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Mönchengladbach: Betrug: CDU will Geld zurück

Mönchengladbach : Betrug: CDU will Geld zurück

Die CDU will sich einen Teil der von einer Buchhalterin veruntreuten 240.000 Euro zurückholen – unter anderem von der Landes-CDU. Sie ist Arbeitgeber von Geschäftsführer Norbert Liermann, dem Fahrlässigkeit vorgeworfen wird.

Die CDU will sich einen Teil der von einer Buchhalterin veruntreuten 240.000 Euro zurückholen — unter anderem von der Landes-CDU. Sie ist Arbeitgeber von Geschäftsführer Norbert Liermann, dem Fahrlässigkeit vorgeworfen wird.

Knapp drei Monate brauchten die Wirtschaftsprüfer der Coesfelder Kanzlei Freckmann, um Licht ins Dunkel um die Veruntreuung einer früheren CDU-Buchhalterin zu bringen. Ihr Urteil: Dass die im Februar an Krebs verstorbene Frau die Partei über sechs Jahre um genau 240.524,45 Euro betrügen konnte, war nur möglich, da Kreisgeschäftsführer Norbert Liermann seiner Kontrollpflicht nicht in ausreichendem Maße nachgekommen ist. Das dürfte dem im Moment krank geschriebenen Liermann seinen Job in Mönchengladbach und der nordrhein-westfälischen CDU einiges Geld kosten. Denn Liermann ist beim Landesverband angestellt. Und den will die Mönchengladbacher CDU nun haftbar machen.

Haftet Liermann persönlich?

"Wir haben das Ergebnis der Wirtschaftsprüfer dem Landesverband mitgeteilt", sagte der Kreisparteivorsitzende Norbert Post gestern Abend. "Und zwar in der Erwartung, dass die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden", ergänzte Posts Stellvertreter, der Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings. Die CDU will nun auf drei Wegen versuchen, einen Teil der Summe zurückzubekommen. Ein Nachlassverwalter soll helfen, an das immer noch verschwundene Geld zu kommen. Die Angehörigen hatten das Erbe ausgeschlagen. Dann wollen sich die Mönchengladbacher an die Partei in Düsseldorf wenden. Und auch Regressansprüche gegen Liermann persönlich will die Partei prüfen lassen.

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Eine Schuld des Vorstands können die Wirtschaftsprüfer nicht erkennen. Die Kontrolle an einen hauptamtlichen Geschäftsführer zu delegieren, sei legitim. Nur unterschwellig klingt in dem Bericht an, dass auch die Strukturen der Prüfung innerhalb des Vorstands zu überdenken seien. Auch bei der Vorstandssitzung fragten gestern am späten Abend einige Mitglieder, wie der Fall so lange habe unentdeckt bleiben können. Post kündigte gestern an, der Jahresabschluss solle künftig von externen Wirtschaftsprüfern geprüft werden. Bisher ist dies die Aufgabe von Schatzmeister Fred Hendricks und den Kassenprüfern.

Der Abschlussbericht sorgte gestern Abend im Vorstand der Kreispartei für Aufatmen. Die Befürchtung, Hendricks oder gar Post könnten kurz vor der Kommunalwahl in die Schusslinie geraten, wurden nicht wahr. Allerdings wird es bei einer Mitgliederversammlung (voraussichtlich im Oktober) noch Diskussionsbedarf geben — und zwar unter anderem über die Höhe der Beiträge der rund 2200 Mitglieder. Sie waren wegen eines Defizits von 150 000 Euro 2008 um rund 30 Prozent erhöht worden. Heinz-Josef Claßen, Vorsitzender der Mönchengladbacher Kleingärtner, soll nun kommissarisch die Kreisgeschäftsstelle der CDU leiten.

(RP)