Mönchengladbach: Barrierefreiheit ist heute fast Standard

Mönchengladbach: Barrierefreiheit ist heute fast Standard

Kein Keller, dafür möglichst ein Aufzug, bodengleiche Duschen: Das verlangen heute Häuslebauer. Barrierefreies Bauen liegt inzwischen voll im Trend. Nicht nur bei älteren Menschen. Architekten wie Peter Kuck haben sich darauf eingestellt.

Peter Kuck plant. Er plant Neubauten, er plant Sanierungen. Und immer häufiger plant er barrierefrei. "Ich habe in den letzten fünf Jahren kein Mehrfamilienhaus mehr gebaut, das nicht barrierefrei war", sagt der Mönchengladbacher Architekt. "Selbst bei Einfamilienhäusern wird Barrierefreiheit immer häufiger gewünscht." Die Gründe für das wachsende Interesse sind vielfältig. Bequemlichkeit, Zukunftssicherheit, eine ansprechende Optik. Dafür nehmen die Bauherren auch höhere Kosten in Kauf.

Klassischerweise kommt die Barrierefreiheit im geförderten Wohnungsbau vor. Hier gibt es Richtlinien, die vorschreiben, wie groß ein Bad zu sein hat, damit es auch ein Rollstuhlfahrer benutzen kann, wie breit der Flur sein muss und wie hoch die Toilette. Manche Vorschrift ist gut gemeint, passt im Einzelfall aber nicht wirklich. "Die Briefkästen müssen sehr niedrig aufgehängt werden", erklärt Kuck, "auch wenn das bedeutet, dass sich so mancher Bewohner ziemlich tief bücken muss."

Generell aber wird Barrierefreiheit von vielen mit Bequemlichkeit, sogar Luxus assoziiert. Der Aufzug, der von der Tiefgarage zum Penthouse führt, bedeutet einen barrierefreien Zugang zur Wohnung, wird aber von jüngeren Bewohner in erster Linie als bequem eingeordnet. Die bodengleiche Dusche liegt im Trend, weil sie optisch schick wirkt.

Auch Einfamilienhäuser werden heute deutlich häufiger als noch vor zehn Jahren barrierefrei geplant. Die Bauherren sind dann häufig im mittleren Alter, denken aber an die Zukunft. Solche Häuser haben dann oft keine Keller, sondern alle Räume sollen sich auf einer Ebene befinden. Das bedeutet, dass Wirtschaftsräume für Waschmaschinen oder Lagerräume mit ins Erdgeschoss rücken ebenso wie Schlafzimmer oder Gästezimmer. "Solche Raumprogramme auf einer Ebene umzusetzen ist schwierig, weil dafür relativ große Grundstücke benötigt werden", sagt der Architekt.

Die Bebauungstiefe sei durch die Kommune festgelegt. Meist seien nur 14 Meter erlaubt, wo eigentlich 20 Meter gebraucht würden. "Da muss dann in die Breite gebaut werden und das geht natürlich auch nicht immer", stellt Kuck fest. Aber den Bauherren schwebe dann der klassische Bungalow vor. Auf zwei Ebenen zu planen ist einfacher und dabei kann man für die Zukunft vorsorgen, indem gerade verlaufende Treppen einbaut werden, die später gegebenenfalls mit einem Treppenlift nachzurüsten sind. Wer so bauen möchte, ist oft über 50, die Kinder sind aus dem Haus und man richtet sich bequem und alterssicher ein.

Viel zu tun haben Architekten mit der barrierefreien Sanierung von älteren Wohnanlagen. In den 70er Jahren war Barrierefreiheit überhaupt kein Thema. Peter Kuck baut gerade eine vier- bis fünfgeschossige Anlage mit hundert Wohnungen aus dieser Zeit um. "Die Bewohner sind mit dem Gebäude alt geworden, einige konnten kaum noch ihre Wohnungen verlassen", erzählt Kuck. Kein Wunder, denn alle Häuser waren nur über Treppen zugänglich, Aufzüge waren zwar geplant, aber nicht eingebaut. "Die Aufzugtüren waren außerdem für die Zwischenstockwerke vorgesehen", erklärt der Architekt kopfschüttelnd.

Die Aufzüge müssen dementsprechend umgestaltet werden, die Treppen werden mit Rampen ergänzt, so dass die Bewohner ihre Mobilität zurück erlangen. Barrierefreiheit ist eben nicht nur komfortabel, sondern für ältere Menschen eine absolute Notwendigkeit.

(arie)