1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Wirtschaftsförderung Mönchengladbach: Bald wieder 90.000 Arbeitsplätze?

Wirtschaftsförderung Mönchengladbach : Bald wieder 90.000 Arbeitsplätze?

Steigende Beschäftigungszahlen, so viel verkaufte Fläche wie nie, der Immobilienmarkt im Aufwind: Die WFMG hat eine glänzende Bilanz für 2013 vorgelegt. Doch einige Bestwerte werden dieses Jahr nicht zu wiederholen sein.

88.000 lautet die Zahl, die sich die Wirtschaftsförderungsgesellschaft WFMG für 2014 als Ziel gesetzt hat. Sie kratzt schon leicht an der magischen Marke von 90 000, die Gladbach zu den Hochzeiten der Textilindustrie regelmäßig schaffte — 90 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. 2013 waren es bereits 86 202, 5000 mehr als vor zehn Jahren — der Krefelder Wert blieb im selben Zeitraum konstant. Gladbachs Entwicklung ist diesbezüglich also Spitze: Die Zahl steigt kontinuierlich an — obwohl die Arbeitslosenquote gleichzeitig stagniert. "Die neuen Beschäftigten stammen zumeist aus der stillen Reserve derer, die vorher nicht als arbeitslos gemeldet waren", erläuterte WFMG-Geschäftsführer Dr. Ulrich Schückhaus gestern bei der Vorstellung der Jahresbilanz — Mütter nach der Elternzeit etwa.

ARBEITSPLÄTZE

3264 Arbeitsplätze wurden im vergangenen Jahr mit Unterstützung der WFMG neu geschaffen (1226) oder gesichert (2038) — "ein ausgesprochen gutes Jahr", so Schückhaus. Zum Vergleich: In normalen Jahren liegt der Wert um die 1000, 2012 war mit 1712 da schon ein Ausreißer nach oben gewesen. Die größten Faktoren waren 2013 Santander (Neubau im Nordpark) und Zalando (zweiter Bauabschnitt im Regiopark). All das, so die WFMG, hat konkrete Auswirkungen auf den städtischen Haushalt. Nach einer überschlägigen Formel, dem so genannten Multiplikatoren-Effekt, bedeuten die 3264 Stellen ein Bruttoeinkommen von mehr als 192 Millionen Euro am Standort Mönchengladbach.

FLÄCHENVERKÄUFE

Auch hier wurde 2013 mit 157 610 Quadratmetern ein Rekordwert erreicht. "Das werden wir so schnell nicht wieder erreichen, weil uns die Flächen zur Neige gehen", sagte Schückhaus. Normal seien rund 100 000 Quadratmeter. In den letzten fünf Jahren wurden zusammengenommen 575 000 Quadratmeter verkauft — zum überwiegenden Teil für eine Logistik-Nutzung (397 000). Dass diese Branche ein "Flächenfresser" sei, sei ein Trugschluss, so der oberste Wirtschaftsförderer der Stadt: "Mit 60 Mitarbeiter pro Hektar liegt die Branche in etwa im Bereich von Maschinenbau und Elektrotechnik sowie Handwerk."

IMMOBILIENMARKT

Auch dieser ist weiter stark im Aufwind, speziell in den Innenstädten. Die Büromieten stiegen in den letzten fünf Jahren um zehn Prozent — ein gesundes Maß —, der Büroflächenumsatz um 22 Prozent, wenn auch auf relativ niedrigem Niveau. "Wir sind und bleiben ein ergänzender, kein klassischer Bürostandort", so Schückhaus. Im Bereich Logistik/Lagerflächen liegen die Spitzenmieten konstant bei fünf Euro pro Quadratmeter. Zu denselben Schlüssen kommt auch der neue gewerbliche Mietspiegel, den die IHK Mittlerer Niederrhein jetzt für 2014 veröffentlicht hat. "Bei den Einzelhandelsflächen zeigen die Neugestaltung der Innenstadt und der Umbau des Rheydter Marktplatzes sowie der Neubau des Minto ihre Wirkung", sagt Norbert Bienen, Vorsitzender des Ausschusses für Immobilienwirtschaft bei der IHK.

Einerseits seien sowohl in Rheydt als auch in Gladbach vermehrt Investitionen in den Gebäudebestand zu beobachten, andererseits zeigten potenzielle Mieter Zurückhaltung. Letzteres gelte vor allem für die sogenannten 1b-Lagen in den beiden Zentren. "Eine solche Zurückhaltung ist bei Bauprojekten in solcher Größenordnung durchaus üblich." Bei den Büroimmobilien sei einiges an neuen Flächen auf den Markt gekommen und in der Regel zeitnah vermietet worden. Dadurch, dass die Mieten mittlerweile ein gewisses Niveau erreicht hätten, würden sich neue Investitionen rechnen. Der Mietspiegel kann unter www.mittlerer-niederrhein.ihk.de (im Fenster "Dokumentsuche" die Nr. 99 eingeben) eingesehen werden. Ein Print-Exemplar mit Angaben aller Kommunen im IHK-Bezirk gibt es für 15 Euro bei Christa Sander, Tel. 02161 241-131, E-Mail: sander@moenchengladbach.ihk.de.

GEWERBEFLÄCHEN

Hier sind alle Befürchtungen, dass die Flächen bald ausgehen könnten, mit der Aufnahme des neuen Gewerbegebiets an der A 52 in den Entwurf des Regionalplans (siehe Seite C 1) bis auf Weiteres hinfällig. Derzeit betragen die Flächenreserven 50 Hektar. Neu dazu kommt die Mülforter.

Hier geht es zur Infostrecke: Thema Wirtschaft: Das sagen Experten und Bürger

(tler)