Mönchengladbach: Aus der Tonne

Mönchengladbach: Aus der Tonne

Die stetig wachsende Zahl an Briefwählern zwingt die Stadt zum Umdenken: Zum ersten Mal wurden die Stimmzettel gestern statt im Wahlamt in der Krahnendonkhalle ausgezählt.

Dirk Leisner interessiert sich für den Wahlbezirk 21499. Der Mann mit dem Poloshirt und der hellblauen Jeans arbeitet für das Umfrageinstitut Infratest dimap. Und das Ergebnis aus Wahlbezirk 21499 soll in die Statistik eingehen. "Das kann ja noch dauern, so wie das aussieht", sagt Dirk Leisner. "Da gehe ich noch mal raus."

Unter den Helfenden sind auch viele Mitarbeiter der Stadt. Foto: Knappe Joerg

Getrödelt wird um 17.43 Uhr aber nicht mehr. 33 Tischgruppen stehen am Wahlabend in der Neuwerker Krahnendonkhalle. An jedem Tisch sitzen freiwillige Helfer. Neben den Tischen stehen die 33 blauen Plastiktonnen, um die es heute geht. Darin: mehr als 33.000 Umschläge; die Stimmen der Briefwähler der Stadt.

Ein Koffer voller Wahlutensilien - etwa Umschläge für die Stimmzettel. Foto: Lisa Kreuzmann

Zum ersten Mal werden die Stimmen aus den 33 Briefwahlbezirken in Neuwerk ausgezählt. In diesem Jahr sind es so viele wie noch nie. Das hat die Stadt zum Umdenken gezwungen. Statt wie gewohnt im Wahlamt werden die Stimmen der Briefwähler nun in einer Sporthalle ausgezählt. "Das ist ein Versuch", sagt Joachim Meyer vom Wahlamt.

Auf die roten Umschläge kommt es später nicht mehr an. Foto: J. Knappe

Bei den Mitarbeiter der Stadt sei die Entscheidung zunächst nicht so gut angekommen, erzählt Volker Coenen, der an diesem Abend für den ordnungsmäßigen Ablauf sorgt. "Viele hatten befürchtet, in einer Sporthalle werde es zu unruhig", sagt er. Immerhin: Knapp 200 Wahlhelfer werden gebraucht, um die Stimmen auszuzählen. Viele von ihnen sind Mitarbeiter der Stadt. Magdalena Heynen zählt den Bezirk 10799 aus. Den Wechsel findet sie gut: "Hier hat man mehr Platz, und laut ist es auch nicht."

Foto: Knappe Joerg

Ein Lkw der Mags hat die 33 blauen Tonnen mit den Stimmzetteln schon am Samstag zur Krahnendonkhalle gebracht. Dort wurden sie dann sicher verwahrt, sagt Volker Coenen. Um Punkt 17 Uhr konnten die Behälter zu der zugehörigen Tischgruppe gerollt werden. "Seitdem sitzen wir hier", sagt Peter Riskes. Der 50-Jährige lebt inzwischen in Krefeld. Zum Auszählen kommt er aber gerne wieder in die Stadt: "Einer muss es ja machen."

"Kekse?", fragt Axel Bieling aus Wickrath. Und nette Menschen, die Kekse mitbringen, gibt es eben auch. Helga Gostomski lacht. Sie ist heute zum ersten Mal dabei. "Macht Spaß", sagt sie und reißt einen roten Umschlag auf, in dem ein weiterer, kleiner blauer Umschlag steckt. Um 18.02 Uhr gehen die ersten Hochrechnungen ein. In der Krahnendonkhalle bekommt man davon nichts mit. Hier wird fleißig weiter sortiert. Die letzten roten Briefumschläge müssen inzwischen auf den Tischen liegen. Ab jetzt wird ausgezählt - nichts geht mehr.

Unterschiedliche Parteien bei Erst- und Zweitstimme machen den Wahlhelfern dabei mehr Arbeit. "Die kommen auf einen Extrastapel", sagt Volker Schaffrath, Wahlvorsteher für den Bezirk 10599. An seinem Tisch geht es aber flott. "Wir machen das bestimmt schon seit 20 Jahren zusammen", sagt Kollege Walter Görtz. Für das korrekte Auszählen ist jedes Team nun selbst verantwortlich. Zum Schluss kommen die Stimmzettel in einen versiegelten Umschlag. Briefwahlbezirk 21499 ist an diesem Abend als erster ausgezählt. Das Ergebnis der Erststimmen, das die Gladbacher Briefwähler bei Infratest repräsentieren wird, zählt 42,27 Prozent für die CDU, 21,44 Prozent für die SPD, 7,84 Prozent für die Grünen, 11,13 Prozent für die Linke, 6,39 Prozent für die FDP, 8,87 Prozent für die AfD.

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