andere Möglichkeit, als das Auto auf einem der drei Behinderten-Plätze direkt am Haupteingang abzustellen." Und da nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Eine Politesse verrichtete genau zu dieser Zeit ihren Dienst am Eli. "Ich habe ihr gesagt, dass ich den Behinderten-Parkplatz nur kurz nutzen würde, weil meine Frau dringend in den Kreißsaal müsste." Es handle sich um einen Notfall, und er würde den Wagen in ein paar Minuten umparken. Ein Knöllchen sei ja wohl nicht nötig. Daraufhin habe sie geantwortet: "Das kann ich nicht entscheiden." Sascha Fahl sagt über sich: "Ich bin niemand, der einem Behinderten den Parkplatz wegnimmt." Ute Ebeling erinnert sich daran, dass ihr Mann wütend war. "Aber ich hatte so starke Schmerzen, das war mir alles nicht wichtig." Sie habe allerdings noch gehört, dass Passanten die Politesse zurechtwiesen. "Die sagten zu ihr: Sehen Sie denn nicht, dass die Frau in den Kreißsaal muss?" In der Tat, sagt Ute Ebeling, konnte sie sich zu dieser Zeit schon kaum noch auf den Beinen halten.

Der werdende Vater begleitete seine Frau in die Geburtsabteilung, wo die Hebamme sie gleich in den Kreißsaal brachte. Im Krankenhausbericht ist vermerkt: Die Patientin kam unter stärksten Wehen ins Krankenhaus. "Nachdem ich meine Frau in guter Obhut wusste, bin ich gleich wieder zu meinem Auto gesprintet und habe es auf einem Parkplatz außerhalb des Krankenhaus-Geländes geparkt", sagt Sascha Fahl. Nach seiner Einschätzung stand sein Fahrzeug fünf bis zehn Minuten auf dem Behinderten-Parkplatz. "Da steckte schon der Hinweiszettel unter dem Scheibenwischer." Kurz nachdem er wiederum den Kreißsaal erreicht hatte, kam seine kleine Tochter Carlotta auf die Welt.

"Die Politesse hat den Vorfall ganz anders erlebt", sagt Stadtsprecher Walter Schröders. "Sie sagt, sie habe gar keine schwangere Frau gesehen, der Mann sei allein gewesen." Dieser habe sie angesprochen und ihr erklärt, dass er sein Auto auf dem Behinderten-Parkplatz abgestellt habe, weil er schnell in den Kreißsaal müsse. Und in der Stellungnahme des Leiters des Ordnungsamtes, Reinhold Gerhards, heißt es, der Mann sei auf die Politesse zugekommen, die in einiger Entfernung zu den Behinderten-Parkplätzen Fahrzeuge kontrollierte. Ihr sei deshalb nicht klar gewesen, dass der Opel, den sie auf dem Behinderten-Parkplatz fotografierte und protokollierte, ihm gehört habe.

Sascha Fahl wartet gelassen das Knöllchen ab. "Er kann dagegen Widerspruch einlegen", sagt Walter Schröders. "Dann bekommt er einen Bußgeldbescheid, auch da besteht wieder ein Einspruchsrecht. Letztlich landet die Sache dann vor Gericht."

(RP/ac)