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Mönchengladbach: Schon 26 Brände in alter Industrieanlage

Feuer in Mönchengladbach : Schon 26 Brände in alter Industrieanlage

Nach dem erneuten Brand wird der sofortige Abriss des alten Betonwerks in Giesenkirchen gefordert. Die Gebäude sind akut einsturzgefährdet. Das Betreten des Geländes sei lebensgefährlich, sagt die Feuerwehr.

Die Feuerwehr ist in der Nacht zu Mittwoch zur alten Betonfabrik an der Straße Bahner in Giesenkirchen gerufen worden. Dort brannte Müll, der aus einer alten Werkhalle zusammengetragen worden war. Es ist nicht das erste Feuer dort. Die Industriebrache hat sich längst zum „Dauerbrenner“ entwickelt wie einst die Mülforter Zeugfabrik. Der letzte Brand an der Straße Bahner ist noch nicht einmal eine Woche her. Und auch am 10. Juli war ein Großaufgebot dorthin ausgerückt. Seit 2012 hat es in dem Betonwerk 26 Feuerwehreinsätze gegeben.

Auch am Mittwoch mussten viele Kräfte von den Feuer- und Rettungswachen Holt und Rheydt sowie von der Freiwilligen Feuerwehr aus Giesenkirchen, Schelsen und Rheydt dorthin entsendet werden. Da die Gebäude wegen akuter Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden dürfen, gestalteten sich die Löschmaßnahmen wie immer schwierig, da sie nur von außen über Drehleitern möglich sind. „In einem sehr zeitaufwändigen Einsatz wurde der Brand schließlich gelöscht“, teilte Einsatzleiter Erik Gribkowski später mit. Auch Feuerwehrchef Jörg Lampe sowie Vertreter des Bauordnungsamtes waren vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Für Frank Boss, CDU-Politiker aus Giesenkirchen und Landtagsabgeordneter, ist das Ende der Fahnenstange jetzt erreicht: „Hier muss jetzt gehandelt werden.“ Es könne nicht sein, dass in der alten Betonfabrik immer wieder Brände ausbrechen, die „Leib und Leben in Gefahr“ bringen. „Das gilt nicht nur für die Feuerwehrmänner. In der unmittelbaren Nachbarschaft leben ja auch Menschen“, sagte er am Mittwoch. Es reiche nicht, dass um das alte Werk nur ein Bauzaun gezogen werde.

Die Vergangenheit habe gezeigt, dass immer wieder Kinder und Jugendliche darüber klettern und in den einsturzgefährdeten Gebäuden zündeln. „Offensichtlich verstehen sie nicht, dass sie sich und andere akut gefährden“, sagte Frank Boss. Er fordert einen sofortigen Abriss der alten Industriebrache, auch wenn die Stadt dafür in Vorleistung gehen müsste. „Ich sehe da im Moment keine Alternative“, sagte der CDU-Politiker.

Die Brände in der alten Betonfabrik seien in Giesenkirchen in jeder Straße und jedem Haushalt ein Riesen-Thema. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand für diesen Gefahrenbereich die Verantwortung übernehmen will“, so der CDU-Politiker.

 Das Gelände in Giesenkirchen ist auch für die Mitarbeiter der Bauordnung zum Dauerthema geworden. Wie Stadtsprecher Dirk Rütten erklärte, würden ständig alle bauaufsichtlichen Möglichkeiten geprüft. Die Eigentumsverhältnisse auf dem Grundstück seien jedoch kompliziert wegen der Insolvenz des Unternehmens, der Mittellosigkeit des Eigentümers und Gläubigerverhältnisse. Eine Ersatzvornahme  – also ein Abriss auf städtische Kosten – würde Kosten im mindestens sechsstelligen Bereich verursachen. Und dann wäre da noch das Thema Altlasten. Vor einem Abriss müsste auch noch geprüft werden, ob es auf dem Grundstück Schadstoffe gebe. Auch das koste Geld.

Frank Boss findet jedoch: „In dieser Situation kann man nicht sagen: Das geht aus monetären Gründen nicht.“