Mönchengladbach: Berufsfeuerwehr fehlen gute Bewerber

Mönchengladbach : Berufsfeuerwehr fehlen gute Bewerber

Immer weniger Jugendliche sind geeignet für den Beruf des Feuerwehrmannes. Von 350 Bewerbern bestehen im Durchschnitt nur fünf die Aufnahmeprüfung. Die FDP fordert die Landesregierung auf, den Beruf attraktiver zu machen.

Jörg Lampe sitzt in seinem Büro in der dritten Etage des Führungs- und Lagezentrums der Feuerwehr Mönchengladbach und trinkt Kaffee. Vor ihm auf dem Schreibtisch liegen die aktuellen Zahlen über die Mitglieder der Freiwilligen und der Berufsfeuerwehr in Nordrhein-Westfalen. "Der Unterschied ist schon erheblich", sagt der 51-Jährige mit Blick auf die Statistik: 85 389 Freiwilligen stehen gerade einmal 8976 Berufsfeuerwehrleute gegenüber.

Lampe ist Chef der Feuerwehr Mönchengladbach und Mitglied im Verband der Feuerwehren in NRW. Für ihn und seine Kollegen aus anderen Städten wird es zunehmend schwieriger, Nachwuchs zu finden, der sich für die Berufsfeuerwehr eignet. "Wir brauchen jedes Jahr im Durchschnitt fünf neue Leute", sagt er. Von 70 Bewerbern würde gerade mal einer die Anforderungen erfüllen. "Das heißt, dass wir 350 Kandidaten benötigen, um unsere fünf neuen Leute zu finden."

Angesichts der seit Jahren wachsenden Anforderungen an die Berufsfeuerwehr blicken Experten mit Sorge in die Zukunft. Lampe nennt ein Beispiel: "Hatten wir vor Jahren nur einen Unfall auf der Autobahn, zu dem wir ausrückten, so sind es jetzt schon vier." Diese zeitintensiven Einsätze binden viele Kräfte. Laut Gesetz müssen Großstädte eine Berufsfeuerwehr besitzen. In NRW unterhalten alle 23 kreisfreien Städte sowie acht große kreisangehörige Städte eine Berufsfeuerwehr. Außerdem gibt es in 78 Kommunen hauptamtliche Wachen.

Besonders angespannt ist die Nachwuchssituation in größeren Städten wie Düsseldorf, Essen und Köln. Dort benötigen die Berufsfeuerwehren, die im Vergleich zu Mönchengladbach deutlich größer sind, sogar bis zu 800 Bewerber jedes Jahr. "In vielen Kommunen werden dringend ausreichend qualifizierte Feuerwehrleute gesucht", bekräftigt auch Marc Lürbke von der FDP-Landtagsfraktion in einer kleinen Anfrage an die Landesregierung. Der Hauptgrund dafür sei seiner Meinung nach, dass die Wochenarbeitszeit spätestens ab Ende 2016 nicht mehr als 48 Stunden betragen darf. Freiwillige Mehrarbeit auf bis zu 54 Stunden gegen Zahlung einer Zulage, wie bislang verbreitet, werde dann nicht mehr möglich sein. Lürbke wirft der Landesregierung vor, sich viel zu spät mit dieser Thematik beschäftigt zu haben. "Dadurch wurde die Personalplanung für die kommenden Jahre vor allem für hauptamtliche Feuerwehrleute in vielen Kommunen empfindlich gestört."

Im Kampf um den wenigen Nachwuchs konkurrieren die Kommunen. "Das verschärft die Lage auf dem Arbeitsmarkt", sagt Lürbke. So wirbt etwa die Berufsfeuerwehr Düsseldorf als erste in NRW mit einer dreijährigen Stufenausbildung. Dabei werden die Nachwuchskräfte - anders als sonst - direkt nach der Schule (Realschule Klasse 10) von der Feuerwehr eingestellt. Der eigentlichen Ausbildung zum Feuerwehrmann geht eine 18-monatige handwerkliche Kompaktausbildung voraus. Doch damit werde das Nachwuchsproblem nur nach hinten verschoben, mahnt ein Brandschutzmeister aus dem Ruhrgebiet. "Denn die Aufnahmeprüfung müssen sie nach der Handwerksausbildung trotzdem bestehen", sagt er. Und das würden die wenigsten schaffen.

Wer zur Berufsfeuerwehr will, muss eine dreitägige Aufnahmeprüfung durchlaufen. Erster Tag: In Textaufgaben werden Grundkenntnisse, Auffassungsgabe und Allgemeinbildung abgefragt. Zweiter Tag: praktische Tests zum logischen Denken. Zum Beispiel muss ein 200 Kilogramm schwerer Stein von Punkt A nach Punkt B gebracht werden. Dritter Tag: sportlicher Test, auf den man sich vorbereiten kann, weil die Übungen bekannt sind. "Dennoch fallen ausgerechnet dabei viele durch", berichtet Lampe. Es folgen die medizinische Untersuchung und ein Auswahlgespräch.

Warum zieht man nicht Jugendliche aus der Freiwilligen Feuerwehr? "Versuchen wir ja, aber sie scheitern meistens wie die anderen an den Tests", erklärt Lampe. Dass die Anforderungen möglicherweise zu hoch seien, weist der Verband der Feuerwehren zurück: "Für diesen Beruf muss man körperlich und geistig fit sein. Wir können niemanden nehmen, der beim 400-Meter-Lauf zusammenbricht."

Die Experten sind sich einig: Der Beruf muss attraktiver gemacht werden, damit sich ausreichend qualifizierte Jugendliche bewerben. Auch die Landesregierung müsse mehr tun, fordert die FDP-Fraktion. Das Innenministerium unterstützt zwar ein Projekt zur Förderung des Ehrenamtes in den Feuerwehren. Für Lürbke stellt sich die Frage, inwieweit die Landesregierung die Probleme bei hauptamtlichen Feuerwehren im Blick habe. Das Innenministerium will darauf noch nicht antworten. "Da eine Anfrage der FDP zu dem Thema vorliegt, äußern wir uns erst im Landtag dazu", sagte eine Sprecherin. Das soll frühestens Mitte Oktober der Fall sein.

(RP)
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