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Mönchengladbach: Benjamin Eisenberg - Nachwuchs mit spitzer Zunge

Mönchengladbach : Benjamin Eisenberg - Nachwuchs mit spitzer Zunge

"Im Visier" heißt das Programm von Comedian Benjamin Eisenberg. Süffisant nahm er im TiG in Mönchengladbach den alltäglichen Polit-Wahnsinn aufs Korn.

Er wird als der neue Dieter Hildebrandt gehandelt. Die Rede ist von Nachwuchs-Kabarettist Benjamin Eisenberg. Fest steht: Das Publikum hat er sofort auf seiner Seite. Denn Eisenberg ist ausgestattet mit spitzer Zunge und Humor, und die Pointen sitzen fast immer treffsicher. Der Bottroper war am Samstagabend ins Theater am Gründungshaus (TiG) gekommen und stellte den Mönchengladbachern sein Soloprogramm "Im Visier" vor.

Darin nimmt er den alltäglichen Polit-Wahnsinn aufs Korn — und überzeugt sein Publikum mit der einen oder anderen Parodie vergangener und aktueller Politiker. Eisenberg wirkt auf Anhieb sympathisch. Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass er direkt zu Beginn seine Heimatstadt auf die Schippe nimmt. Denn Bottrop verdient den Mitleidsbonus. "Hier holt die Altkleidersammlung die Säcke nicht ab, sondern bringt sie hin", sagt er beispielsweise.

So redet er ungezwungen über die Politikverdrossenheit der Wähler und die plötzliche Energiewende. Natürlich bekommt auch die Kanzlerin ordentlich ihr Fett weg. Sie sei die "Schwarze Witwe der CDU". Friedrich Merz, Edmund Stoiber und Norbert Röttgen — alle sind ihr zum Opfer gefallen. So ist es dann auch selbstverständlich, dass Benjamin Eisenberg die K-Frage stellt. "Wer kackt ab gegen Merkel? Der Steinbrück gibt sich jetzt schon wirklich Mühe", sagt er kess.

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Aber auch die Piraten, FDP und Grünen bekommen es mit dem scharfsinnigen Beobachter aus Bottrop zu tun. Naiv seien die Piraten ans Werk gegangen. "Den Grünen hat man das damals auch vorgeworfen, dass sie so unbedarft wie die Piraten angefangen hätten. Wobei, das stimmt nicht so ganz: Die Grünen konnten wenigstens stricken", bemerkt Eisenberg hämisch. Zudem solle man sich nicht wundern, dass die FDP die Hauptschulen unterstützt. Schließlich habe die am meisten mit den aktuellen Plagiatsvorwürfen zu kämpfen. Deshalb müsse man sich nach neuen Quellen für Parteimitglieder umsehen.

Immer wieder untermauert Eisenberg seine Pointen mit Stimmen bekannter Persönlichkeiten. Und so gibt es für das Publikum auch einen VHS-Schnellkursus in "Wie parodiert man korrekt Angela Merkel?" Ganz einfach: Es gibt drei Punkte zu beachten. Ersten: die Mimik — Mundwinkel nach unten ziehen. Zweitens: die Motorik — dabei ist es wichtig, den rechten Arm kontinuierlich auf und ab zu bewegen. Und drittens: eine Merkel-typische Aussage — "Herr Außenminister, ich sage ja zur Kooperation, aber nein zur Zusammenarbeit".

Ein Dieter Hildebrandt ist Benjamin Eisenberg noch nicht. Aber er beschert seinem Publikum einen kurzweiligen Abend mit vielen Lachern. Seine Zuhörer bedanken sich mit viel Applaus bei ihm. Und so bleibt ihm zum Schluss nur noch zu sagen: "Unterstützen Sie weiterhin die Nachwuchs-Kabarettisten wie Volker Pispers und Richard Rogler!"

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(sibr)