Mönchengladbach: Bester Slam-Poet des Landes ist eine Frau

Mönchengladbach: Bester Slam-Poet des Landes ist eine Frau

Sandra da Vina, die einzige weibliche Vertreterin im Finale der NRW-Meisterschaften im Poetry-Slam, holte den Titel. Die Wittenerin überzeugte das Publikum im Alten Kolpinghaus mit dem Versuch, die Welt aus den Augen eines Mannes zu sehen.

Ach, wie oft ist schon der Untergang der deutschen Sprache beklagt worden. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger, zahlreiche Latein-Schüler können ein Lied davon singen. Wie lebendig Deutsch ist, davon konnten sich die Besucher der Finalrunde der NRW-Meisterschaften im Poetry-Slam überzeugen. Von den 40 besten Wortakrobaten NRWs hatten es elf auf die Bühne im Alten Kolpinghaus geschafft. Am Ende entschied das Publikum mit jubelndem Applaus, dass Sandra da Vina die Beste unter ihnen ist.

Sieg mit einem Gedicht über die männliche Weltsicht

Dabei ließ die Final-Startliste anfangs eher vermuten, dass ein Mann den Meistertitel mit nach Hause nehmen würde. Sandra da Vina war im Finale die einzige Frau und trat in der ersten Runde auch noch ganz zum Schluss auf. Doch dann überzeugte sie das Publikum mit ihrem Versuch, die Welt als Mann zu sehen. Das Publikum amüsierte sich königlich. Die sieben Mitglieder der Jury spendierten dafür zwei Mal die Höchstpunktzahl, und mit 45 Punkten setzte sich die Vertreterin des Wittener Slams "Sprechstunde" locker an die Spitze.

In unserer Bilderstrecke sehen Sie Fotos vom NRW-Finale im Poetry Slam.

Zehn Wortakrobaten in einem Bus: Jay Nightwind und Björn Rosenbaum kamen bei der ersten Vorrunde weiter. Foto: Isabella Raupold

Der Abend zeigte, wie facettenreich "Slam-Poetry" ist. Selbstgeschriebene Texte, keine Requisiten und eine Zeitbegrenzung von maximal sechs Minuten sind die einzigen Regeln und lassen entsprechend viel Freiraum. Vom theaterreifen Monolog zu Mobbing und Misshandlung über skurrile Erzählungen aus dem Alltag bis hin zu Gedichten reichte das Repertoire. Und das Publikum im voll besetzten Kolpinghaus gab sich dem Reiz der Sprache hin. Egal, in welchem Alter man ist: Etwas vorgelesen zu bekommen, die Melodie einer Stimme und Geschichten zu hören, das hat den Menschen von jeher fasziniert. Dass das auch heute noch gilt, hat der Abend eindrucksvoll gezeigt.

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"Ihr seid hier beim Poetry-Slam und durchaus eingeladen, die Jury-Wertung zu kommentieren", erinnerte Marco Jonas Jahn das Publikum. Jahn und Markim Pause hatten den NRW-Slam nach Mönchengladbach geholt. In seiner bekannten Lockerheit moderierte das kongeniale Duo das Finale. Das Publikum ließ sich nicht lange bitten, und so wurde die mittelmäßige Jury-Wertung für Sim Panses theaterreifen Monolog gleich mit Unmutsbekundungen abgestraft.

Große Unterhaltung für die Zuschauer

Volle Zustimmung und großen Applaus gab es dagegen für Björn Rosenbaums Beitrag "Kann man machen". Der zeigte, dass gerade komische Texte eine große Portion Lebensweisheit in sich tragen. Die abstrusesten Dinge kann man machen, sich aber von Nörglern und Zweiflern runtermachen lassen, das kann man nicht. Mit dieser Weisheit überzeugte er und trat im finalen Stechen gegen Sandra da Vina und Jason Bartsch an. Letzterer gab dem Publikum einen Einblick in die Gefühlswelt eines "Slammers". Dabei nutzte er nicht nur seine wohlformulierten Reime, sondern sprach auch mit Händen und Füßen.

Nach knapp drei Stunden war das unterhaltsame Spiel mit den Worten zu Ende, und Sandra da Vina trug die Schärpe der NRW-Slam-Meisterin 2014. In sechs Wochen wird sie die NRW-Dichter bei den 18. Deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften in Dresden vertreten.

(gam)
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