Mönchengladbach: Baby fast zu Tode geschüttelt: Vater war überfordert

Mönchengladbach : Baby fast zu Tode geschüttelt: Vater war überfordert

Die Kriminalpolizei ermittelt in einem versuchten Tötungsdelikt. Ein 24-jähriger Vater hatte seinen fünf Monate alten weinenden Sohn nicht beruhigen können und mehrfach geschüttelt. Ein Richter erließ deshalb am Mittwoch Haftbefehl.

Ein fünf Monate alter Säugling befindet sich in akuter Lebensgefahr, weil er von seinem Vater mehrfach geschüttelt wurde und dadurch irreparable Hirnschäden erlitt. Der Vater, ein 24-Jähriger aus Venn, sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: versuchter Totschlag. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei hatte sich der 24-jährige Vater nach ersten Ermittlungen völlig überfordert gefühlt, weil das Baby nicht aufhörte zu weinen. Die Mutter (23) war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Wohnung. Als das Kind nach dem Schütteln das Bewusstsein verlor, informierte der Vater einen Nachbarn, der den Rettungsdienst und den Notarzt alarmierte.

Das Kind wurde zunächst in die Kinderklinik des Elisabeth-Krankenhauses gefahren. Als sich der Gesundheitszustand des kleinen Jungen dort nichts stabilisieren ließ, veranlassten die behandelnden Ärzte, dass er in die Universitätsklinik nach Düsseldorf überstellt wurde. Von dort aus wurde die Mönchengladbacher Kriminalpolizei informiert.

Eltern machten liebevollen Eindruck

Wie Polizeisprecher Willy Theveßen am Mittwoch mitteilte, sind die Eltern des Kindes nicht verheiratet. Sie seien stolz auf ihren kleinen Sohn gewesen und machten den Eindruck liebevoller Eltern. Die Mutter sei nach der Geburt des Babys wieder arbeiten gegangen, der Vater habe sich offenbar zunehmend überlastet gefühlt.

Laut Dr. Renate Harnacke, Sprecherin der Mönchengladbacher Kinder- und Jugendärzte, führt das Schütteln von Babys nahezu immer zu schwersten Verletzungen, wenn nicht sogar zum Tod. "Das kleine weiche Gehirn stößt auch schon bei vermeintlich leichtem Schütteln gegen die harten Wände der Schädeldecke. Das führt zu Hirnblutungen", sagt sie.

So genannte Schütteltraumata kommen laut Renate Harnacke gar nicht so selten vor. "Wir erleben das immer wieder einmal, dass Eltern, die Nächte lang nicht durchschlafen konnten, weil das Baby immer wieder weint, ihr Kind schütteln." Das dürfe man niemals tun. "Schütteln bedeutet schwere Misshandlung", sagt die Kinder- und Jugendärztin. So genannte Regulationsstörungen im Säuglingsalter seien oft Thema in den Praxen. Dabei gehe es auch um die Frage: "Was kann ich machen, dass mein Kind durchschläft?" Dazu gehört laut Renate Harnacke das frühe Einüben vom Tag-Nacht-Rhythmus. Sehr verkürzt gesagt, bedeutet das: Am Tag gibt es ein Unterhaltungsprogramm mit Singen, Sprechen und Spieluhren aufziehen, nachts ist Ruhe.

Hier geht es zur Infostrecke: Wie entdeckt man, ob ein Kind missbraucht wird?

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