Mönchengladbach: Babyboom auch dank klinischer Schwangerschaft

Mönchengladbach: Babyboom auch dank klinischer Schwangerschaft

In Gladbach ist das einzige Kinderwunschzentrum am linken Niederrhein. Rund 3000 Kinder kamen nach Behandlungen zur Welt.

Ungewollte Kinderlosigkeit ist etwas, das weh tut. Sie erschüttert Lebenspläne, löst auch oftmals schwere seelische Krisen aus. Ihre Hoffnung setzen betroffene Paare deswegen oft auf Kinderwunschzentren. Das Kinderwunschzentrum Niederrhein der beiden Gynäkologen Georg Döhmen und Thomas Schalk in Mönchengladbach führt mehr als 1000 Kinderwunschbehandlungen pro Jahr mit überdurchschnittlicher klinischer Schwangerschaftsrate durch. Die Medizin hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte im Reproduktionsbereich gemacht. Trotzdem setzt die Natur Grenzen.

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann viele Gründe haben, die sich gleichmäßig auf Mann und Frau verteilen. Beim Mann ist die häufigste Ursache eine eingeschränkte Bildung normaler Samenzellen. Das kann durch einen nicht behobenen Hodenhochstand in der Kindheit hervorgerufen werden, durch Unfälle oder Infektionen. Bei der Frau können hormonelle Funktionsstörungen vorliegen. Der Eileiter kann geschädigt sein. Oder eine Endometriose, die Ansiedlung von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter, führt zu Unfruchtbarkeit. Aber auch ein fortgeschrittenes Alter der Frau kann eine Empfängnis auf natürlichem Weg verhindern. "Die Eizellen altern mit der Frau", erklärt Gynäkologe Georg Döhmen. Die biologische Uhr tickt spätestens ab 35 Jahren, dann stehen immer weniger Eizellen zur Verfügung, die sich befruchten lassen. Gleichzeitig steigt das Risiko von Fehlgeburten - der Körper beendet unter Umständen eine Schwangerschaft, weil Fehlbildungen eingetreten sind. Der ungebrochene Trend, die Phase der Familiengründung nach hinten zu verschieben, trägt ebenfalls zu ungewollter Kinderlosigkeit bei.

Abhilfe kann das sogenannte Social Freezing schaffen, bei dem Frauen in jüngeren Jahren ihre ebenfalls jungen Eizellen einfrieren lassen, um sie später befruchten zu lassen. Bei sehr späten Schwangerschaften, wie sie häufig in den Medien auftauchen, wenn es um Prominente geht, werden dagegen im Allgemeinen Eizellspenden verwendet, die aber in Deutschland verboten sind. Reproduktionsmediziner Döhmen plädiert an Paare, rechtzeitig über die Familiengründung nachzudenken: "Schwangerschaften kann man nicht in jedem Alter möglich machen. Dass dies gehen soll, ist ein Trugschluss." Im Kinderwunschzentrum Niederrhein kann aber dennoch vielen Paaren geholfen werden. Rund 3000 Kinder sind nach erfolgreichen Behandlungen geboren worden.

So geht das Kinderwunschzentrum vor: Zunächst wird diagnostisch abgeklärt, wo die Ursachen für die Kinderlosigkeit liegen könnten. In 90 Prozent der Fälle, so Döhmen, lässt sich ein Grund ausmachen. Nach der jeweiligen Ursache richtet sich das weitere Vorgehen. Manchmal reicht es schon, den Zyklus zu kontrollieren, damit der Geschlechtsverkehr zum richtigen Zeitpunkt stattfindet. Es können Hormone eingesetzt werden, um die Eierstöcke zur Follikelproduktion anzuregen. Oder aber Ei- und Samenzellen werden entnommen. Die Mediziner befruchten die Eizellen im Reagenzglas. Die befruchteten Eizellen reifen zwei bis drei Tage im Brutschrank und werden dann eingepflanzt.

Unter Umständen wird die Reifung im Brutschrank auch um einige Tage verlängert. "So lassen sich die Embryonen besser identifizieren, die entwicklungsfähig sind", erklärt der Kinderwunsch-Experte und ergänzt: "Das Risiko einer Fehlgeburt wird dadurch gesenkt." Im Allgemeinen werden zwei Embryonen transferiert, die überzähligen werden eingefroren und können bei Bedarf dann auch noch später übertragen werden.

Das Kinderwunschzentrum Niederrhein, das einzige am linken Niederrhein, hilft überdurchschnittlich vielen Patientinnen, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Mit Erfolg: Die klinische Schwangerschaftsrate lag 2016 bei etwa 38 Prozent. Die Einrichtung nimmt damit eine Spitzenposition unter den deutschen Kinderwunschzentren ein.

(RP)