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Mönchengladbach: Auszubildende dringend gesucht

Mönchengladbach : Auszubildende dringend gesucht

Auf dem Ausbildungsmarkt macht sich eine Wende bemerkbar: Fehlten vor drei Jahren noch Ausbildungsplätze, werden zunehmend qualifizierte Bewerber Mangelware. Die Unternehmen reagieren mit Weiterbildungsmaßnahmen, um Jugendliche fit für die Ausbildung zu machen.

Im Osten Deutschlands bleiben dieses Jahr viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Der Grund: Es fehlt an Bewerbern. Nach der Wende fiel die Geburtenrate, heute fehlen damit die Jugendlichen, die eine Ausbildung beginnen wollen. Die Folge: Unternehmen versuchen im Westen Deutschlands geeignete Bewerber zu finden. Aber auch hier werden die geeigneten Bewerber zunehmend knapp. Eine Abwanderung von Bewerbern wäre daher auch für Mönchengladbach ein Problem.

"Der Fachkräftemangel kommt nicht, sondern ist schon da", sagt Stefan Bresser, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach. Den Grund dafür sieht er aber nicht in den Abwerbeversuchen ostdeutscher Unternehmen. "Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Unternehmer geklagt hätte, dass Bewerber abgewandert sind", berichtet er. Dafür kennt er einen ganz anderen Grund, warum in Mönchengladbach Lehrstellen nicht besetzt werden. "Es können oft keine geeigneten Bewerber gefunden werden, weil es bei vielen Jugendlichen an der Ausbildungsreife mangelt", weiß Bresser.

Das gelte besonders für beliebte Berufe wie den Kfz-Mechatroniker. Denn die Anforderungen an die Bewerber haben sich durch den Einsatz von Computer-Systemen in den vergangenen Jahren erhöht. "Viele Schulabgänger aber können nicht mehr richtig lesen, schreiben und rechnen", bedauert Bresser. Um den Bewerber-Mangel in Grenzen zu halten, seien einige Betriebe dazu übergegangen, für die Jugendlichen externe Hilfskräfte zu engagieren und die Auszubildenden auf eigene Kosten weiterzubilden. "So sollen die Azubis nach vorne gebracht werden und die Unternehmen versuchen damit auch, die Mitarbeiter an sich zu binden", sagt Bresser.

Die Statistik der Agentur für Arbeit zeigt noch keinen Bewerbermangel. Im Juli weist sie insgesamt 1446 gemeldete Ausbildungsstellen seit 1. Oktober 2009 aus. Dem stehen 1892 gemeldete Bewerber gegenüber. Ende Juli registrierte die Arbeitsagentur noch 350 unbesetzte Ausbildungsstellen und 648 unversorgte Bewerber. "Aber das Bild wird sich nach unseren Erfahrungen in den nächsten Wochen noch stark verändern", ist Karin Schliffke, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Mönchengladbach, sicher. Besonders in der Ernährungsbranche, im kaufmännischen Bereich, im Verkauf, in der Gastronomie und im Handwerk würden noch Auszubildende gesucht.

Die Unternehmen lassen sich angesichts des drohenden Fachkräftemangels einiges einfallen, um für die kommenden Bewerber-Generationen attraktiv zu sein. Die Santander Consumer Bank bietet qualifizierten Bewerbern ein duales Studium an. Vier der 42 Auszubildenden, die am 1. August ihre Ausbildung begonnen haben, entschieden sich für das ausbildungsbegleitende Studium. Nach vier Jahren werden sie sich mit einem IHK-Abschluss als Bankkaufmann und einem Studienabschluss auf dem Arbeitsmarkt bewerben können.

Auch Heinrich Backes von der IHK Ausbildungs GmbH sieht die Gefahr weniger in der Konkurrenz ostdeutscher Unternehmen als in der mangelnden Ausbildungsreife der Jugendlichen. "Viele Unternehmen bieten Jugendlichen Stützun- terricht oder ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsagentur an", ist seine Erfahrung. Wenn ein Bewerber doch seine Koffer packt, liegt das meist an exotischen Berufswünschen. "Wir hatten mal einen, der wollte Glasbläser werden, aber hier gibt es keine entsprechende Industrie", erzählt er aus der Praxis.

Für die Zukunft sehen weder Bresser noch Backes eine Gefahr der Abwanderung. "Wer in seiner Region einen Ausbildungsplatz bekommt, der bleibt auch hier", bringt Bresser die Erfahrung der vergangenen Jahre auf den Punkt.

(RP)