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Mönchengladbach: Arrest für 15-jährige Schläger

Mönchengladbach : Arrest für 15-jährige Schläger

Die Jugendkammer des Landgerichts Mönchengladbach hat am Dienstag die beiden 15-Jährigen verurteilt, die Pfingstsamstag im Hauptbahnhof zwei Frauen zusammengeschlagen haben. Der Haupttäter muss wegen gefährlicher Körperverletzung drei Wochen in Arrest, der andere für eine Woche.

Niemand achtet auf den schmächtigen Jungen, der neben seiner Mutter auf einer Holzbank vor dem Saal A 4 im Mönchengladbacher Gerichtsgebäude sitzt. Der 15-Jährige sagt als Zeuge gegen seine beiden Freunde aus, die Pfingstsamstag im Mönchengladbacher Hauptbahnhof zwei Frauen zusammengeschlagen und schwer verletzt haben. "Die beiden sind ganz nette und harmlose Jungs", so der Teenager.

 Die beiden Opfer (2. und 3. v.l.) gestern vor dem Gerichtssaal.
Die beiden Opfer (2. und 3. v.l.) gestern vor dem Gerichtssaal. Foto: Schwerdtfeger, Christian

Das Gericht teilte diese Meinung am Dienstag nicht und verurteilte den Haupttäter wegen gefährlicher Körperverletzung zu drei Wochen Arrest und 100 Arbeitsstunden, die vergütet werden. Das Geld muss er den Opfern als Schmerzensgeld zahlen. Der andere Angeklagte erhielt für eine vorsätzliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte eine Woche Arrest. Zudem müssen beide an einem Antiaggressionstraining teilnehmen. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Wochen Arrest gefordert.

Für das Verfahren blieb die Öffentlichkeit gestern ausgeschlossen. Die beiden Verurteilten sind Cousins, arabischstämmig und gerade einmal 15 Jahre alt. Das Jugendgericht sah es als erwiesen an, dass die Teenager am 26. Mai dieses Jahres in der Eingangshalle des Bahnhofs Sabine D. (39) und Sonja H. (36) angegriffen und mit mehreren Faustschlägen schwer im Gesicht verletzt haben. Die Opfer erlitten dabei mehrere Prellungen und Platzwunden am Kopf, einer Frau wurde die Nase gebrochen.

Zu der Attacke kam es, nachdem den Frauen in der Bahnhofshalle ein Ball vor die Füße gerollt war, mit dem die Angeklagten Fußball spielten. Als sie die Jungen aufforderten, sich einen anderen Ort zum Fußballspielen zu suchen, soll der Haupttäter sofort zugeschlagen haben. "Der erste Schlag hat mich ausgeknockt. Dann habe ich nicht mehr viel wahrgenommen", sagt die 39-Jährige. Ihre Freundin sei dann eingeschritten. "Ich wollte nur schlichten. Doch dann kam ein zweiter Angreifer hinzu. Sie prügelten dann gemeinsam auf uns ein", sagt die Jüngere der beiden. Erst als Passanten, die den Angriff beobachteten, laut um Hilfe schrien, ließen die Jugendlichen von den Frauen ab. Filmaufnahmen, die den Hergang des Geschehens dokumentieren, gibt es nicht. Zwar hat die Bahn am Mönchengladbacher Hauptbahnhof 19 Überwachungskameras installiert. Doch die Tat wurde nicht aufgezeichnet.

Der Bundespolizist, der einen der Schläger noch in Tatortnähe festnehmen konnte, beschreibt die beiden als extrem aggressiv. Eine derartige Brutalität habe der 37-Jährige in seinem gesamten Berufsleben zuvor noch nicht erlebt. "Der Haupttäter hat bei seiner Festnahme auf mich eingeschlagen und getreten ", sagt er. Bei seiner anschließenden Vernehmung auf der Wache habe der 15-Jährige nochmals auf ihn eingeprügelt, sagt der Bundespolizist. "Daraufhin habe ich ihm eine Ohrfeige gegeben und ihm wieder die Handschellen angelegt", sagt er.

Aggressiv sei auch die Mutter des Jungen gewesen, als sie ihren Sohn auf dem Revier abholen wollte. "Die hat uns sehr heftig beschimpft und ihren Sohn für die Tat auch noch gelobt", berichtet der Beamte, der am Dienstag vor Gericht als Zeuge aussagte. Dem zweiten Verurteilten war zunächst die Flucht gelungen. Wenige Tage später fasste die Polizei auch ihn. Er legte im Gegensatz zu seinem Freund ein Geständnis bei der Polizei ab.

Der Haupttäter war der Polizei zuvor bereits mit mehreren Delikten aufgefallen, aber noch nicht verurteilt worden. Beim Jugendamt ist er aktenkundig — allerdings nicht wegen Straftaten. Laut Bundespolizei sollen die Angeklagten einer Jugendgang angehören, die seit Monaten im Umfeld des Bahnhofs Passanten anpöbelt, schlägt und überfällt. "Sie greifen auch erwachsene Männer an", sagt der Bundespolizist. Zu der Gang soll auch der 15-Jährige gehören, der gestern gegen seine Freunde aussagte, weil er die Tat aus nächster Nähe beobachtet hatte. Seine Mutter sagt: "Das sind doch noch alles Kinder. Sie wissen doch gar nicht wirklich, was sie da machen."

Die Opfer warteten das Urteil nicht mehr ab. Sie verließen nach ihrer Aussage das Gerichtsgebäude. Den Ausgang des Verfahrens erfuhren sie von ihrem Anwalt.

(RP/jco)