Mönchengladbach: Abgeschnittener Schweinekopf an Moschee gefunden - Staatsschutz ermittelt

Staatsschutz ermittelt : Abgeschnittener Schweinekopf vor Moschee in Mönchengladbach gefunden

Ein Mitarbeiter des Islamischen Kulturvereins hat am Dienstag einen Ekel-Fund an der Mittelstraße in Rheydt gemacht. Unbekannte hatten dort einen Schweinekopf und Beutel mit Blut abgelegt. Der Staatsschutz ermittelt.

Muslime in Mönchengladbach sind entsetzt, viele auch verängstigt. An der marokkanischen Moschee an der Mittelstraße in Rheydt sind am Dienstagmorgen ein abgetrennter Schweinekopf und gefüllte Blutbeutel gefunden worden. Die Entdeckung hatte ein Mitarbeiter des Islamischen Kulturvereins am Morgen gegen 9 Uhr gemacht und die Polizei alarmiert. Vor Ort bestätigten sich diese Angaben: An einem Nebengebäude der Moschee stellten die Polizisten nicht nur den abgetrennten Schweinekopf, sondern auch fremdenfeindliche Symbole fest. Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen.

Die Masjid-Arrahman-Moschee an der Mittelstraße ist umstritten: Im November vergangenen Jahres hatte es dort eine Durchsuchung gegeben. Es war nicht die erste. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden ist der Verein Anlaufstelle für zahlreiche Personen aus dem salafistischen und islamistischen Spektrum. Auch der ehemalige Salafistenprediger Sven Lau soll sich dort nach seiner Konvertierung aufgehalten haben. Die Sicherheitsbehörden wollten bei der Durchsuchungsaktion im November Beweismittel sammeln, um zu prüfen, ob ein Vereinsverbot in Betracht kommt. Die Ermittlungen dazu scheinen noch nicht abgeschlossen zu sein. Der Verein sammelt weiter Spenden für seinen Moschee-Neubau. Für rund vier Millionen Euro entsteht an der Mittelstraße gerade ein mehr als 1600 Quadratmeter großes Gebäude mit einer 17 Meter hohen Kuppel und einem Minarett.

„Viele wissen jetzt nicht, wie sie sich verhalten sollen. Der Fund an der Moschee hat uns sehr verschreckt“, sagt Juliane Gleißberg, die vor ein paar Jahren zum Islam konvertierte und in der Moschee in Rheydt häufiger zum Beten war. „Es gibt zu viel Hass. Dagegen müssen wir jetzt ein Zeichen setzen.“ Sie und Glaubensschwestern wollen gesondert Anzeige bei der Polizei erstatten. Juliane Gleißberg: „Wir müssen jetzt offen sein und Gespräche suchen. Denn in der Moschee an der Mittelstraße gehen überwiegend ganz normale Menschen beten. Das sind keine Salafisten.“

Für den kommenden Sonntag hatten Rechtspopulisten schon vor Wochen eine Kundgebung und einen Demonstrationszug vor die Moschee angekündigt. Ratsherr Dominik Roeseler (früher Pro NRW, jetzt parteilos), der auch Vorsitzender des Vereins „Mönchengladbach steht auf“ ist, hat dafür Aufkleber mit der Aufschrift „Wir wollen keine Salafisten-Schweine!“ drucken lassen. Ursprünglich wollte er bei der Kundgebung, zu der er nach eigenen Angaben 300 Teilnehmer angemeldet hat, auch vor der Moschee ein Spanferkel grillen. Doch dies wurde ihm an dieser Stelle untersagt. Dafür will Roeseler jetzt an dem islamischen Gotteshaus Plakate mit Mohammed-Karikaturen zeigen, wie er selbst angibt.

Ob es einen Zusammenhang zwischen der angekündigten Demo des rechtspopulistischen Vereins mit dem Schweinekopf-Fund gibt, kann die Polizei nicht sagen. „Wir stehen am Anfang unserer Ermittlungen“, sagte Polizeisprecherin Cornelia Weber.

Ebenfalls für Sonntag hat das Mönchengladbacher Bündnis „Mönchengladbach stellt sich quer“ (MSSQ) eine Gegen-Demo mit bislang 100 bis 150 Teilnehmern angekündigt. Zwar beäugt auch MSSQ die Moschee an der Mittelstraße kritisch. Jedoch will das Bündnis der provokanten Aktion Roeselers, kurz vor Ramadan-Ende, etwas entgegensetzen. MSSQ schreibt: „Auch wenn die Arrahman-Moschee kritisch hinterfragt werden muss und wir uns gegen die Herangehensweisen derselbigen entschlossen positionieren, können und werden wir die rassistische, widerliche Aktion von Neonazis wie Roeseler und seinem Anhang weder akzeptieren, noch unbeantwortet lassen.“

Ob der Ekel-Fund Auswirkungen auf die angekündigten Demonstrationen hat, will die Polizei noch nicht sagen. „Die letzten notwendigen Koordinierungsgespräche müssen noch geführt werden“, sagte Polizeisprecher Jürgen Lützen.

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