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Mönchengladbach: Aus für Kreiswehrersatzamt

Mönchengladbach : Aus für Kreiswehrersatzamt

Die Musterungsstellen haben in den Reformplänen des Verteidigungsministeriums ausgedient. Anders als Dortmund etwa bleibt Gladbach aber immerhin Bundeswehrstandort. Die Militärkraftfahrtstelle wird sogar aufgewertet.

Fast jeder männliche Gladbacher ist entweder durch diese Tür gegangen oder unternahm zumindest einiges, um nicht hindurchgehen zu müssen: Im Kreiswehrersatzamt an der Hofstraße wurden zuletzt jährlich um die 6000 junge Männer aus der Vitusstadt, aus Krefeld sowie den Kreisen Viersen und Neuss gemustert.

Seit der Aussetzung der Wehrpflicht kommen allerdings nur noch Freiwillige, und auch das hat nun bald ein Ende. Wie Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière am Mittwoch bekanntgab, wird die Dienststelle, wie alle anderen Kreiswehrersatzämter, aufgelöst. Ihre Aufgaben übernehmen künftig Karrierecenter für Nachwuchsgewinnung; das nächstgelegene soll in Düsseldorf entstehen.

Künftig 150 statt 170 Stellen

Insgesamt kommt Gladbach beim neuen Stationierungskonzept der Bundeswehr jedoch glimpflich davon: Die Stadt bleibt, im Gegensatz zu Dortmund oder Paderborn, wo die Dienststellenzahl unter die kritische Marke von 15 fällt, ein Bundeswehrstandort; die Zahl der Dienststellen verringert sich nur um 20 von 170 auf 150. Grund: Die Zentrale Militärkraftfahrtstelle (ZMK) am Rheindahlener Kreisel, so etwas wie das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt des Militärs, wird de Maizières Konzept zufolge sogar zu einem Logistikkommando aufgewertet — dort dürften also Stellen entstehen, die das Wegbrechen des Kreiswehrersatzamts teils kompensieren.

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Dennoch schrumpft der einst stolze Bundeswehrstandort weiter. Nach größeren Reduzierungen wie der Auflösung des Territorialkommandos Nord Mitte der 90er Jahre und der 250-köpfigen "Headquarters Company" im HQ 2003 hatte es 2004 noch rund 300 Soldaten, Beamte und Zivilbeamte in der Stadt gegeben. Diese Zahl hat sich seitdem nun bald erneut halbiert. Eine exakte Zeitschiene für die Umsetzung der Reformen wurde aber noch nicht bekanntgegeben.

Um die rund 60 Zivilbeschäftigten im Kreiswehrersatzamt sorgt sich auch Verdi. "Wir müssen mit dieser Entscheidung leben, die im wesentlichen die alten Pläne aus der Guttenberg-Zeit zur Grundlage hat", sagt Gewerkschaftssekretär Dominik Kofent. "Vielleicht wechseln einige wenige Mitarbeiter zur ZMK, aber viele werden sich künftig auf weitere Wege einstellen müssen." Wo die Mitarbeiter unterkommen könnten, ist noch unklar.

Das Kreiswehrersatzamt wurde zuletzt mehrfach saniert. Gibt der Bund es auf, sei es ein "interessantes Objekt", sagt Ulrich Schückhaus von der Entwicklungsgesellschaft EWMG. "Für eine Büronutzung ist die Lage etwas peripher, aber eine Spezialnutzung wäre denkbar — etwa wenn die Hochschule Bedarf im Verwaltungsbereich hätte." Auch die Masterplaner könnten das Gebäude im Ensemble mit Hochschule und Polizeipräsidium "wunderbar integrieren".

(RP)