Mönchengladbach: Beide Gladbacher Schläger sind frei

Mönchengladbach: Beide Gladbacher Schläger sind frei

Die beiden 15-Jährigen, die jetzt festgenommen wurden, weil sie zwei Frauen im Hauptbahnhof Mönchengladbach zusammengeschlagen hatten, sind für die Polizei keine Unbekannten. Entgegen ersten Angaben gibt es wohl keinen dritten Täter.

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hat auch gegen den zweiten festgenommenen Schläger vom Mönchengladbacher Hauptbahnhof keinen Haftbefehl beantragt. Polizei und Staatsanwaltschaft sehen bei beiden Verdächtigen keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr. Der zweite festgenommene 15-Jährige hatte gestanden, gemeinsam mit einem gleichaltrigen Kumpanen zwei Frauen im Hauptbahnhof zusammengeschlagen zu haben.

Dabei gab es offenbar laut Staatsanwaltschaft keinen dritten Mittäter. Zeugen hatten ursprünglich der Bundespolizei von drei weglaufenden Jugendlichen berichtet. Die Bundespolizei wollte gestern die Angaben der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft nicht bestätigen. Sprecher Armin Roggon räumte jedoch ein, dass sowohl eines der Opfer als auch der zweite festgenommene Schläger nur von zwei Tätern berichtet hätten.

Jugendliche auf Weg zu Intensivtätern

Beide Jugendliche sind bereits mehrfach polizeilich aufgefallen, wurden aber nicht im Rahmen des preisgekrönten Mönchengladbacher Intensivtäter-Programms "JIT" überwacht. Das könnte sich aber bald ändern, bestätigte am Donnerstag Ulrich Lehmann, Chef einer Mönchengladbacher Polizeigruppe, die derzeit 20 Intensivtäter zwischen 14 und 18 Jahren betreut. Der am Mittwoch Festgenommene sei der Polizei unter anderem wegen Bedrohungs-, Beleidigungs- und Körperverletzungsvorwürfen bekannt gewesen. Bislang habe er aber die Kriterien zur Aufnahme ins Programm nicht erfüllt.

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Jugendliche müssten mindestens fünf Mal im Laufe eines Jahres strafrechtlich in Erscheinung getreten sein und darüber hinaus "starke kriminelle Energie oder eine große Brutalität" bei der Begehung der Taten erkennen lassen. Angesichts der Vorfälle im Hauptbahnhof müsse man besonders den Fall des zweiten festgenommenen 15-Jährigen überprüfen. Für die Bundespolizei, die für den Bahnhofsbereich zuständig ist, waren beide Jugendliche unbeschriebene Blätter, da sie keine Vorstrafen haben.

Um derartige Jugendliche, die erst auf dem Weg zu Intensivtätern sind, zu stoppen, hat das NRW-Innenministerium das Präventionsprogramm "Kurve kriegen" aufgelegt. Dieses Projekt gibt es in Mönchengladbach nicht. "Die beiden Jugendlichen wären sehr wahrscheinlich in das Programm aufgenommen worden", sagt ein Sprecher des Innenministeriums. "Möglicherweise wäre die Tat dann nicht passiert."

Landesweit nehmen bisher 153 Kinder und Jugendliche aus acht Städten an dem Programm teil, darunter Duisburg, Dortmund und Köln. Wilfried Albishausen, Landesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter, kann nachvollziehen, wieso Mönchengladbach nicht teilnimmt. "Die Polizei dort ist personell so abgesoffen, dass jede weitere Verschiebung von Personal die Kripo in die Funktionsunfähigkeit triebe." Der Rechtsexperte der CDU im Landtag, Peter Biesenbach, kritisiert: "Das Programm hat viel zu wenig Plätze. Es ist nicht mehr als Aktionismus von Innenminister Ralf Jäger (SPD)."

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(RP/top/csi)
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