Mönchengladbach: Baby fast tot geschüttelt: Siebeneinhalb Jahre Haft

Mönchengladbach : Baby fast tot geschüttelt: Siebeneinhalb Jahre Haft

Ein Vater hatte sein Baby fast zu Tode geschüttelt, jetzt wurde er zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Außerdem soll der 24-Jährige 500 000 Euro Schadenersatz für seinen schwerst behinderten, elf Monate alten Sohn bezahlen. Das Kind hat irreparable Hirnschäden.

Eindringlich beteuerte der Angeklagte (24) gestern in seinem Schlusswort: "Ich hasse mich dafür, was ich gemacht habe." Bereits zu Prozessbeginn hatte der 24-Jährige zugegeben, seinen weinenden fünf Monate alten Sohn mehrfach heftig geschüttelt zu haben, wenn er mit dem Kind allein war.

Der Staatsanwalt hatte gestern für den Kindsvater zehneinhalb Jahre Haft wegen versuchten Totschlags gefordert. Der Angeklagte habe gewusst, wie gefährlich das Schütteln eines Säuglings ist, habe dies aber verdrängt, sagte er. Das Schwurgericht wertete den tragischen Fall am Ende anders. Die Tat könne nicht als versuchter Totschlag gewertet werden, schließlich habe der Angeklagte bei der Nachbarin um Hilfe gebeten und nichts vertuscht, sagte der Kammervorsitzende Lothar Beckers. Er nannte die fünf Fälle der Anklage "fünf Akte eines Dramas". Einen Vergleich, in dem der 24-Jährige versprach, mit 500 000 Euro den Gesamtschaden zu ersetzen, berücksichtigten die Richter zu dessen Gunsten. Am Ende verurteilte das Schwurgericht den Angeklagten zu siebeneinhalb Jahren Haft.

Vater soll sich schnell einen Job suchen

Aus der Untersuchungshaft wurde er zunächst einmal entlassen. Der Mann solle sofort versuchen, eine Arbeit aufzunehmen, um an das Kind Schadenersatz zu zahlen, so der Richter. Auch nach seinem Gefängnisaufenthalt wird der Vater bei Erwerbstätigkeit einen großen Teil seines Lohns für das Kind abgeben müssen.

Es war der 21. September 2013, als die verhängnisvolle Tat geschah. Die Kindsmutter, die zeitweise in einem Sonnenstudio arbeitete, war nicht zu Hause. Der damals fünf Monate alte Sohn weinte, der Vater fühlte sich wieder einmal überfordert. Er schüttelte das Kind, bis es nicht mehr atmete. Anschließend klingelte er Sturm bei der Nachbarin und bat um Hilfe. Die Frau rief sofort den Notarzt. Als der Säugling ins Krankenhaus in Rheydt kam, erkannten die Ärzte schnell, dass der kleine Junge an einer akut lebensgefährlichen Hirnverletzung litt.

Im Krankenhaus gab der 24-Jährige damals unumwunden zu, das Kind mehr als fünfmal geschüttelt zu haben. Der Junge kam in die Düsseldorfer Uniklinik. Dort sahen die Kinderärzte ein Baby, das sein ganzes Leben lang auf Hilfe angewiesen sein wird. Eine Kinderkrankenschwester (41), die den kleinen Jungen betreute, sprach im Prozess von einem unruhigen, schwerst behinderten Kind, das sich nicht drehen und das nicht sitzen kann. Der Junge könne auch nicht nach seinem Spielzeug greifen. Aber er erkenne allmählich ihm vertraute Personen. "Betritt seine Mama das Zimmer, dann lächelt er", erinnerte sich die 41-Jährige im Gerichtssaal. Im Krankenhaus hatte der Vater auf die Ärzte einen betroffenen Eindruck gemacht.

Von Mithäftlingen als "Kinderschänder" bedroht

Vor Übergriffen schützte ihn seine Reue im Gefängnis nicht. Wie der Verteidiger des 24-Jährigen berichtete, musste sein Mandant während der Untersuchungshaft verlegt werden, weil er von den Mithäftlingen als "Kinderschänder" bedroht worden sei.

Bis er die siebeneinhalbjährige Gefängnisstrafe antritt, ist der junge Vater nun erst einmal für eine kurze Zeit auf freiem Fuß.

(RP)
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