Mönchengladbach: 72-mal wurden Senioren Opfer von Straftaten.

Polizei in Mönchengladbach warnt : Straftäter suchen sich oft Senioren als Opfer

Ein 78-Jähriger und eine 91-Jährige werden in ihren Wohnungen brutal überfallen, ein 79-Jähriger wird mit einem Brechmittel außer Gefecht gesetzt. Seit 1. Oktober wurden schon acht Senioren Opfer von Straftaten.

Es klingelt an der Tür, und kaum ist sie geöffnet, stürmen zwei Männer hinein, überwältigen die Wohnungsinhaber und verletzten sie dabei. So geschehen ist das Anfang des Monats einem 78-Jährigen von der Straße Am Kreuelskamp und einer 91-Jährigen von der Eifelstraße. Sie sind nur zwei Opfer von insgesamt 72 in diesem Jahr. So viele Anzeigen gab es nach „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen“, wie es im Polizeijargon heißt. Dabei entstand eine Schadensumme von mehr als 150.000 Euro. Wie viele Senioren von Trickdieben, wie falschen Polizisten oder falschen Verwandten angerufen wurden, aber nicht in die Falle tappten und deshalb nicht die Polizei einschalteten, ist nicht bekannt. „Da gibt es sicher einige“, sagt Polizeisprecherin Isabella Hannen.

Auch Ralf Wolfs vom Bereich Kriminalprävention weiß, dass Senioren häufig Opfer von Straftätern werden. Viele Jahre ist er von Tatort zu Tatort gefahren, um Spuren zu sichern. Und dabei traf er oft auf Senioren, die bestohlen, beraubt und überfallen wurden. „Viele Täter nutzen die Hilfsbereitschaft und manchmal auch die Hilflosigkeit älterer Menschen“, sagt er. Senioren seien einfach zu finden und ließen sich ebenso leicht ausspähen. Im Telefonbuch liefern alte Vornamen wie Gertrud und Gottfried Verbrechern entscheidende Hinweise. Der Rat des Experten: „Vornamen löschen lassen. Das hilft schon viel.“ 75 Prozent der Senioren erledigten ihre Einkäufe, Bank- und Friedhofsbesuche am Vormittag. Diebe wissen das, und sie kennen auch die typischen Anlaufpunkte. Dazu gehören auch Banken. Deshalb sagt Wolf: „Zum Geld abheben sollten ältere Menschen mit einer Vertrauensperson zu einer Bank gehen. Das ist sicherer.“

Bei Einkäufen sollten Senioren nur so viel Geld mitnehmen, wie sie bräuchten. „Bankkarten lieber zu Hause lassen, wenn sie nicht gebraucht werden.“ Der Diebstahl eines Portemonnaies oder Brieftasche mit allen Papieren bedeute nicht nur viel Rennerei, er könne auch richtig teuer werden.

Vor Trickbetrüger-Anrufen helfe ein sogenannter Anrufblocker, sagt Ralf Wolfs. Der Telefonfilter lasse nur einprogrammierte, vertrauenswürdige Anrufer durch. „Dadurch hat man schon richtig viel gewonnen“, sagt Wolfs. Wer Berührungsängste mit neuem technischen Gerät habe, solle sich an seine Kinder oder andere Vertrauenspersonen wenden. Kinder sollten lernen, dass sie sich um ihre Eltern ab einen gewissen Alter kümmern müssen, Eltern, dass sie Hilfe annehmen sollten, sagt Wolfs.

Der Experte rät auch, niemals fremde Personen in die Wohnung zu lassen. Was früher die Kette vor der Tür war, sei heute das Kastenzusatzschloss mit Sperrbügel. So könne man die Wohnungstür sicher einen Spalt breit öffnen. Wolfs: „Ältere Leute sind oft sehr hilfsbereit. Aber sie sollten auch mal sagen: ,Nein, ich will Sie nicht in die Wohnung lassen.’“ So wie die 90-Jährige aus Geneicken dies am Montag getan und damit einen Trickdieb abgewehrt hat. Falls sich Senioren unsicher seien, wenn ein Fremder vor der Tür steht und wegen eines Wasserrohrbruchs eingelassen werden möchte, sollten sie erklären, dass sie zunächst Sohn, Tochter oder einen Vertrauten hinzurufen wollen.