Mönchengladbach: Aus dem "Stainer's" wird das "Frenzen"

Mönchengladbach : Aus dem "Stainer's" wird das "Frenzen"

Seit Monaten steht das Restaurant an der Waldhausener Straße leer. Nun steht fest: Die Gladbacherin Iris Frenzen wird dort einziehen. Ihr Konzept: Bodenständigkeit modern interpretiert. "Das ist für mich eine ganz große Sache", sagt sie.

Das Rot an den Wänden muss weg. Das Steinimitat sowieso. Über der Theke sollen zwei grüne Lampen angebracht werden, sonst nichts. Minimalistisch, ein bisschen Vintage, ein bisschen traditionell. "Das, was gerade angesagt ist", sagt Iris Frenzen. "Das, was mir in Mönchengladbach fehlt."

Die zukünftige Wirtin weiß genau, was sie will. Ihren Blick für das Schöne, das, was ankommt, hat sie ihr Leben lang geschult. Als junge Frau hat sie gekellnert, später in der Hotellerie gearbeitet, sich dann für "die sichere Variante" entschieden und eine Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten gemacht.

Der letze Pächter des Stainer's hatte sich nicht lange gehalten. Foto: Plum

Die Liebe zur guten Gastronomie ist geblieben. "Ich gehe gerne essen und achte sehr darauf, dass alles stimmig ist", sagt Iris Frenzen. Atmosphäre, Essen, Service. Auf den komme es besonders an. "Ich möchte, dass mich freundliche und offene Menschen bedienen, die Lust auf Gastronomie haben", sagt sie.

Neben ihrer Vollzeitstelle ist Iris Frenzen vor viereinhalb Jahren den ersten Schritt gegangen. Zusammen mit ihrer Tante hat sie sich als Mietköchin selbstständig gemacht. "Fräulein Food", heißt das Angebot - kommen, kochen, Küche putzen. Bald muss die Tante das Geschäft alleine weiterführen, denn Iris Frenzen will es jetzt wissen: "Überall schließen die Kneipen, und ich mache eine auf", sagt die 46-Jährige und lacht. Iris Frenzen wird ein neues Restaurant in den Räumen des ehemaligen "Stainer's" an der Waldhausener Straße eröffnen. Der Vorbesitzer hatte sich nicht lange halten können. Entsprechend skeptisch seien die Eltern zu Beginn der Idee gewesen.

Mit einer Immobilie in Neuwerk fing es an. Daraus sei aber nichts geworden. Vielleicht ein Glück, denn der Pächter dieser Immobilie, die Krombacher-Brauerei, sah Iris Frenzen, mit dem, was sie vorhatte, an einer ganz anderen Adresse: Waldhausener Straße - Spitzenlage.

Für die Gladbacherin eine einmalige Gelegenheit: "Hier bin ich schon als Kind essen gegangen. Das Haus hat einen guten Ruf, viel Charme, eine Geschichte." Und den wolle sie auch erhalten. Nur eben so auffrischen, dass ein modernes Publikum à la Kulturküche sich in der Kneipe mit Hausmannkost auch gerne sehen lässt.

Königsberger Klopse soll es geben. "Weil ich die so gerne mag und man die so selten bekommt", sagt Iris Frenzen. "Die alten Rezepte sind ja gut, aber es darf eben nicht piefig aussehen." Dabei möchte die Gastronomin mit hiesigen Anbietern zusammenarbeiten. Fleisch von der Metzgerei Hoster in Neuwerk, Fisch aus der Zucht Peschkes, Backwaren von der Bäckerei Klütsch, Weine von La Tienda. Es soll gut werden. Gehobene, bürgerliche Küche modern präsentiert, "gute Produkte zu einem fairen Preis", sagt die 46-Jährige. "Ich versuche, ein mittleres Preisniveau zu erreichen. Jeder soll hier essen können. Nichts Überkandideltes, aber eben gut."

Die Zahlen hat Iris Frenzen genau im Kopf. Dass Gastronomie immer ein Wagnis ist, sei ihr wohl bewusst. Aber inzwischen habe sie auch ihre Eltern überzeugen können. "Wenn es eine schafft, dann du", hätten sie gesagt. "Ich habe keine Kinder, ich habe die Zeit und die Kraft dafür, ich habe mir das ausgerechnet, war bei einem Unternehmensberater, bei der Wirtschaftsförderung." Sprich, die Gladbacherin hat alles im Griff.

Die Vorbereitungen stemmt sie neben Beruf und Nebenjob. Ob sie das alles schaffe? "Jaja, sicher", sagt sie und lacht. Die Kraft zieht sie aus ihrem Lebenstraum: eine eigene Gastronomie zu leiten. So, wie sie es will, so, wie sie sich das vorstellt, so, dass jedes Detail stimmt. "Ich habe einen hohen Anspruch, auch an mein Personal", sagt Iris Frenzen. Genügend Aushilfskräfte habe sie bereits zusammen. Köche und eine feste Servicekraft fehlten noch. Ab dem 28. Oktober soll eine Testwoche laufen, am 4. November soll offiziell Eröffnung gefeiert werden. Jeden Samstagvormittag wird es ab 11 Uhr einen Frühschoppen geben, dazu Livemusik und Kleinkunst. Auch der Mittwochabend im "Frenzen" soll ein besonderer werden. Mit dem Poetry-Slammer Marco Jonas Jahn habe sie bereits darüber gesprochen, wie man die Poesie in die Kneipe holen kann. Und ihre eigene Wurst will die 46-Jährige auch noch anbieten - als Alleinstellungsmerkmal.

Iris Frenzen will durchstarten; alles, nur nicht stehenbleiben. "Das ist für mich eine ganz große Sache", sagt sie. "Ich kann kochen, ich kann Service, ich kann Zapfen, ich kann Zahlen." Das sei noch kein Garant für ein erfolgreiches Restaurant, aber eine Basis.

Runterschalten ist nicht drin. Nur montags und dienstags sollen zumindest im neuen "Frenzen" die Türen geschlossen bleiben. Und die Chefin legt dann vielleicht auch einen Ruhetag ein.

(klik)
Mehr von RP ONLINE