Mönchengladbach: Bauer bei Marihuana-Anbau im Fokus

Mönchengladbach : Bauer bei Marihuana-Anbau im Fokus

In Paderborn ist ein 43-jähriger Krefelder verurteilt worden, weil er unter anderem im "Horror-Haus" von Höxter in großem Stil Marihuana angebaut haben soll. Eine Spur führt auch zu einem Landwirt aus Mönchengladbach.

Hat ein 43-Jähriger aus Krefeld im Gehöft in Linnich bei Düren, das einem Landwirt aus Mönchengladbach gehört, eine Marihuana-Plantage betrieben? Der Verdacht liegt nahe, wie jetzt in einem Prozess am Landgericht Paderborn deutlich wurde. Dort wurde der Krefelder am Montag zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt - weil er im berüchtigten "Horror-Haus" von Höxter Drogen angebaut hatte. Das desolate Anwesen im 500-Seelen-Dorf Bosseborn (Kreis Höxter) kurz vor Niedersachsen trägt diese Bezeichnung, weil ein Paar, das seit Oktober 2016 ebenfalls in Paderborn vor Gericht steht, dort Frauen gequält haben soll - zwei davon bis zum Tod.

Eine Polizeisprecherin bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion, dass es vergangenen Freitag bei dem Mönchengladbacher Bauern eine Durchsuchung gegeben hat. Dabei sei auf einem acht mal sechs Meter großen Bereich eine derzeit stillgelegte Plantage entdeckt worden. Das ist nicht viel verglichen mit der Dimension, um die es in dem Gesamtverfahren geht. Vergangenes Jahr soll auch das Areal des Mönchengladbachers in Linnich durchsucht worden sein.

Die Spur nach Mönchengladbach ist eines der Ergebnisse von Ermittlungen gegen ein größeres Netzwerk im Drogenhandel - ausgelöst durch die Festnahme eines 26-jährigen Dealers aus dem Kreis Höxter. Der war dermaßen aussagefreudig, dass er mittlerweile ins Zeugenschutz-Programm aufgenommen worden ist und nur in Begleitung von acht Personenschützern zur Zeugenaussage vor Gericht erscheinen darf. Er gab der Polizei alle seine Verbindungen preis, auch die, die zu dem 43-Jährigen Krefelder führte, von dem er kiloweise Drogen gekauft hatte.

Im September vergangenen Jahres wurde der 43-Jährige zusammen mit anderen Mitgliedern einer Bande in Bosseborn verhaftet - just, als die zweite Ernte illegal angebauten Marihuanas im "Horror-Haus" stattfinden sollte. Die Observierung des Krefelders hatte die Ermittler dorthin geführt. Federführend ermittelt in dem komplexen Verfahren die Polizei Bielefeld, im Fall des Landwirts sollen nun weitere Ermittlungen der Polizei Mönchengladbach erfolgen.

Erst im Zuge der Auswertung der bei der Festnahme sichergestellten Mobiltelefone, so ein Polizeibeamter aus Bielefeld im Zeugenstand vor dem Landgericht, habe man auch die Verbindungen des Krefelders offenlegen können. Der Beamte schilderte, dass der 43-Jährige einen Essener Werkstattbetreiber, mit dem er Drogengeschäfte abgewickelt habe, beauftragt hatte, nach Standorten für weitere Plantagen zu suchen. Es sei auch immer wieder der Name eines Landwirts aus Mönchengladbach aufgetaucht, und schließlich der Hinweis, "die Kinder vom Bauern" seien jetzt da. Für den Drogenfahnder war das ein Indiz, auf die Anlieferung von Marihuana-Pflanzen zu schließen. Zudem gebe es bereits in älteren Telefonaten des Krefelders mit einem Kurierfahrer des Dealers aus Brakel die Absprache zu einer Fahrt zu einem Gehöft, von dem aus später "mal was geliefert werden" sollte.

Wie der Zeuge erklärte, hatte die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach einen Durchsuchungsbeschluss des landwirtschaftlichen Anwesens in Linnich bei Düren erwirkt, das dem Mönchengladbacher gehöre: Tatsächlich habe die Polizei dort eine Plantage gefunden, wenn auch kleiner im Umfang als die im "Horror-Haus" mit mehr als 1000 Pflanzen. Für den Bielefelder Polizisten steht fest, dass der Krefelder Kopf einer verzweigten Bande ist, die Marihuana angebaut hat - eventuell mit einem weiteren Hintermann in den Niederlanden.

Der 43-Jährige wurde jetzt vom Landgericht Paderborn für die Plantage und den Handel im Kreis Höxter zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Ermittlungen zum Fall in Mönchengladbach laufen jedoch noch. Ob und wann es zum Gerichtsprozess kommt, ist noch offen. Die Polizei hält sich aus ermittlungstaktischen Gründen zurück.

(RP)
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