Mönchengladbach: Betten für Riesen im Hardter Wald?

Mönchengladbach: Betten für Riesen im Hardter Wald?

Hardt Kurt Krichel ist ein kunstbeflissener und an der Historie interessierter Mensch. Und ein sehr aufmerksamer. Als er gestern in der RP das Bild vom hölzernen Wegweiser vor dem Lindenhof in Hardt sah, wusste er sofort: „Da stimmt etwas nicht.“ Der Pfeil, der die Richtung zum Hardter Wald anzeigt, trägt den Hinweis „Hünengräber“. Kurt Krichel weiß aber ganz genau: „Da geht es zu den Hügelgräbern.“ Die hat er sich vor einiger Zeit einmal angeschaut und von einem Experten erklären lassen. Was ist also auf dem Wegweiser, den der Heimatverein Hardt im September 1998 als Nachbau des ursprünglichen an gleicher Stelle errichten ließ, schief gegangen? Ein Verschreiber? Zwei Buchstaben verwechselt?

„Da ist etwas schiefgelaufen“

„Richtig“, sagt Paul Bereths. Und er muss es wissen. Schließlich ist er Hardter Urgestein und hat sich sein Leben lang mit der Heimatgeschichte des Ortes befasst. „Da ist tatsächlich etwas schief gelaufen“, sagt er. „In der Tat handelt es sich im Hardter Wald um ein großes Hügelgräberfeld. Mit Hünengräbern hat das nichts zu tun.“

Hünengräber wird man in der Umgebung um die Nikolauskirche vergebens suchen. Aufgefallen wären sie auf jeden Fall, denn Hünengräber bestehen aus Anordnungen meist gewaltiger Findlinge. Forscher sprechen von Megalithanlagen. Das volkstümliche Wort Hünengrab bezieht sich auf die Größe der Grabstätten, die auch als „Gräber oder Betten für Riesen“ gedeutet wurden. Bekannte und gut erhaltene Hünengräber gibt es im Emsland, in Holstein und auf der Insel Rügen.

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Hügelgräber, so wie sie im Hardter Wald zu finden sind, sind Erdausschüttungen, unter denen sich die Bestatteten in Särgen, Sarkophagen oder Urnen befinden. Zwischen dem Matthias-Kapellchen und dem Herdter Hof liegt das ausgedehnte Gräberfeld, das irgendwann zwischen 800 und 500 vor Christi Geburt von den Kelten angelegt wurde. Die kleinsten der Grabstätten sind heute kaum noch zu erkennen, manche der Hügel sind allerdings fast zwei Meter hoch und haben einen Durchmesser von fünf bis 25 Metern.

Albert Mackes, der bekannte Heimatforscher, der 1969 verstarb, hat in seinem Buch klargestellt: „Das Gräberfeld zählt zu den größten des Rheinlandes, es stammt aus der Bronzezeit.“ Es handele sich jedoch nicht um Hunnengräber, wie der Volksmund sagt, sondern eindeutig um Hügelgräber.

Gleichwohl, die Hardter haben sich ihre eigenen Namen für den bedeutenden Fundort geschaffen: Hunshügel, Hungshügel, Hongshuevel – und eben auch beharrlich „Hünengräber“. Deshalb hat der Fehler auf dem Hinweisschild vor dem Lindenhof wahrscheinlich bis heute niemanden irritiert.

(RP)
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