Mensch Gladbach: Aufschieben ist keine Lösung

Mensch Gladbach : Aufschieben ist keine Lösung

Wenn Millionen in Sanierungen verschwinden, lässt sich das politisch beim Umwerben der Wähler nicht gut verkaufen. Deshalb bleibt vieles liegen oder wird nur notdürftig geflickt. Doch irgendwann holt es uns ein - und wird deutlich teurer.

Der Samstag ist ja traditionell der Tag des Erledigens: Bürgersteig kehren, Einkaufen gehen, Wäsche waschen. All so Dinge. Sie kennen das. Doch nach einer arbeitsreichen Woche hält sich die Lust darauf manchmal in Grenzen. Das Alternativprogramm, das der innere Schweinehund anbietet, ist attraktiver: ausschlafen, ein Buch lesen, in die Sonne setzen, eine Runde Rad fahren durch die Natur, shoppen gehen (meint nicht den Wocheneinkauf im Supermarkt). Es ist schwer, sich zu disziplinieren und die Pflichten zu erfüllen.

Macht man es nicht ( für krankhaftes Aufschieben gibt es übrigens den wunderbaren Fachbegriff Prokrastination), bereut man es: angesäuerte Nachbarn, leerer Kühlschrank, keine sauberen Klamotten sind die Folge. Und irgendwann hat man mit all dem mehr Arbeit, als wenn man es gleich erledigt hätte.

Wie wir darauf kommen? In dieser Woche gab es ein sehr ähnliches Beispiel im Bauausschuss. Da hat ein sicherlich kompetenter Fachmann aus dem Rathaus der Politik vorgetragen, dass sieben Brücken in städtischer Verantwortung dringend saniert werden müssten. Der Mann, so unser Reporter, flehte schon fast um ein positives Votum. Vergebens. Die Politiker reagierten resveriert. Der Grund für die Ablehnung: eine Finanzierungslücke in Höhe von 5,3 Millionen Euro - immerhin 61 Prozent der kalkulierten Gesamtkosten.

Das ist viel Geld. Und damit kann man viel machen, um die Gunst der Wählerschaft zu sichern. Radwege bauen, Spielplätze aufmöbeln, Grünanlagen bepflanzen, Sitzbänke aufstellen. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Die Politiker kennen sich da noch besser aus als wir. Wie unsexy ist dagegen die Sanierung von Brücken. Verschlingt viel Geld, ohne dass danach ein Mehrwert zu erkennen ist. Verständlich, dass man davor zurückscheut.

Doch was ist die Alternative?

Man kann die Zeichen der Zeit konsequent ignorieren. Dann brechen die Brücken irgendwann zusammen. Was nicht das Ziel sein kann. Man kann "flickschustern", also notdürftig reparieren, und die große Sanierung auf bessere Zeiten verschieben. Wann sind denn bessere Zeiten? Im Normalfall nie. Also entsteht ein Sanierungsstau. Und irgendwann muss dann saniert werden, das aber wird aufwendiger und teurer, als wenn es gleich erledigt worden wäre. Diese normative Kraft des Faktischen ist gut zu beobachten bei der Sanierung von Autobahnbrücken wie bei Leverkusen auf der A1. Sperrung, Chaos, hohe Kosten. Kluge Hausbesitzer wissen, wie gut es ist, für Instandsetzungsmaßnahmen Rücklagen zu bilden. Doch auch Rücklagen sind im politischen Raum nicht allzu attraktiv, erst recht, wenn in einer Stadt wie Mönchengladbach das Geld knapp ist.

Samstag. Der Bürgersteig müsste gekehrt werden ... Eigentlich. Zur Motivation eine Weisheit von Johannes Chrysostomos, einst Patriarch von Konstantinopel: "Verschiebe nichts auf morgen, das Morgen ist endlos." Schönes Wochenende!

(dr)
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