Mönchengladbach: Blaue Fahrradstraße — dürfen die das?

Mönchengladbach : Blaue Fahrradstraße — dürfen die das?

Gladbachs Fahrradstraße ist jetzt ein Fall für das NRW-Verkehrsministerium und die Bezirksregierung. Dort wird geprüft, ob das Blau auf der Straße erlaubt ist oder nicht. Und das kann Wochen dauern.

Blau oder nicht blau? Das ist hier die Frage. Und die Antwort darauf ist so wichtig, dass man sich nicht nur bei der Bezirksregierung Düsseldorf, sondern auch auf Ministeriumsebene den Kopf darüber zerbricht. Es geht um Mönchengladbachs erste Fahrradstraße, die "Blaue Route", die erst im September mit der neuen Verkehrsregelung feierlich freigegeben worden war.

Die fiel aber Vertretern der Bezirksregierung offenbar bei einer Bereisung auf. Prompt erhielt die Stadtverwaltung ein Schreiben, in dem um Stellungnahme zum ungewöhnlichen Blau auf dem Asphalt gebeten wurde. "Dieser Aufforderung wird die Verwaltung selbstverständlich nachkommen", teilte die Stadt mit.

Das Blau kann man in der Tat nicht übersehen. Soll man aber auch nicht. Denn Autofahrer sollen sofort erkennen, dass Radfahrer auf dieser Straße Vorrang haben. Deshalb hat die Stadt die Fahrbahn deutlich blau markiert. Nur leider steht von der Farbe Blau nichts in der Straßenverkehrsverordnung. Die sieht in Paragraf 39 nur Markierungen in Weiß oder Gelb vor. Das sorgte bei der Bezirksregierung für Irritationen und der entsprechenden Nachfrage.

Initiative des ADFC

Muss das Blau jetzt weg? "Das Thema befindet sich derzeit - in Abstimmung mit dem Verkehrsministerium NRW - in der Prüfung. Die Entscheidung wird noch einige Wochen dauern", teilt Dagmar Groß, Pressesprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf. Schriftlich heißt es: "Weitere Details und Fragen können von uns erst nach Abschluss der Prüfung geklärt/beantwortet werden."

Das viele Blau, das sich ausgehend von einer großen Fläche am Beginn der Viktoriastraße/Ecke Fliethstraße in Form einer Bodenlinie bis nach Rheydt zieht, geht auf eine Initiative des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und des Masterplan-Vereins zurück und kam per Crowdfunding der Volksbank zustande. Bereits Anfang 2016 waren auf diese Weise 4050 Euro von Fahrradfahrern gespendet worden, um das sicherlich auch als symbolisch zu betrachtende blaue Band zwischen den Innenstädten Gladbachs und Rheydts zu finanzieren. Immer wieder hatte sich die Realisierung des Projekts verschoben, bis die politischen Beschlüsse Ende Juni endlich getroffen waren.

Wie unsere Redaktion erfuhr, hatte die Verzögerung offenbar auch ganz konkrete Gründe: Denn auch verwaltungsintern war man sich lange uneins, wie man blaue Markierungen denn überhaupt möglich machen kann. Wie die Deutsche Studiengesellschaft für Straßenmarkierungen bestätigte, ist Blau auf der Straße einfach nicht vorgesehen.

Auch die zuständige Bundesanstalt für Straßenwesen mit Sitz in Bergisch Gladbach betont: "Blaue Linien sind demnach keine Markierungen und haben somit keine verkehrsrechtliche Bedeutung." Indes: "Für Einfärbungen gibt es keine einheitliche Regelung." Ein Fahrradweg zum Beispiel ist oft rot gefärbt, ohne dass dies irgendwo festgelegt wäre.

"Einfärbung mit künstlerischem Wert"

Und genau das machte sich die Stadt nach Informationen unserer Redaktion zunutze: Die blaue Farbe ist für sie keine Markierung, sondern eine "Einfärbung mit künstlerischem Wert". So hatte es auch Karlsruhe vor vier Jahren gemacht: Dort wurden ähnliche blaue Streifen auf Fahrbahnen aufgebracht - als Kunstaktion zum Stadtgeburtstag. Und in Göttingen ist ein E-Bike-Schnellweg mit blauen Markierungen eingefasst; dort ist dies ein Projekt, das von der Forschungsgruppe für nachhaltige Mobilität an der Uni Göttingen begleitet wird.

Thomas Claßen vom ADFC ist von dem plötzlich aufgetauchten blauen Problem überrascht. "Blaue Farbe wird doch seit Ewigkeiten auch für große Bodenpiktogramme verwendet, zum Beispiel in Krefeld auf freigegebenen Einbahnstraßen", wendet er ein. Und: "In Grefrath gibt es seit der Euroga 2002 sogar türkisfarbene Bodenlinien als Markierung der Fietsallee am Nordkanal, der vom Rhein in Neuss über Venlo bis Nederweert führt."

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(RP)