Mönchengladbach: Beim Klassentreffen neu entflammt

Mönchengladbach : Beim Klassentreffen neu entflammt

Manchmal dauert es länger, bis die Liebe ans Ziel kommt: Auch über diese Erfahrung sprachen ehemalige Handelsschüler, als sie sich jetzt 50 Jahre nach dem Abschluss wiedersahen. Beim Treffen von Hardterbroicher Volksschülern ging es ebenfalls um Verbundenheit – und um Streiche.

Alte Liebe rostet nicht – davon könnten Ingrid und Walter Wiss-feld ein Lied singen. Als 15-Jährige waren die beiden ein Paar, besuchten die Städtische zweijährige Höhere Handelsschule Mönchengladbach. Dann verloren sie sich aus den Augen. Zum Glück gibt es Klassentreffen: "Beim Klassentreffen 1977 hat es wieder gewaltig gefunkt", erzählt Ingrid Wissfeld – bei einem Klassentreffen. 50 Jahre nach ihrem gemeinsamen Ab-schluss sitzt sie an diesem Samstagabend mit 13 weiteren ehemaligen Handelsschülern im Restaurant des Dorint-Hotels. Ein paar Kilometer entfernt im Restaurant Langer spielt sich zur selben Zeit Ähnliches ab: Dort trudeln gerade 33 Ehemalige der katholischen Volksschule Schulstraße ein, 60 Jahre nach ihrem Abschluss.

"Das ist mittlerweile unser siebtes Klassentreffen", erzählt Ingrid Wissfeld im Dorint-Hotel. Nach 1977 folgte die nächste Zusammenkunft 1992, "da haben dann die anderen von meinem Mann und mir erfahren", sagt sie und lacht. Ingrid Wissfeld war Sprecherin der Klasse HO I, die aus 26 Schülern bestand. "Vier sind inzwischen verstorben. Und einer ist in Australien verschollen", sagt sie. Die meisten Ehemaligen leben in Mönchengladbach oder Erkelenz, wurden Steuerberater, Manager, Kaufleute oder arbeiteten in Rathaus-Vorzimmern. "Wir konnten uns alle ordentlich auf dem Markt positionieren", findet Ingrid Wissmann. Damals habe es keine Probleme gegeben, eine Stelle zu finden, ergänzt der zweite Klassensprecher der HO I, Hermann-Joseph Jakob. Sehr motiviert und fleißig sei ihre Klasse gewesen, sind er und Ingrid Wissfeld sich einig – für Streiche blieb da keine Zeit.

Bei der Abschlussklasse der katholischen Volksschule in Hardterbroich war das anders. "Ich weiß noch, dass ich dem Kaplan mal die Ärmel zugenäht habe", gibt Marie-Luise Deipenbrock zu. Ein anderes Mal bestrich sie den Stuhl der Lehrerin mit Leim. Für sie und die anderen 32 Ehemaligen der Volksschule ist es an diesem Abend im Restaurant Langer das 8. Klassentreffen. "Unsere Klasse hatte 39 Mädchen und 26 Jungen", sagt Karl-Heinz Wartmann, der die Treffen seit einigen Jahren organisiert. Die Idee dazu habe vor 14 Jahren Klassenkamerad Karl-Heinz Kühl gehabt, erzählt er. Kühl habe immer alles organisiert, sei jedoch gestorben. "Wie ein paar andere Klassenkameraden auch", ergänzt Marie-Luise Deipenbrock.

Im Restaurant Langer fühlt sie sich fast wieder, wie in der Schule: "Die Männer sitzen auf der einen Seite, die Frauen auf der anderen. Das ist wie früher", sagt sie und lacht. Architekten, Statiker, Maschinenbauer und Künstler hat die Klasse hervorgebracht. "Viele von uns sind in Hardterbroich geblieben, singen im Kirchenchor", erzählt Marie-Luise Deipenbrock. "Bei uns gibt es einen starken Zusammenhalt", ergänzt sie, "das liegt an der Zeit damals." Immerhin erlebten die Kinder ihre ersten Volksschuljahre im Krieg, zwei Jahre fiel die Schule ganz aus, weil das Gebäude zerstört war.

Doch so groß die Verbundenheit zwischen den Volksschülern auch ist – ein Liebespaar wie Ingrid und Walter Wissmann hat die Klasse nicht.

(RP)