Mönchengladbach: Bildergeschichten für die Altarwand

Mönchengladbach: Bildergeschichten für die Altarwand

Der Rheindahlener Künstler Wolfgang Franken hat Holzskulpturen mit spiritueller Thematik geschaffen. Palmsonntag werden sie in der Klosterkirche Neuwerk gezeigt. Franken ließ sich durch Kunst auf Altaraufsätzen (Retabeln) inspirieren.

Der Rheindahlener Bildhauer und Maler Wolfgang Franken widmet seine Kunst seit jeher geistlichen Themen. So ist er bestrebt, seine Skulpturen in Gotteshäusern zu präsentieren. Für die beginnende Passionszeit hat der 66-Jährige eine zwölfteilige Serie Holzarbeiten geschaffen, die von Vorbildern aus koptischen und griechisch-orthodoxen Kirchen ebenso inspiriert sind wie von Retabeln, den mit Flügelaltären geschmückten Rückwänden der Altäre in katholischen Kirchenbauten. Im orthodoxen Kulturkreis handelt es sich um sogenannte Ikonostasen, Bilderschauwände, die den Altarraum vom Kirchenraum abtrennen.

"Grundlage meiner Arbeiten, die im Kern fast immer auf gefundenes, dann bearbeitetes Wurzelholz zurückgehen, sind Ikonen in koptischen oder orthodoxen Kirchen", erklärt Franken. Dabei imitiert er aber keineswegs Themenspektrum und Darstellungsweise von alten Darstellungen der Muttergottes und der Heiligen mit viel Blattgold. Immerhin spielt das schimmernde Edelmetall in seinen zwölf Arbeiten, die er in unterschiedlichen Formaten fertigte, durchaus eine Rolle: So löst sich eine schemenartig reduzierte Maria aus einer goldfarbenen Höhlung, um sich für ihre Krönung im Himmel auf den Weg zu machen.

Wolfgang Franken arbeitet aus dem Holz reliefartig die Silhouette der Figur heraus. Diese ist meist biblischer Provenienz, aber auch der Dichter Dante bzw. der Wanderer in dem Meisterwerk "Divina Commedia" und die heilige Teresa von Ávila kommen vor. Die Holzwand dahinter hat meist einen Fuß und kragt oben vor. Auf dieser kastenförmigen Fläche, die der Künstler in Glasdruck-Technik auf Japan-Papier motivisch ausformuliert, erzählt er kleine Bildergeschichten. Zum Beispiel diese: In mystische Traditionen führt das Retabel, in dem Franken die spanische Karmelitin Teresa von Ávila (1515-1582) und ihr Hauptwerk, "Die innere Burg", zum Thema macht. Wir blicken auf einen angedeuteten Bergfried mit sieben halb geöffneten Fensterflügeln. "Es sind die sieben Eingänge zur Seelenwohnung, von denen Teresa spricht", erläutert der katholische Künstler. Unten die Silhouette der Mystikerin mit jubelnd erhobenen Armen. "Teresa von Ávila war es wichtig zu vermitteln, dass wir Gott in Freiheit begegnen sollen, singend, tanzend, freudetrunken", ergänzt Franken.

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Zum Inhalt der "Göttlichen Komödie" passt der gewundene, aufwärts führende Weg mit angedeuteten Treppenstufen, auf dem der Wanderer von der Hölle über den Läuterungsberg ins Paradies aufsteigt. Der Sinn für spirituell aussagekräftige Botschaften charakterisiert das künstlerische Selbstverständnis Wolfgang Frankens. So hat er die vom Judentum zum Katholizismus konvertierte Edith Stein mit einem von orthodoxen Vorbildern geprägten einzigen mandelförmigen Auge dargestellt. Ein Symbol für die Kraft der Vision, die Edith Stein als Brückenbauerin zwischen Juden- und Christentum aufbrachte. Die Nazis ermordeten sie im KZ Auschwitz. Dafür steht im Bildnis der Stacheldraht.

Am Palmsonntag, 29. März, 15 Uhr, werden Wolfgang Frankens Kunstwerke in der Klosterkirche Neuwerk ausgestellt. "Ich werden mit den Besuchern den Kreuzgang abgehen und ihnen die Arbeiten erläutern", verspricht der Künstler.

(RP)
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