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Mönchengladbach: Automobilzulieferer EGM meldet erneut Insolvenz an

Mönchengladbach : Automobilzulieferer EGM meldet erneut Insolvenz an

Als die NVV gestern um 8 Uhr den Strom abstellte, war auch dem letzten der 175 Angestellten des Automobilzulieferers EGM Automotive an der Schwalmstraße klar: Die zweite Insolvenz des Unternehmens nach 2006 ist nicht mehr zu verhindern.

Schon tags zuvor hatte die Geschäftsführung der ehemaligen Eisengießerei Monforts beim Amtsgericht den Antrag auf Insolvenzeröffnung gestellt. Grund: Zahlungsunfähigkeit. Wie der eingesetzte Insolvenzverwalter Bernd Depping von der Kanzlei DNP Depping mitteilte, werde zunächst das Insolvenzgeld für die Angestellten vorfinanziert. "Unser erstes Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und erst einmal fortzuführen. In den kommenden Wochen werden wir die mittel- und langfristigen Perspektiven ausloten."

Das Aus war lange abzusehen

Für die IG Metall hatte sich die Insolvenz des Traditionsunternehmens schon länger abgezeichnet. "Es gab seit Monaten Probleme mit Lohnzahlungen, und schon seit Mitte letzter Woche stand die Produktion still, weil die Firma kein Material mehr kaufen konnte", sagt Reimund Strauß, Vorsitzender der IG Metall Mönchengladbach. Er glaube jedoch, dass ein Überleben des Unternehmens möglich sei. "Dazu sind aber drei Dinge nötig: Es braucht Geld, die Kunden müssen bei der Stange bleiben — und ein Plan muss her, wie es langfristig weitergehen soll." Dringend nötig seien etwa Investitionen in den Maschinenpark: "Das wurde schon durch den Voreigentümer, die Familie Monforts, versäumt." EGM produziert Elemente wie Nockenwellen und Turbinen und steht am Anfang einer langen Lieferkette für Produzenten von Antriebstechnik und Zulieferern für den Bau von Landmaschinen und Pkws. "Als Lieferant der Autoindustrie müsste die Eisengießerei von der guten Konjunktur eigentlich profitieren", so Strauß. "Es gibt allerdings hausgemachte Probleme, die bei den Kunden eine Zurückhaltung in der Auftragsvergabe erkennen lassen."

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Nach der ersten Insolvenz 2006 konnten durch den Einstieg des indischen Investors Sanjay Bichu Entlassungen verhindert werden. Bichu sei jedoch seit 2009 auf "Tauchstation" gegangen, so Strauß: "Für den Betriebsrat und die IG Metall ist klar: Ein Weiter mit dem Gesellschafter, der mit seiner eigenen Firma in Indien genug Probleme hat, darf es nicht geben." Ende 2008 machten die Beschäftigten mit einer Mahnwache auf Fehlentwicklungen aufmerksam, Kunden und Zulieferer sprangen ein und beglichen zeitweise Stromrechnungen. Am Ende steht nun trotzdem das zweite Aus des 1897 gegründeten Unternehmens.

(RP)