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Mönchengladbach: Bewegende Zeugnisse aus dem Ersten Weltkrieg

Mönchengladbach : Bewegende Zeugnisse aus dem Ersten Weltkrieg

Das Tagebuch einer Gladbacherin aus dem Ersten Weltkrieg zeigt, wie Familien mit dem Verlust ihrer Söhne fertig werden mussten.

Der Erste Weltkrieg, der im August 1914 begann, ist aus dem kollektiven Bewusstsein der Deutschen weitgehend verschwunden. In Mönchengladbacher Familien jedoch werden noch viele Dinge aufbewahrt, die an die Toten dieses mörderischen Krieges erinnern. Nach dem Aufruf in der Rheinischen Post vom 18. Januar brachte Leserin Gerda Schmitz berührende Dokumente, unter anderem ein Tagebuch ihrer Tante, das auch jenen Tag umfasst, an dem die Nachricht vom Tod eines Bruders kam.

"Die Familie meines Großvaters lebte zu Anfang des Jahrhunderts im heutigen Tho Penningshof", erzählt Gerda Schmitz. "Später betrieben sie eine Bäckerei und Gastwirtschaft im Zentrum von Eicken." Zehn Kinder hatten Maria und der aus Holland stammende Severin Reumers, vier Söhne und sechs Töchter. Auf einem Familienbild sieht man sie ernst und gesetzt in die Kamera blicken. Von den Söhnen zogen drei in den Krieg. "Sie wurden zu den Fahnen gerufen", wie es damals pathetisch formuliert wurde.

Während Adolf Reumers in französische Gefangenschaft geriet und Heinrich wohl in Saarlouis stationiert war, nahm Hermann an den Kämpfen an der Westfront teil. Der 20-Jährige war "Baufach-Volontär" und am 2. Mai 1916 eingezogen worden. Seine Schwester Gertrud begann im Sommer 1918 ein Tagebuch zu führen, das sie in einem kleinen Gedicht auf der ersten Seite ihren "kleinen Vertrauten" und "Begleiter künftiger Tage" nennt. Schon der zweite Eintrag vom 4. August 1918 ist ein tieftrauriger: "Verflossenen Montag ist die Nachricht eingetroffen, dass unser armer, lieber Hermann gefallen ist." Die damals etwa 18-Jährige schreibt weiter: "Mama hat den Brief selbst geöffnet. Sie weinte laut und rief in einem fort: Hermann ist gefallen. Unser Hermann, unser armer Hermann. Immer wollte er auf Urlaub kommen und immer ging es nicht." Der junge Gladbacher war Pionier beim Messtrupp der Minenwerferkompanie 210. Er fiel am ersten Tag der zweiten Marneschlacht, dem 15. Juli 1918. Die Kämpfe dauerten bis zum 6. August. Die deutsche Offensive scheiterte schließlich und leitete die Niederlage ein. Der junge Pionier Hermann Reumers wurde von einem Granatsplitter getroffen, als er mit seinen Vorgesetzten von einer Vermessungstour zurückkehrte. Ein Kamerad beschrieb den Eltern seinen Tod und fügt dann hinzu: "Da wir uns den ganzen Tag in einem schrecklichen Feuer befanden, konnten wir ihn erst nachts beerdigen. Unter einer hohen Pappel liegt er begraben. Wenn es mir möglich ist, werde ich später sein Grab fotografieren." Seine Schwester trauert: "Wie tut es mir so bitter leid, ihm nicht öfter geschrieben zu haben." Sie habe sich so auf Hermanns Urlaub gefreut und lange Spaziergänge geplant.

Die Schwester hat dann auch ihr Leben lang die Erinnerungen an den toten Bruder aufbewahrt, nicht nur im Tagebuch, sondern auch die Todesanzeige, die am 10. September 1918 in der Westdeutschen Landeszeitung erschien, den Totenzettel, auf dem er zum "auf dem Feld der Ehre gefallenen Krieger" verklärt wurde, und eine Feldpostkarte, die er ihr geschickt hatte. "Minenwerfergruß" hat er sie genannt und mit einem selbstgezeichneten Bild versehen. Das Tagebuch von Gertrud Reumers sagt jedoch leider wenig über die Verhältnisse aus, unter denen die Gladbacher Bevölkerung gegen Ende des Krieges lebte.

Die Landeszeitung vom 10. September aber wirft einige Schlaglichter auf die Lage: "Aus einem Garten an der Brinkallee wurden 4 Zentner Birnen gestohlen." Außerdem beschlagnahmte die Stadt die Vorhänge der Bürger, weil daraus "Säuglings- und Leibwäsche" hergestellt werden sollte. Die Vorhänge ließen sich durch "Gegenstände aus Papiergarngewebe" ersetzen, wurde angemerkt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das war Mönchengladbach im Jahr 1914

(RP)