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Bilanz zum Unwetter in Mönchengladbach: 205 Sturmeinsätze für die Feuerwehr – Aufräumarbeiten dauern an

Unwetter in Mönchengladbach : Sturmschäden halten Einsatzkräfte in Atem

Einen Tag nach dem Gewitter mit Starkregen und Sturmböen wird das Ausmaß der Schäden bekannt. Feuerwehr, Mags und Polizei sind im Dauereinsatz. Welche Gebiete in der Stadt am stärksten betroffen sind und wo weiter Gefahren drohen.

„Ich weiß gar nicht, wo wir anfangen sollen“, sagt ein Mags-Mitarbeiter. Sein Blick schweift über die großen Äste, die auf der Korschenbroicher Straße und den Wegen entlang der Niers liegen. Wenige hundert Meter weiter – neben der gesperrten Straße – muss ein Baum gefällt werden. Das dafür benötigte Gerät aber ist gerade anderswo im Einsatz. Es ist Freitagmorgen. Seit mehr als zwölf Stunden sind Feuerwehr, Polizei und Mags im Dauereinsatz. Der Sturm am Donnerstagabend hat zwar nur etwa eine halbe Stunde gedauert – seine Folgen aber werden die Einsatzkräfte das Wochenende und darüber hinaus beschäftigen.

Noch lange ist das Ausmaß der Sturmschäden nicht bekannt. An allen Ecken und Enden in der Stadt gibt es Äste von den Wegen zu räumen. „Bis wir eine genaue Abschlussbilanz haben, wird es wahrscheinlich bis Montag dauern“, sagt Mags-Sprecherin Yvonne Tillmanns. Die Stadt hat vorsichtshalber den Sportplatz an der Schlossstraße in Rheydt und den Rasenplatz an der Straße „Puffkohlen“ gesperrt. Die Mags warnt davor, Wälder zu betreten und rät zur Vorsicht in Parks und auf Friedhöfen. „Umgestürzte Bäume, Astbrüche und lose Äste können mehrere Tage nach Sturmereignissen eine Lebensgefahr darstellen“, heißt es von der Mags.

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Besonders betroffen von dem Sturm sind die Waldgebiete Schloss Rheydt, Volksgarten, Bungt und Hoppenbruch. Das bizarre dabei: Mancherorts sind reihenweise Bäume umgekippt und keine hundert Meter weiter ist nichts mehr. Das berichtet unter anderem Lars Klausing von der Berufsfeuerwehr. Fallwinde hätten für Schneisen der Verwüstung gesorgt, sagt er. Nach eigenen Angaben hat die Feuerwehr in der Zeit von 18 bis 1 Uhr insgesamt 205 Unwettereinsätze abgearbeitet. Eine weitere Bilanz liegt bisher nicht vor. Aber: „Wir werden auch am heutigen Freitag noch Gefahrenstellen abfahren“, sagte Feuerwehrmann Klausing am Morgen.

Das ist auch den ganzen Tag über zu beobachten. Ein Schwerpunkt war zunächst der Bereich um das Schloss Rheydt. Dort sind etliche Bäume in Mitleidenschaft gezogen worden. Große Äste und umgekippte Bäume blockierten die Ritterstraße, die Pferdmengesstraße und den Parkplatz. „Mit Blick auf den Töpfermarkt am Wochenende wurden hier die wichtigsten Bereiche freigeräumt“, teilt die Mags mit. Mit schwerem Gerät und kleinteiliger Handarbeit wurden die Bereiche gesichert. Dafür mussten ganze Baumkronen beschnitten werden. Andere Abschnitte – etwa die Teile der Schlossstraße – bleiben hingegen vorerst abgesperrt. Dort liegen Bäume quer und versperren die Fahrbahn.

Ein weiterer Schwerpunkt war, neben dem vorerst gesperrten Friedhof Giesenkirchen, zudem die Korschenbroicher Straße. Dort ist am Donnerstagnachmittag ein Baum auf einen Traktor gefallen. Zunächst sperrte die Polizei die Straße voll, später übernahmen Barken und Absperrgitter diese Aufgabe. Die Mitarbeiter der Mags rückten am Morgen aus und kümmerten sich um die Kronenbrüche und die zwei zu fällenden Bäume.

Durch das Gewitter sind im Laufe des Abends acht Brandmeldeanlagen fehlerhaft ausgelöst worden. In einer Schule in Odenkirchen wurde der interne Räumungsalarm ausgelöst. Dazu kamen überflutete Straßen und Keller, die unter Wasser standen. Laut NEW-Messstation in Rheindahlen fielen in einer Stunde 26 Liter pro Quadratmeter. Weiter berichtet die Feuerwehr, dass an der Schleestraße ein von innen hohler Baum auf die Fahrbahn zu stürzen drohte. Am Konstantinplatz wurde das komplette Flachdach eines Mehrfamilienhauses weggeweht. An der Gasstraße musste ein Baum auf der Straße mit einem Feuerwehrkran beseitigt werden. Allein der Einsatz dort dauerte laut Feuerwehrchef Dirk Schattka vier Stunden.

In den sozialen Medien war das kurze Unwetter von Donnerstag ein großes Thema. Fotos von überfluteten Straßen und Blitzeinschlägen – unter anderem im Bethesda-Krankenhaus – wurden gepostet. Außerdem berichtet ein Leser von einer Windhose in Giesenkirchen. Kurios war zudem die Aktion eines jungen Mannes, der mit einem Kajak über die überflutete Ueddinger Straße paddelte.

Alles andere als rosig lief derweil der Abend in der Brauerei Jöris. Als die Gullis an der Speicker Straße kippten, bewirtete Marc Thönes dort etwa 20 Gäste, alle saßen sie im Biergarten. „Wir haben die Leute reingeholt und die, die noch nicht gegessen hatten, mit Speisen versorgt, bevor wir schließen mussten.“ Der Biergarten war geflutet, im Bierkeller musste die Kühlung abgeschaltet werden, da die Elektrik ihren Dienst versagt hatte. Thönes und zwei Mitarbeiter mussten Kühlschränke hin- und herschieben, um die durchnässte Küche des Gebäudes aus dem Jahr 1854 trocken zu wischen. Bis 23 Uhr waren sie mit Aufräumen beschäftigt, dann war alles wieder in Ordnung. „Das war schon ärgerlich, aber eigentlich nicht dramatisch“, sagt Thönes. Am Freitagmorgen kam dann noch der Hausmeisterservice der Gaststätte, um den Biergarten zu säubern, bevor das Jöris ab 17 Uhr wieder Gäste empfangen konnte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So traf das Unwetter die Stadt Mönchengladbach