1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: "Beim M schauen Sie bitte etwas doofer"

Mönchengladbach : "Beim M schauen Sie bitte etwas doofer"

Der Niederrheinische Konzertchor will wieder wachsen. Dazu hat Chorleiterin Maria Benyumova "Schnuppertage" anberaumt. Und die Rheinische Post zu einem Probenbesuch eingeladen. Mitsingen war ausdrücklich erwünscht.

Da sing' ich doch mal mit. Wenn der Niederrheinische Konzertchor so freundlich nachfragt, bin ich an einem Montagabend um 19.30 Uhr im Math.-Nat. Gymnasium und sehe lauter gutgelaunte Menschen in Richtung Aula gehen, wo ein Stuhlkreis ums Klavier auf die Aktiven wartet. Das sind zurzeit rund 40 Männer und Frauen (Letztere in Überzahl), die ihre Montage regelmäßig ihrer Sangeslust widmen. Oft schon seit vielen Jahren.

Irgendwie ist die Stimmung unter diesen jungen, mittelalten und alten Leuten so wie überall, wenn ein Chor kurz vorm Konzert zusammenkommt. Man begrüßt sich freundlich, hält mit Nebenmann oder -frau ein Schwätzchen und wartet auf die Chorleiterin. Die ganz Eifrigen schauen in ihre Stimmen, meist jedoch gilt die Devise: Können wir, haben wir lange genug "trainiert". Ich setze mich in den Tenor, was für einiges Aufsehen sorgt. Denn mit fünf Mann ist diese Singfraktion das Stiefkind des Laien-Ensembles, das im Kulturleben der Stadt eine herausgehobene Funktion einnimmt.

Als Maria Benyumova an den Flügel tritt und mich als Reporter vorstellt, ist der Traum vom neuen Tenor vorbei. Sogleich geht's ans Einsingen. Die junge, dynamische Chordirektorin des Theaters beginnt dieses "Warmmachen" der Stimme mit Körperübungen, hochgezogenen Schultern, Dehnen, Übungen zum Atemfluss. Danach gibt's Töne in verschiedenen Registern, auf geschlossenen Vokalen, alles ganz leise. Man summt Dreiklänge auf "M" und "N", und ebenso freundlich wie bestimmt müssen sich die Sänger sagen lassen: "Bitte beim M etwas doofer gucken. Beim N später, da dürfen Sie lächeln." Was augenblicklich für entspannte Mundwinkel und Unterkiefer sorgt. Das "ng" klingt wie eine 40-stimmige Sirene, Dreiklänge und Geläufigkeitsübungen auf "bon giorno signora donna bella andiamo" füllen samten den Schulraum. Klingt gut.

Von 100 Sängern sind nur noch 50 übrig

Carolin Mühlen ist Vorsitzende des Niederrheinischen Konzertchores, der dem Ensemble (seit 2002) zwar den Namen gibt. Der aber nur die Gladbacher Hälfte einschließt. Denn dieser Chor, der seit Jahrzehnten im Verein mit den Niederrheinischen Sinfonikern die städtischen Chorkonzerte gestaltet, besteht — auch das historisch und durch die Fusion der Theater Mönchengladbach und Krefeld bedingt — noch aus dem Krefelder Singverein. Auch der hat eine Vorsitzende, Päivi Kemner.

Beide, Mühlen und Kemner, stehen in der Pause um den Journalisten und erklären ihr gemeinsames Anliegen. "Wir brauchen neue Sänger", bringen beide es auf den Punkt. Von ehemals an die 100 ist der Zwei-Städte-Chor auf unter 50 geschrumpft. Das hat mit den Ansprüchen der Chorleiterin zu tun, die mit ihrem Amtsantritt (wohlwollende) Vorsingen eingeführt hat, wovor einige altgediente Chormitglieder kapituliert haben. Das hat die Qualität des Ensembles erhöht. Gerade auch im Zusammenwirken mit regelmäßigen Stimmbildungseinheiten und ein bis zwei Intensiv-Wochenenden im Jahr.

Aber der große Chorklang ist mit so wenigen Sängern nicht zu haben. "Wir suchen Menschen mit Freude am Singen, auf die wir uns verlassen können", sagt Mühlen. Benyumova fügt hinzu: "Nach Ostern laden wir zu Schnuppertagen ein. Fünf Proben singen wir Literatur aus Renaissance bis Pop, jeder kann kommen und sich ausprobieren. Und dann schauen wir, wie's weitergeht."

Weiter geht's jetzt erst mal mit der Probe. Vor dem Chorkonzert ist Generalmusikdirektor Mihkel Kütson selbst dazugekommen, legt beherzt Hand an Ungereimtheiten, klärt Tempi und Einsätze. Da ist noch einiges zu tun an den spätbarocken Miserere-Vertonungen von Hasse und Zelenka, die zumindest im Tenor weitestgehend sitzen. Hat Spaß gemacht.

(ark)