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Mönchengladbach: Bahnhof bald ohne Schalter?

Mönchengladbach : Bahnhof bald ohne Schalter?

Reisende können im Hauptbahnhof Rheydt vermutlich bald keine Fahrkarten mehr am Schalter kaufen. Wenn die Bahn die Bedingungen nicht verbessert, will Reisebüro-Inhaber Christian Stattrop den Service einstellen.

Viel Zeit, um sich mal entspannt zurückzulehnen, hat Alexandra Fervers (36) nicht. Immer wieder steht jemand vor ihrem Schalter im Rheydter Hauptbahnhof: Sie verkauft Fahrkarten, ermittelt schnelle Zugverbindungen, erklärt die Preisstruktur. Der Ticket-Automat, der einige Meter vor ihr direkt in der Bahnhofshalle steht, wird dagegen kaum benutzt.

Die Bahnkunden schätzen und wollen den persönlichen Service — und müssen vermutlich trotzdem darauf bald verzichten. Der Fahrkartenschalter wird vom Rheydter Reisebüro Traveltime GmbH betrieben. Fervers' Chef Christian Stattrop denkt darüber nach, ihn einzustellen. Der Grund: Die Bahn hat auf alle seine Forderungen, die Bedingungen zu verbessern, nicht reagiert. "So ist das wirtschaftlich für mich nicht darstellbar", sagt er.

Erfolgreiches Modell

Dabei würde er selbst nur ungern auf den Kundenservice verzichten. Seit Stattrop vor einigen Jahren nach zahlreichen Gesprächen mit der Deutschen Bahn AG einen Fahrkarten-Verkauf im Bahnhof und auf privater Basis aushandelte, schwört er auf dieses Modell. In Viersen war der Modellversuch so erfolgreich, dass er sich anschließend die Rechte für die Bahnhöfe Rheydt, Hennef und Witten sicherte. "In Hennef und Witten brummt das Geschäft.

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Beide Bahnhöfe sind saniert, und wir haben jeweils ein Ladenlokal bekommen. Da verkaufen wir nicht nur Fahrkarten, sondern auch Städtereisen und andere Touren mit der Bahn. Nur in Rheydt treten wir auf der Stelle", sagt er. Stattrops Erfahrungen sind eine neue Episode in der unendlichen Geschichte des Rheydter Bahnhofs. Seit das Kino Universum schloss, die Bahnhofsgaststätte auszog, Blumenladen und Schlüsseldienst die Geschäfte einstellten, siecht der Bahnhof dahin.

Dies fällt jedem auf, der auch nur einen Blick auf ihn wirft: Das Gebäude sieht heruntergekommen aus, eine große, wenig ansehnliche Holzplatte schützt das Fenster der ehemaligen Bahnhofsgaststätte.

Alle Anstrengungen, die Bahn zu einer Investition ins Haus zu drängen, sind bislang gescheitert — ob sich nun der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Günter Krings oder Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) daran versuchten.

Die lakonische Antwort der Deutschen Bahn AG: Dafür sei kein Geld da, ein Privatinvestor sei nicht zu finden. Die Bahn hätte sich sogar mit dem Abriss des Gebäudes anfreunden können. Aus lauter Frust hat das engagierte Rheydter Citymanagement entschieden, den Bahnhof teilweise auf eigene Kosten zu streichen und kaputte Scheiben zu ersetzen. Ein Kraftakt für den Verein.

Reisebüro-Inhaber Stattrop ist mit der Geduld am Ende. Er startet noch einen Versuch bei der Bahn, damit sie ihm die Räume der früheren Gaststätte Töff-Töff als Ladenlokal zur Verfügung stellt und herrichtet. Und wenn das nicht klappt? "Dann", sagt er und zeigt auf den Schalter, "gehen hier vielleicht für immer die Rolladen runter."

(RP)