Mönchengladbach: Blaulichtmeile überraschend abgesagt

Mönchengladbach: Blaulichtmeile überraschend abgesagt

Ehrenamt in Gefahr: Der Verein "Sicher miteinander" verstärkt Aktivitäten für die Jugend, findet aber keinen Nachwuchs. Mit der Blaulichtmeile fällt eine wichtige Werbeaktion weg.

Der Blumensonntag am 9. September in Rheydt wird diesmal ohne die "Blaulichtmeile" stattfinden. Das wurde auf der Mitgliederversammlung des Vereins "Sicher miteinander" (SiMi) bekannt. Vorsitzender Berthold Nielsen zeigte sich über diese unerwartete Entscheidung des Rheydter Citymanagements enttäuscht. 1958 hatte der Blumenkorso erstmals stattgefunden, feiert in diesem Jahr also Jubiläum. Ob das mit der Absage zusammenhängt, weiß Nielsen nicht. Auf Nachfrage habe er keine Antwort erhalten.

Die große Blaulichtmeile ist die bekannteste Aktivität von SiMi: Im Zweijahres-Rhythmus stellen sich die Einrichtungen für Schutz, Rettung und Hilfe in der Stadt öffentlich vor; 2016 waren fast alle entsprechenden Mönchengladbacher Organisationen von A wie Arbeiter-Samariter-Bund über Feuerwehr, Polizei und Technischem Hilfswerk bis Z wie Zoll in der Rheydter City mit einem bunten Programm vertreten. Alternativen würden zurzeit geprüft, sagte Nielsen. Einzelne Organisationen hätten sich jedoch bereits auf den 9. September konzentriert, das mache einen Termin- und Ortswechsel schwierig.

Die Idee von "Sicher miteinander" ist bundesweit einmalig: Angehörige von 13 Behörden, Organisationen, Verbänden und Vereinen mit Sicherheitsaufgaben sind vertreten. Sie wollen das allgemeine Sicherheitsbewusstsein der Bürger stärken und das gegenseitige Kennenlernen der Hilfsorganisationen erleichtern. "Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen allen Einrichtungen. Denn wer sich gut kennt, kann im Ernstfall noch besser zusammenarbeiten", betonte Nielsen. Außerdem will der Verein Jugendliche für die häufig ehrenamtliche Arbeit der Retter, Helfer und Beschützer interessieren.

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Die Tagesordnung der Jahresmitgliederversammlung - Gastgeber war diesmal die Johanniter-Unfallhilfe, die noch vor der offiziellen Eröffnung in ihre neue Zentrale am Dohrweg in Ueding eingeladen hatte - war schnell erledigt: Die Jugendarbeit wird weiter mit Zuschüssen gefördert, ein neues Schulprojekt wird unterstützt, und am 23. Juni findet wieder eine Stadtrallye für die jugendlichen Retter und Helfer statt. Ziel sei es, den Jugendlichen ihre Heimatstadt näherzubringen und sie darin zu stärken, sich selbst zu organisieren, erläuterte Marc Thomessen vom Technischen Hilfswerk (THW). Auch die Teilnahme an "Helfen verbindet" der NEW, einem bunten Fest der Hilfsorganisationen am 5. August im Volksbad, ist wieder fest eingeplant.

Es folgte eine lange Diskussion über die negativen Veränderungen im Ehrenamt: Der SiMi-Vorstand will der Überalterung des Vereins entgegenwirken, findet aber keinen Nachwuchs mehr. Junge Menschen engagierten sich in ihrer Freizeit zwar mit Leidenschaft für einzelne Projekte, tauchten aber wieder ab und lehnten längere Führungsverpflichtungen ab. Das war die übereinstimmende Feststellung aller Anwesenden. "Wir Älteren sind über Jahrzehnte hinweg in einem Verein aktiv. In Zukunft gibt es diese Form des gelebten Ehrenamtes nicht mehr", stellte Burkhard Halm, Bereitschaftsführer im Malteser Hilfsdienst, fest. "Die Jungen ziehen nicht nach", beklagten auch die DLRG-Vertreter. Es werde schwieriger, Vorstände für die Ortsgruppen und den Bezirk zu bilden. Die Lage sei durchaus dramatisch.

(mic)